static-aside-menu-toggler
gkSearch
Frederick McCubbin „Bush Idyll“ (Öl auf Leinwand, 1893)

Berlin - Die Heidelberger Schule, Kristallisationspunkt der impressionistischen Freilichtmalerei in Australien, hatten wir auf unserer Seite bereits mit dreien ihrer Vertreter, namentlich Clara Southern, Jane Sutherland und Tom Roberts, vorgestellt. Nie haben wir behauptet, dies seien die einzigen australischen Impressionisten gewesen, wodurch wir in der vorteilhaften Position sind, unsere biographische Reihe in diesem Bereich ungeniert erweitern zu können. Heute befassen wir uns mit Frederick McCubbin, einem Pionier der Schule.

Den Schritt in diese Welt wagte er 1855, wurde also 15 Jahre nach Monet geboren, zwei Jahre nach van Gogh. Der Geburtsort war Melbourne, der Vater war dort als Bäcker tätig, die Mutter noch selbst aus England eingewandert. In frühen Jahren bereits zeichnete er in den Vororten von Melbourne, besuchte Abendkurse an der Artisans School of Design in Carlton, wo ihm bereits sein zukünftiger Mitstreiter Louis Abrahams begegnete.

Später schrieb er sich an der National Gallery of Victoria Art School ein, seine Lehrer dort waren der romantische Landschaftsmaler Eugene von Guérard und der Figuren- und Genremaler George Folingsby. Auch lernte er dort Tom Roberts kennen, welcher später nach Europa gehen und impressionistische Anregungen mitbringen sollte. Zunächst folgten jedoch weitere Studienjahre an der Victorian Academy of the Arts, wo er von 1876-79 auch regelmäßig ausstellte.

Mit Abrahams gründete er 1882 eine Gruppe, welche sich vom strengen Akademiebetrieb ab- und der Aktmalerei zuwandte. Sein Werk bestand in jener Zeit noch weitgehend aus Stadtansichten, beeinflußt von der Malerei des viktorianischen England, auch zeichnete er für Zeitungen und Zeitschriften.

Ab Mitte der 1880er Jahre entdeckten McCubbin, Abrahams und der just aus Europa zurückgekehrte Tom Roberts das australische Buschland bei Melbourne für sich, wo sie das Künstlerlager Box Hill errichteten. Dabei entwickelten sie einen spezifisch australischen Pleinairstil, der sich durch leichte, pastellene Farben und atmosphärische Dichte und dennoch bisweilen bedrückende Stimmung auszeichnete. Man sieht förmlich die Hitze, das flimmernde Sonnenlicht.

1888 wurde McCubbin Lehrer und Leiter der School of Design at the National Gallery. er unterrichtete zahlreiche Studenten, von denen einige, wie Charles Conder und Arthur Streeton, selbst bekannte Künstler werden sollten. 1889 heiratete er. Eines der Kinder, Louis McCubbin, sollte später ebenfalls Maler werden und überdies Direktor der Art Gallery of South Australia.

1901 bezog er mit seiner Familie ein Haus in Mount Macedon, nordwestlich von Melbourne, auf einem Hügel, welchen er „Fontainebleau“ nannte. Auch dort entstanden zahlreiche Gemälde, auf welchen er versuchte, das spezifische Licht einzufangen. Es gab in den Folgejahren noch Reisen nach Tasmanien und England, doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, und meist blieb er in der Gegend um Melbourne.

1912 wurde er noch Mitbegründer der Australian Arts Society, fünf Jahre später versagte sein Herz. Sein Ruf in Australien ist bis heute unangefochten, anläßlich seines 100. Geburtstages 1955 gab es eine große Retrospektive in der National Gallery of Victoria, und eine seiner Landschaften, „Bush Idyll“ (1893), wurde 1998 zum teuersten je verkauften australischen Gemälde.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/265-tom-roberts-–-der-vater-des-australischen-impressionismus.html
https://art-depesche.de/malerei/167-jane-sutherland-–-pleinairmalerei-der-„heidelberger-schule“.html
https://art-depesche.de/malerei/394-die-australische-freilichtmalerin-clara-southern.html
http://www.artistsfootsteps.com/html/Artists_mccubbin.htm
https://www.artgallery.nsw.gov.au/collection/artists/mccubbin-frederick/
https://mccubbinfamily.info/history/frederick-mccubbin/

Frederick McCubbin - Freilichtmaler im australischen Busch https://art-depesche.de/images/McCubbin.jpg Ruedi Strese