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Otto Knille „Tannhäuser und Venus“ (Öl auf Leinwand, 1873)

Berlin - Düsseldorf, Paris, München, Rom, Berlin: diese Städte zählten im mittleren 19. Jahrhundert zu den großen Adressen für werdende und gewordene Künstler. Einer, dessen Leben mit diesen fünf verbunden war, war der akademische Historienmaler Otto Knille. Heute nur noch wenig bekannt, bietet sein Lebenslauf doch einen interessanten Einblick in eine bewegte Zeit.

Geboren wurde er 1832 in Osnabrück in einer wohlhabenden Familie. Frühen Zeichenunterricht erhielt er wohl von 1838-48 bei Julius Müller, einem nun vergessenen Landschafter, welcher vorrangig Ansichten Osnabrücks malte. Das Talent soll sich früh gezeigt haben; gerade sechzehnjährig begann er im Anschluß sein Studium an der Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf.

Seine bedeutendsten Lehrer dort waren Carl Ferdinand Sohn, Wilhelm von Schadow, Theodor Hildebrandt und Emanuel Leutze. Er wurde eines der Gründungsmitglieder des Künstlervereins Malkasten, zu seinen Mitstudenten gehörten unter anderen Wilhelm Busch und Theodor Mintrop. Seine Leistungen wurden im Allgemeinen als gut bis sehr gut eingestuft, und er fühlte sich 1853 motiviert, nach Paris zu gehen, wo er bis 1854 im Meisteratelier Thomas Coutures lernte.

In Folge lernte er für vier weitere Jahre in München bei Karl von Piloty. In diese Zeit fällt sein Aufstieg zu einem geachteten Vertreter der akademischen Historienmalerei. Für vollendet hielt er sich selbst bei weitem nicht, und er verbrachte von 1860-62 weitere Lehrjahre in Rom, wo er vornehmlich alte Meister wie Tizian kopierte.

König Georg V. von Hannover gehörte zu seinen prominenten Verehrern; er ermöglichte ihm ein Auskommen als Porträtist gehobener Kreise in Hannover. Das südlich der Stadt gelegene königliche Schloß Marienburg stattete er mit Sagen- und Märchenbildern aus. Eine Zeit verbrachte er zudem in Bremen, bevor ihn der Ruf der preußischen Regierung 1865 nach Berlin lockte.

Er verdingte sich dort in dem Metier, welches ihm wohl am nächsten war, als Historienmaler der idealistischen Schule. Zahlreiche Aufträge erhielt er von der Staatsregierung selbst. In die Berliner Zeit fällt auch unser Titelbild, „Tannhäuser und Venus“ von 1873, welches als Knilles wichtigstes Werk gilt und sich im Besitz der Nationalgalerie befindet.

1875 fand er eine Anstellung als Lehrer an der Berliner Kunstakademie, 1877 erhielt er seine Professur. Ein Schüler Knilles war übrigens der durch Worpswede zu Berühmtheit gelangte Hans am Ende. Zu seinem persönlichen Umfeld gehörten zahlreiche prominente Persönlichkeiten wie Friedrich Kaulbach, Arthur Fitger und Theodor Fontane.

In seiner Berliner Zeit entstand auch das Monumentalgemälde „Moderne Zeitalter - Weimar 1803“ (1884), für welches er 1886 mit der Goldmedaille der Stadt Berlin geehrt wurde. Es zeigt eine erdachte Zusammenkunft berühmter Persönlichkeiten am Weimarer Hof; zu dem im Mittelpunkt stehenden Johann Wolfgang von Goethe gesellen sich die Brüder Humboldt, Friedrich Schiller, Johann Gottfried von Herder, Jean Paul, Johann Heinrich Pestalozzi usw.

Des Weiteren schrieb er Bücher, welche sich mit künstlerischen Fragestellungen beschäftigten. Er gehörte zu jenen heute zu Unrecht mißachteten Künstlern der Gründerjahre, welche die handwerklichen Fähigkeiten höher bewerteten als die spontane Eingebung. Otto Knille starb 1898 auf einer Reise in die Alpen. Sein Leichnam wurde nach Berlin überführt und auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor unter großen Ehren beigesetzt.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/otto-knille/
https://www.deutsche-biographie.de/sfz43225.html
https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-32467/Dissertation Lars Berg_Otto Knille.pdf
https://akademieintegra.wordpress.com/2012/04/04/goethe-und-die-schulden-griechenlands-weimar-1803-2011/

Otto Knille - Historienmaler zwischen Düsseldorf und Berlin https://art-depesche.de/images/1873_Knille_Tannhaeuser_und_Venus_anagoria.jpg Ruedi Strese