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Giovanni Battista Piranesi „Ansicht des Titusbogens“ (Ausschnitt, Radierung, 1756)

Berlin - Erbauliches in mäßig erbaulichen Zeiten bietet die Kunstbibliothek im Berliner Kulturforum mit einer Ausstellung, die man sonst eher im Kupferstichkabinett erwartet hätte. Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), Italiens Held der Kupferstich-Vedute, feiert im Kunstolymp einen ziemlich runden Geburtstag, welcher mit „Das Piranesi-Prinzip - Zum 300. Geburtstag des großen italienischen Meisters“ bis zum 7. Februar 2021 auch im trüben Berlin einen Nebenfestplatz findet.

Gleich beim Betreten fällt die (trotz anfänglicher Irritation ob der Laufrichtung) gelungene Raumaufteilung und Präsentation auf, welche wir vom Kupferstichkabinett gewohnt sind und welche die Kunstbibliothek wohl stellvertretend übernommen hat. Auf ausgiebige Texte an den Wänden wurde diesmal verzichtet, stattdessen wird ein kleines Begleitheft bereitgestellt.

Die gezeigten Ojekte entstammen den Beständen des Kupferstichkabinetts wie auch der Kunstbibliothek, sie umfassen Bücher, Druckgrafiken und (so munkelt man: nie zuvor gezeigte) Handzeichnungen. Aufgeteilt sind sie in fünf Kapitelli (wir behaupten, dies sei Italienisch für „Kapitel“, vielleicht glaubt es ja jemand).

„Piranesis Rom“ befaßt sich mit der Stadt, wie der Besucher (also in unserem Fall Piranesi) sie damals sah: über weite Teile eine überwucherte Ruinenlandschaft. Mehr Zeugnis der Vergangenheit als lebendige Gegenwart. Für Piranesi auch deshalb interessant, da er selbst nicht nur Grafiker war, sondern zugleich Architekt und Archäologe. Gezeigt werden auch Veduten der namhaften Vorläufer Carlo Fontana, Giuseppe Vasi und Hieronymus Cock.

„Piranesis Bühne“ ist hingegen dem Einfluß des Theaters, speziell der Bühnenbildnerei, auf das Schaffen des Meisters gewidmet. Die dramatisierenden Effekte schlugen sich in seinen Veduten wie den grotesk-morbiden „Carceri“ nieder, welche regelmäßige Museumsgänger auch aus der Sammlung Scharff-Gerstenberg in Berlin-Charlottenburg kennen.

„Piranesis Labor“ wiederum zeigt die Bedeutung als Architekt und Wissenschaftler, gezeigt werden Schaukarten und Entwürfe. „Piranesis Palazzo“ bietet Einblicke in das Schaffen aus der Werkstatt des Meisters im Palazzo Tomati in Nähe der Spanischen Treppe, wo er archäologische Objekte aller Art sammelte und handelte und sich von diesen zu eigenen, oft seltsam anmutenden, Schöpfungen inspirieren ließ.

„Piranesis Arena“ zuletzt ordnet Piranesi in die damalige Kunstwelt ein. Vier Zeitgenossen werden vorgestellt, auf der einen Seite Papst Clemens XIII. (1693-1769) als großer Mäzen, auf der anderen Seite drei Gegenspieler, welche der Meister mit künstlerischen Waffen attackierte. Alles in allem wird uns ein sehr lohnender Überblick geboten, zu welchem übrigens im Verlag E.A. Seemann zu Leipzig auch ein Katalog erschienen ist.

Die Kunstbibliothek befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin. Geöffnet hat sie am Dienstag, Mittwoch und Freitag 10-18, am Donnerstag 10-20 sowie am Sonnabend und Sonntag 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet 6,-, ermäßigt 3,- (oder für das ganze Haus 12,- resp. 6,-) Euro. Derzeit ist der Ausstellungsbesuch nur mit Zeitfenstertickets möglich, welche im Netz erworben werden können.

 

Verweise:

https://www.kunstgeschichte.hu-berlin.de/veranstaltungen/ausstellungseroeffnung-das-piranesi-prinzip/
https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/das-piranesi-prinzip/

300 Jahre Piranesi: Grundlegendes in der Kunstbibliothek https://art-depesche.de/images/Ansicht_des_Titusbogens.jpg Ruedi Strese