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Ludwig von Gleichen-Rußwurm „Bonnland“ (Öl auf Leinwand, 1892)

Berlin - Eine billige Eröffnung zu diesem Artikel ist der Hinweis, daß wir heute einen malenden Enkel Friedrich Schillers vorstellen wollen. Was zutrifft, und doch kaum etwas aussagt, aber immerhin erhöhte Aufmerksamkeit verspricht. Kunstgeschichtlich interessanter ist unser selbst leider kaum bekannter Mann dadurch, daß er als einer der ersten deutschen Maler Anregungen des französischen Impressionismus verarbeitete.

Um dies leisten zu können, mußte Heinrich Ludwig Freiherr von Gleichen-Rußwurm indes zunächst in ein irdisches Dasein eintreten, was 1836 auf Schloß Greifenstein im heute abgesiedelten unterfränkischen Dorf Bonnland erfolgte. Sein Vater war der Freiherr Adalbert von Gleichen-Rußwurm, seine Mutter die jüngste Schiller-Tochter Emilie, welche sich mit der Herausgabe von Schriften und Briefwechseln von und über ihren Vaters hervortat. Pate für den „Enkel seines Lieblingsdichters“ wurde der Bayernkönig Ludwig I.

Nach dem Abitur in Würzburg studierte der junge Mann, obgleich lange schon stark an der Kunst interessiert, in Vorbereitung seiner angedachten Rolle als Gutsherr, zunächst Landwirtschaft in Jena, Heidelberg und Genf, doch erst nach dem Tod seiner Ehefrau, der Baronin Elisabeth von Thienen-Adlerflycht, kurz nach der Geburt des Sohnes Alexander (später ein bedeutender Schriftsteller und Kulturphilosoph) im Jahr 1865 entschied er sich, die Neigung zur Malerei auzuleben.

Zunächst malte er auf eigene Faust, bezog dann 1869 eine Wohnung mit Atelier in Weimar. Dort befand sich die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule, und er nahm Unterricht bei Max Schmidt und schließlich Theodor Hagen. Eine erste Ausstellungsbeteiligung hatte er 1872 in Berlin. Auch der Weimarer Landschaftsmaler Karl Buchholz inspirierte ihn stark, und Albert Brendel machte ihn mit der Technik der Radierung vertraut.

Das Erweckungserlebnis wurde jedoch eine Reise nach Frankreich im Jahr 1876, durch welche Ludwig von Gleichen-Rußwurm mit der naturalistischen Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon konfrontiert wurde. Eine Aquarellstudie aus jenem Jahr aus dem Wald von Fontainebleau dokumentiert dies beispielhaft. Später lernte er die Künstler der Kolonie auch persönlich kennen. Die dort gepflegte naturnahe, unmittelbare Malweise wurde für die Weimarer Malerschule prägend.

Eine Anwendung tatsächlich impressionistischer Technik und Farbvorstellungen ist hingegen ab Ende der 1880er Jahre nachweisbar, der Farbauftrag wird zunehmend pastos. Seine Motive fand er in Weimar oder an der Nordsee, vorzugsweise jedoch in der Umgebung seines Geburtsortes Bonnland und dem Park des Schlosses Greifenstein. Außerhalb des Malerischen verwaltete er das Schiller-Museum und überließ dem Weimarer Goethe-Archiv umfassende Bestände aus dem Nachlaß seines Großvaters. Er starb 1901 in Weimar.

Ob nun die Einschätzung Julius Meier-Graefes, „Gleichen-Rußwurm vollbrachte zuerst ganz allein die Einführung des Impressionismus in die deutsche Malerei“ zutrifft, möchten wir nicht beurteilen. In jedem Fall war er, neben Künstlern wie Theodor Hagen, Karl Buchholz, Paul Baum, Christian Rohlfs, Max Liebermann oder Julius Jacob dem Jüngeren (dessen farbstarke „Uferpromenade and der Ostsee“ bereits 1874 entstand), einer der ersten Vertreter der Lichtmalerei in Deutschland; die weit früheren proto-impressionistischen Studien eines Adolph von Menzel hier noch außer Acht gelassen.

 

Verweise:

http://www.museumsinsel-hammelburg.de/aktivitaeten/13-ludwig-von-gleichen-russwurm
https://www.van-ham.com/fileadmin/infos/1219_Gleichen-Russwurm_Freiherr-Heinrich-Ludwig-von.pdf
https://www.deutsche-biographie.de/sfz21165.html
https://www.mainpost.de/regional/bad-kissingen/grosser-maler-ohne-grossen-namen-art-6238569

Ludwig von Gleichen-Rußwurm: ein früher deutscher Impressionist https://art-depesche.de/images/Gleichen-Rosswurm_Bonnland.jpg Ruedi Strese