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Erich Franke „Famagusta (vor) Mauer am Hafen“ (Aquarell tuschiert, 1972/73, 43 x 59 cm)

Berlin - Ein vielseitiges Werk zwischen Kubismus und Abstraktion mit starkem Bezug zu Musik und Theater schuf der Maler und Bühnenbildner Erich Franke. Die Berliner Salongalerie „Die Möwe“ präsentiert in ihren Räumen noch bis zum 7. November 2020 einen rund 30 Werke aus fünf Dekaden umfassenden Querschnitt seines Oeuvres. Wir waren vor Ort, um uns einen Eindruck zu verschaffen.

Geboren wurde Franke 1911 in Offenbach am Main als Sohn eines Arztes und Enkelkind eines Theaterschriftstellers; u.a. soll Alexej von Jawlensky in seinem Elternhaus verkehrt haben. Als Gymnasiast befaßte er sich bereits mit avantgardistischer Collagetechnik. An der Kunstgewerbeschule Wiesbaden belegte er Kurse in Malerei, Innenarchitektur, Werbegrafik und Mode.

Die frühesten Arbeiten in der aktuellen Schau stammen aus den beginnenden 30er Jahren, diese sind eine kubistische Kohlezeichnung („Bücherkiste“ von 1931) sowie ein Stilleben mit Gefäßen vor einer Bücherwand (unbetitelte Gouache von 1932), wohl die Bibliothek der Mutter des Künstlers. Ein sehr beachtenswertes Werk, welches sich auf eigenständige Weise mit kubistischer Zergliederung befaßt.

Ab 1934 ließ Franke sich am Staatstheater Wiesbaden zum Bühnen- und Kostümbildner ausbilden. Aus jener Zeit stammt das Aquarell „Tanztriole“. 1939 fand er eine Anstellung als Bühnenbildner in Heidelberg. 1944 wurde sein Atelier in Wiesbaden bei einem alliierten Bombenangriff zerstört, wobei ein Großteil seines malerischen Werkes vernichtet wurde. Die Kriegszeit ist folglich lediglich mit einer kleinen Studie vertreten. Zum Kriegsende erst wurde er eingezogen, geriet in sowjetische Gefangenschaft, aus welcher er 1946 entlassen wurde.

Anschließend knüpfte er an sein früheres Schaffen an, befaßte sich mit der Abstraktion („Raumkaskade“, 1947), wobei er weder streng geometrisch noch expressiv im Sinne des Informel vorging, sondern eher lyrisch-verhalten wie Paul Klee, mit allerdings ausgesprochen hellen, freundlichen Farben. Auch Einflüsse von Delaunays Orphismus scheinen durch.

Er arbeitete bald wieder als Bühnenbildner, schloß ab 1954 noch einmal ein Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe an. Eine der schönsten Arbeiten der Ausstellung, die „Italienische Bucht“, stammt aus dem Jahr 1955. Harmonisch und licht die südlichen Farben, die kubistische Flächenzerlegung wirkt als Spiel mit, nicht als aggressive Zerstörung der Form.

Erschüttert war Franke vom Bau der Mauer am 13. August 1961, genau an seinem 50. Geburtstag. Es entstand eine Reihe von Arbeiten in Schwarzweiß, welche sich mit dem Grenzgebiet befaßten, auch in dieser Ausstellung mit Beispielen vertreten, darunter die trostlose Tuschezeichnung „Grenze“ (1964). Der Mauerbau wurde für Franke auch Anlaß zur Gründung der Gruppe „G“, welche sich künstlerisch mit der Teilung Deutschlands auseinandersetzte und vor allem im norddeutschen Raum ausstellte.

Ebenfalls in den 60er Jahren wurden die Froissagen geschaffen, wobei er ein Pionier dieser Technik in Deutschland gewesen sein dürfte. Aus zerknülltem und bemaltem/besprühtem Papier entstanden Reliefs, Gebilde, die Gebirgslandschaften aus Luftperspektive ähneln. 1965 malte er „Ile Solitude“, ein zartes, melancholisches Bild, eines der Glanzlichter der Ausstellung.

Eine letzte Werkgruppe, die auch hier präsent ist, sind die Zypernbilder, welche in Folge einer Reise 1972 entstanden, bei welcher Franke auch Zeuge der politischen Teilung der Insel wurde. Die letzten Arbeiten im Programm entstanden in den frühen 1980er Jahren.

Als der Künstler 2008 in Bielefeld starb, wurde sein Freund Thilo Herrmann als Nachlaßverwalter eingesetzt. Dieser war auch an der Entstehung der (wie immer in dieser Galerie) ansprechend präsentierten Schau beteiligt, welche wir unseren Lesern, insbesondere jenen, die vielleicht mit Paul Klee oder Robert Delaunay etwas anfangen können, wärmstens ans Herz legen wollen.

Die Salongalerie „Die Möwe“ befindet sich in der Auguststraße 50b in 10119 Berlin, in der Nähe des Rosenthaler Platzes. Erreichbar ist sie telefonisch unter 030-30881842 oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, geöffnet von Dienstag bis Sonnabend jeweils von 12-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/aktuell.html

Aus der klassischen Moderne: Erich Franke in Berlin https://art-depesche.de/images/Famagusta_vor_Mauer_am_Hafen.jpg Ruedi Strese