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Utagawa Kunisato „Prozession auf der Brücke Nihonbashi in der östlichen Hauptstadt (Edo)“ (Detail, Farbholzschnitt, 1853)

Berlin - Eine überraschend interessante kleine Ausstellung ist einer Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern der Staatlichen Museen zu Berlin sowie des Musikinstrumentenmuseums des Staatlichen Instituts für Musikforschung im Kulturforum gelungen. In „Status Macht Bewegung. Lust und Last körperlicher Aktivität“, zu sehen bis zum 10. Januar 2021, geht es nicht um Kunst, sondern um Fortbewegung, Ruhe und Unruhe in einer verschiedenste Zeiten und Kulturen umspannenden Gesamtschau. Mancherlei Kunstwerke wurden jedoch dazu eingesetzt, so daß wir uns gestatten, dem Projekt zumindest einige Zeilen zu widmen.

Ein einziger großer Saal ist mit den recht anarchisch zusammengestellten Objekten bestückt. In fünf Kapitel sind sie aufgeteilt: „Arbeit als Grundlage“ zeigt Bewegung als Notwendigkeit zur Überlebenssicherung. „Auf zur Jagd“ setzt sich mit eben dieser im Bedeutungsfeld vom Existenziellen bis zum prestigeträchtigen Vergnügen dar, dabei ist eine vorgeschichtliche Harpune ebenso zu sehen wie eine griechische Amphore mit Jagdmotiv.

„Stilvoll unterwegs“ befaßt sich mit dem Reisen, welches bereits weit über das Zweckmäßige hinausgeht. Nicht nur wohin, sondern auch wie man reist wird zum Thema. Im Mittelpunkt steht dabei eine prunkvolle italienische Sänfte von 1720, die für sich einen Blick lohnt. Dazu gibt es alte und gegenwärtige Schuhe ebenso wie japanische Farbholzschnitte.

Mit „Süßes Nichtstun“ möchte man auch dem Gegenpol zur Bewegung, deren gepflegter Abwesenheit, der bewußten Ruhe oder Muße, einen Platz geben. Wie wurde und wird hier oder dort geruht, entspannt und genossen?

„Körper(ver)formung“ ist schließlich das letzte Kapitel, welches den Körperkult, einschließlich der athletischen Formung wie der gezielten Mißbildung, betrachtet. Korsett und chinesischer Lotosschuh stehen im krassen Widerpart zu iranischen Hanteln oder dem Gipsabguß einer antiken Athletenfigur.

Zusammengetragen sind die gezeigten Objekte aus den Staatlichen Museen, dabei das Kunstgewerbemuseum, die Gemäldegalerie, das Musikinstrumentenmuseum, das Museum für Asiatische Kunst, die Kunstbibliothek, das Kupferstichkabinett, das Museum für Islamische Kunst, das Ethnologische Museum, die Antikensammlung und natürlich die im gleichen Haus befindliche Gemäldegalerie.

Druckgrafik, Handzeichnungen und Malerei sind naheliegenderweise vor allem an den Wänden positioniert. Dabei sind die erwähnten japanischen Farbholzschnitte, eine Radierung Max Klingers, ein Gemälde Philips Wouwermans, ein Aquarell Hans Bols und Einiges mehr. Aber, wie gesagt, diese Werke sind hier eher Bei-werke.

Wer damit leben und sich auch einfach mal an „allerhand Interessantem“ ergötzen kann, darf bei einem Besuch des Hauses auch einmal in dieser Sonderausstellung vorbeischauen. Das Kulturforum befindet sich am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin. Geöffnet hat es von Dienstag bis Freitag 10-18 sowie am Sonnabend und Sonntag 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet 6,-, ermäßigt 3,- (oder für das ganze Haus 12,- resp. 6,-) Euro. Derzeit ist der Ausstellungsbesuch nur mit Zeitfenstertickets möglich, welche im Netz erworben werden können.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/kulturforum/ausstellungen/detail/status-macht-bewegung/
https://www.berlin.de/tickets/ausstellungen/status-macht-bewegung-a8effa5e-8ba0-47f2-a2ef-63b71f4a794e/

Spielerisch: Themenausstellung zur Bewegung im Kulturforum https://art-depesche.de/images/Prozession_auf_der_Bruecke_Nihonbashi_in_der_oestlichen_Hauptstadt.jpg Ruedi Strese