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William Blair Bruce „Freiluftatelier“ (1885-90)

Berlin - Die US-amerikanische und kanadische Freilichtmalerei um 1900 ist ein Gebiet voll wunderbarer Entdeckungen, wie regelmäßige Besucher unserer Seite wissen dürften. Ein Großteil dieser Künstler ist irgendwie mit Frankreich verbunden, hat in Paris studiert und sich längere Zeit in ländlichen Freilichtmalerkolonien aufgehalten. Der Kanadier William Blair Bruce stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar. Ungewöhnlich in seiner Biographie ist der Bezug zur schwedischen Kunstwelt.

Zur Welt kam Bruce 1859 in Hamilton, Ontario, Kanada, als Sohn schottischer Einwanderer. Ersten Zeichenunterricht erhielt der früh als begabt erkannte Junge von seinem Vater William Bruce. In Hamilton studierte er zunächst für eine Weile Rechtswissenschaft, dann Architektur. Künstlerische Unterweisung vor Ort bekam er für eine Zeit bei den lokalen Künstlern Henry Martin und John Herbert Caddy, besuchte 1877 zudem kurz die Hamilton Art School. Erste Arbeiten in Öl und Wasserfarben waren 1881 bei einer Ausstellung der Ontario Society of Arts zu sehen.

Die anscheinend ebenso vermögenden wie von ihrem Sproß überzeugten Eltern ermöglichten diesem anschließend einen Studienaufenthalt in Paris, welcher sich ausdehnen sollte. Die Académie Julian war das Standardprogramm, dort vermittelten ihm William Adolphe Bouguereau und Tony Robert-Fleury das Handwerkszeug der akademischen Malerei. Bereits 1882 durfte er im Pariser Salon ausstellen (und dies tat er dann bis zu Lebensende fast jedes Jahr). Die frühen Werke orientierten sich in ihren naturalistischen Farbtönen vornehmlich an der Freilichtmalerei der Schule von Barbizon, wo er zwischenzeitlich auch ein Haus gemietet hatte.

In Grez-sur-Loing hielt er sich ebenfalls auf, und hier knüpfte er erste Kontakte mit schwedischen Malern wie Carl Larsson, dessen Frau Karin geb. Bergöö, Bruno Liljefors und dem vornehmlich als Schriftsteller bekannten August Strindberg, welche eine eigene Kolonie gebildet hatten. Er befaßte sich mit der farbenfrohen Freilichtmalerei und wurde einer der ersten kanadischen Impressionisten.

Künstlerische Anerkennung auf größeren Ausstellungen fiel mit finanziellen Schwierigkeiten und nervlichen Belastungen einher, zudem konnten seine Eltern seine neue Malweise nicht gleich nachvollziehen. Er beschloß, eine Auszeit in Kanada zu nehmen, ließ rund 200 Gemälde in die Heimat verschiffen, welche mit dem Boot untergingen.

Der Weltuntergang war dies zum Glück nicht, denn in Kanada erhielt er überraschenden Besuch von der (wohlhabenden) schwedischen Bildhauerin Carolina Benedicks, welche er zuvor in Frankreich kennen und lieben gelernt hatte, und die ihn nun nach Europa zurückzuholen gedachte. Mit Erfolg, denn 1886 verlobten sie sich, und darauf ging es wieder nach Frankreich.

Bruce war nun ein gereifter Künstler. Er schloß sich der amerikanischen Freilichtmalergruppe um Theodor Robinson an, gemeinsam mieteten sie sich in Giverny, in der Nähe des Meisters Monet ein. Der Beitrag zum Pariser Salon von 1888 wurde hervorragend aufgenommen, und im selben Jahr schloß auch das Künstlerpaar die Ehe, welche sich als glückliche und stabile Verbindung erweisen sollte, trotz des frühen Todes der einzigen Tochter.

Bis 1894 hielten sie sich regelmäßig in Grez auf, wo sie das vormals von Carl Larsson bewohnte Haus zum Domizil erwählten. Unser Titelbild entstand eben dort. Ansonsten reiste das Paar viel, nach Hamilton, auch besuchten sie Korsika, das italienische Capri und das schwedische Gotland, dessen besonderes Licht sie fesselte, so daß sie sich dort die Sommerresidenz Brucebo errichteten, die fortan zum Mittelpunkt ihres Wirkens wurde.

Während eines Aufenthaltes in Stockholm Ende 1906 verstarb Bruce überraschend an einem Herzinfarkt. Er wurde auf Gotland bestattet, und seine Frau ließ sich dauerhaft in Brucebo nieder, wo sie bis zu ihrem Tod 1935 bleiben sollte. Sie kümmerte sich um sein Andenken, u.a. schenkte sie 29 seiner Gemälde an seine Heimatstadt Hamilton; diese wurden das Herzstück der 1914 eröffneten Hamilton Art Gallery. In Paris gab es 1907 eine große Retrospektive.

Sein Schaffen zeichnet sich durch eine große thematische und stilistische Breite aus, einen Eklektizismus, der ihm einen fragmentierten Charakter verleiht. Auf das von der Akademie und schließlich Barbizon, skandinavischer Romantik und James McNeill Whistler geprägte Frühwerk folgten lichte impressionistische Landschaften und Porträts seiner Frau oder Ansichten von Stockholm im Zwielicht. Trotz des Erfolgs zu Lebzeiten und des großen Einflusses von William Blair Bruce auf jüngere kanadische Maler wie Maurice Cullen ist er heuer wenig bekannt. Das Haus Brucebo auf Gotland dient als Museum und zeigt zahlreiche seiner Arbeiten.

 

Verweise:

http://www.biographi.ca/en/bio/bruce_william_blair_13E.html
http://www.artnet.com/artists/william-blair-bruce/
https://peoplepill.com/people/william-blair-bruce/

William Blair Bruce - ein kanadischer Impressionist in Schweden https://art-depesche.de/images/William_Blair_Bruce_Friluftsatelje_cropped.jpg Ruedi Strese