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Jean Balthasar de la Traverse „Fischerhäuser in der Nähe von Sankt Petersburg“ (Federzeichnung, mit dem Pinsel grau laviert, 1793)

Berlin - Zur Jahreswende 2018/19 brillierte das Berliner Kupferstichkabinett mit einer erstklassigen Ausstellung, welche ausgewählte französische Zeichnungen vom 15. bis 19. Jahrhundert versammelte. Diese war zugleich der Startschuß des Forschungs- und Digitalisierungsprojektes „Die französischen Zeichnungen des Kupferstichkabinetts“, und im Rahmen dieses Projektes fanden die daran Beteiligten eine ganze Reihe von Arbeiten, welche sich mit dem Reisen befassen. Einige werden bis zum 31. Januar 2021 in einer kleinen, aber feinen Sonderausstellung zu sehen sein.

Deren Titel ist passenderweise „Voyage - Mit französischen Zeichnern auf Reisen“, Ort ist die kleine Exklave des Kupferstichkabinetts in der Gemäldegalerie. Über 1000 Blätter französischer Zeichner besitzt das Kupferstichkabinett, rund 20 werden dem Betrachter hier geboten. Die Künstler sind mal mehr, mal weniger bekannt.

Der größte Name ist sicher Claude Gellée, wegen seiner lothringischen Herkunft genannt Lorrain (etwa 1600/05-1682). Dieser fantastische und innovative Landschaftsmaler bewies (neben Wesentlicherem), daß es Italiensehnsucht nicht nur im Deutschland des 19. Jahrhunderts gab; er verbrachte den Großteil seines Künstlerlebens in Rom.

Berühmt wurde er mit seinen bereits Aspekte der Romantik vorwegnehmenden idealisierten Landschaften, hier sehen wir eine betont realistische Federzeichnung der Stadt Nemi von 1667, von welcher vermutet wird, daß sie in Vorbereitung eines Gemäldes entstand. Erlesen!

Auch nach Italien kam über 100 Jahre später Jean-Pierre-Louis-Laurent Houël (1735-1813). Insbesondere den Süden bereiste er und fertigte Gouachen an, welche auf dem Pariser Salon großen Anklang fanden. Im Programm ist er hier mit einer Ansicht des Amphitheaters von Catania (Sizilien).

Der Rokoko-Maler François Lemoyne (1688-1737) besuchte die Ewige Stadt. Eine Rötelzeichnung zeigt den Vatikan, von den Päpstlichen Gärten aus betrachtet. Andere Künstler verschlug es nach Ägypten, in die Türkei oder ...

... nach Rußland. Spannend ist die Geschichte des Jean Balthasar de la Traverse (1752-frühes 19. Jahrhundert), welcher im Auftrag des kunstverliebten russischen Grafen Alexander S. Stroganow Rußland bereiste und zahlreiche Ansichten von Orten im Russischen Reich anfertigte, welche in ein zu Bildungszwecken gedachtes Album für den Sohn des Grafen münden sollten. Hier sind einige der Vorarbeiten dieses Albums zu sehen.

Durchaus beachtenswert also, diese kleine Schau. Die Gemäldegalerie befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz 1 in 10785 Berlin. Geöffnet hat sie am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10-18, am Donnerstag von 10-20 und am Sonnabend und Sonntag von 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 10,-, ermäßigt 5,- Euro. Eintrittskarten sind derzeit nur für bestimmte Zeitfenster erhältlich, sie müssen vorher auf der Seite des Museums gebucht werden.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/voyage/
https://art-depesche.de/malerei/475-französische-meisterzeichnungen-im-berliner-kupferstichkabinett.html
https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/kupferstichkabinett/sammeln-forschen/forschung/

 

Französische Zeichner auf Reisen - Kabinettausstellung in der Gemäldegalerie https://art-depesche.de/images/Fischerhaeuser_in_der_Naehe_von_Sankt_Petersburg.jpg Ruedi Strese