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Werner Neuhaus „Emmentaler Landschaft“ (Öl auf Leinwand, 1926)

Berlin - Cuno Amiet ist hiesigen Kunstliebhabern als einer der herausragenden Protagonisten der frühen Moderne in der Schweiz und zeitweise Mitglied der expressionistischen Künstlervereinigung „Die Brücke“ einigermaßen bekannt. Also nutzen wir dessen Namen, um die Aufmerksamkeit auf einen schweizer Expressionisten zu lenken, der zwar nur kurze Zeit Amiets Schüler war, doch immerhin: bis hier ist uns der Leser gefolgt, und vielleicht wird er nun auch weiterlesen. Es geht um Werner Neuhaus, der in der ersten Hälfte seiner kurzen Schaffenszeit einen durchaus relevanten Beitrag zum Expressionismus ablieferte.

1897 war er in Burgdorf im Kanton Bern als Sohn eines Kaufmanns zur Welt gekommen, 1913 begann er in Basel eine Lehre als Lithograph. 1920/21 lernte er an der Baseler Gewerbeschule bei Arnold Fiechter und Albrecht Mayer. Prägender wurde die Begegnung mit Cuno Amiet, dem er 1921/22 in Oschwand als Schüler Gesellschaft leistete. Unter dem Einfluß Amiets wandte er sich von der zunächst praktizierten dunkeltonigen Art der Baseler Schule (Karl Dick, Paul Basilius Barth, Numa Donzé) ab und fand zu einer kraftvoll-expressiven und farbenfrohen Malweise.

Auch entschied Neuhaus sich zum Anmieten eines Ateliers in Binningen bei Basel. Er schloß Freundschaft mit Hermann Scherer und Albert Müller. Diese gründeten, gemeinsam mit Paul Camenisch, zu Silvester 1924 nach dem Vorbild der „Brücke“ die Ausstellungs- und Arbeitsgemeinschaft Rot-Blau, welche so etwas wie das geistige Zentrum des Expressionismus in der Schweiz wurde. Neuhaus selbst war bei diesem Akt physisch nicht anwesend, gilt nichtsdestotrotz als Mitglied der ersten Tage.

Tatsächlich läßt sich der Einfluß der deutschen Brücke-Künstler, speziell Ernst Ludwig Kirchners, der 1923 in Basel ausgestellt hatte, in Farbwahl und Formgebung sowie der Betonung der Fläche schwerlich bestreiten! Neuhaus war allerdings der Einzige der Gruppe, welcher Kirchner nie persönlich in Frauenkirch besuchte. 1925 arbeiteten Neuhaus, Scherer und Camenisch gemeinsam im Tessiner Bezirk Mendrisio, es folgte eine längere Italienreise.

1926 heiratete er Hedwig Gfeller, die Tochter des Emmentaler Mundartschriftstellers Simon Gfeller. 1927 zog er ebenfalls ins Emmental und entfernte sich in Folge von der avantgardistischen Kunstszene. Er ließ sich 1929 wieder ein Atelier einrichten und entwickelte einen vom Frühwerk deutlich verschiedenen Stil, welcher vorwiegend vom Realismus des 19. Jahrhunderts geprägt war; so erscheint uns sein Werk im Nachhinein als in zwei scheinbar unzusammenhängende Hälften seltsam getrennt.

Immerhin, das neue Schaffen erwies sich als kommerziell erfolgreich und brachte Neuhaus eine ganze Menge Porträtaufträge; ansonsten malte er vorzugsweise Stilleben und Landschaften, welchen er seinen Ruf als Maler des Emmentals verdankt. Die offizielle Schweiz bedankte sich mit zwei Eidgenössischen Kunststipendien (1929 und 1930); auf dem Concours Calame 1933 erreichte er den dritten Platz.

Sein letzter Auftrag, an dem er arbeitete, waren im August 1934 Glasfensterentwürfe für die Kirche St.Blasius in Rüegsbach. Auf dem Heimweg mit dem Fahrrad unterwegs, wurde er von einem PKW erfaßt und verstarb. Ausgeführt wurden diese Malereien im Jahr 1935 schließlich von dem spezialisierten Glasmaler Leo Steck.

 

Verweise:

https://www.yumpu.com/de/document/read/5859813/werner-neuhaus-1897-1934-digibern
https://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4023406
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022550/2009-01-07/

Werner Neuhaus: -Expressionist, Schüler Cuno Amiets https://art-depesche.de/images/Emmentaler_Landschaft.jpg Ruedi Strese