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Max Pietschmann „Die Bestrafung des Faunus“ (Öl auf Holz, 1895, Galerie „DER PANTHER“ München/Bremen)

Berlin - Kürzlich berichteten wir über die erstrangige Ausstellung zu den vornehmlich belgischen Symbolisten in der Alten Nationalgalerie. Vertreten waren mit Arnold Böcklin, Franz von Stuck oder Gustav Klimt auch Maler aus dem deutschen Sprachraum. Ein weiterer Künstler dieser Strömung, auf welchen uns die Galerie „DER PANTHER“ in diesem Zusammenhang aufmerksam machte, war der Dresdener Max Pietschmann. Wir nutzen die Gelegenheit für eine unserer kleinen biographischen Skizzen.

Skizzenhaft muß es auch bleiben, denn die zunächst verfügbaren Informationen sind spärlich. Geboren wurde Pietschmann 1865 in Dresden, welches auch Schwerpunkt seines Wirkens bleiben sollte. Von 1883 bis 1889 studierte er an der Dresdener Kunstakademie unter anderem bei den akademischen Historienmalern Leon Pohle und Ferdinand Pauwels, welche ihm allem Anschein nach das Handwerk zu vermitteln wußten.

Er schloß sich der Freilichtmalerkolonie Goppeln bei Dresden an, welche damals zahlreiche prominente Künstler anzog, so Carl Bantzer, Gotthardt Kuehl, Paul Baum oder Robert Sterl. Gemeinsam mit dem aus Bautzen stammenden, ebenfalls in Dresden und Goppeln tätigen Hans Unger, welcher gleichsam als Vertreter des Dresdener Jugendstils und Symbolismus eingestuft werden kann, hielt er sich für zwei Jahre in Italien auf.

Für sein in Italien entstandenes Großgemälde zum Polyphem erhielt er 1893 auf der Weltausstellung in Chicago eine Medaille. Es folgte ein Aufenthalt in Paris. Während der Studienzeit an der legendären Académie Julian widmete er sich hauptsächlich dem Aktzeichnen; bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 erhielt er ebenfalls eine Auszeichnung.

Anschließend wandte er sich wieder Dresden zu, wo er sich dem Verein bildender Künstler Dresden anschloß, der ersten größeren nichtakademischen Künstlervereinigung der Stadt, welche deshalb auch als erste Dresdener Sezession bezeichnet wird. Sein Werk ist vornehmlich am Symbolismus Arnold Böcklins und Max Klingers orientiert.

Gerne zeigt er kraftvolle Gestalten, Menschen und Fabelwesen in arkadischer Umgebung. Romantische und klassizistische Bezüge sind offenbar, die impressionistische Lichterfahrung hat er durch seine Zeit als Pleinairmaler ebenfalls aufgenommen, ohne sich jedoch weiterhin dessen auflösender Technik zu bedienen: im Gegenteil, in den Werken seiner Hauptschaffenszeit ist Pietschmann ein genauer Zeichner, welcher sich gerne der Fotografie als Grundlage bediente und zunächst ausgiebig sikzzierte, bevor es an die Leinwand ging.

Eher auf populäre Vorlieben soll er mit unter dem Tarnnamen „Fr. (Francois) Laubnitz“ gemalten Bildern Rücksicht genommen haben; die Bilder waren zu ihrer Zeit in Dresden als Wanddrucke sehr verbreitet. Er starb 1952 in seiner Heimatstadt, das Grab befindet sich auf dem Hosterwitzer Friedhof.

Im Auktionshaus Grisebach in Berlin läuft übrigens nur noch bis zum 3. Oktober eine Ausstellung zu Pietschmanns erst kürzlich gefundenem Hauptwerk „Fischzug des Polyphem“, über welche wir hoffentlich auch noch gesondert zu berichten schaffen werden.

 

Verweise:

https://galerie-der-panther.de/2020/09/08/max-pietschmann-ein-symbolist-aus-dresden/
https://art-depesche.de/malerei/684-von-der-dunkelheit-gefesselt-symbolisten-in-der-alten-nationalgalerie.html
https://www.weltkunst.de/kunstwissen/2020/09/max-pietschmann-ein-gigantischer-fund
https://www.grisebach.com/auktionshaus/termine-veranstaltungen/termin/event/d/s/ts/2020-09-24/0000/t/king-kong-kommt-aus-dresden-84.html
http://www.kunst-und-kultur.de/index.php?Action=showMuseumExhibition&aId=3599

Wiederentdeckung: der Dresdener Symbolist Max Pietschmann https://art-depesche.de/images/Die_Bestrafung_des_Faunus.jpg Ruedi Strese