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Henry Wallis „Der Tod Chattertons“ (Öl auf Leinwand, 1856)

Berlin - Henry Wallis trat als Vertreter der präraffaelitischen Strömung der englischen Malerei nur für einen kurzen Zeitraum hervor. In diesem schuf er jedoch eine Reihe von Werken, welche ihm einen festen Platz in der Geschichte der Bewegung sicherten.

Zur Welt kam er 1830 in London als Kind eines uns unbekannten Vaters und seiner Mutter Mary Anne Thomas, welche 1845 den wohlhabenden Londoner Architekten Andrew Wallis heiratete, und dessen Familiennamen der Junge fortan trug. Er gehörte zur gleiche Generation wie die frühesten Präraffaeliten William Holman Hunt (1827-1910), Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) oder John Everett Millais (1829-1896), sollte allerdings erst zur Bewegung stoßen, als diese sich bereits einen Namen gemacht hatte.

Er erhielt eine künstlerische Ausbildung auf höchstem Niveau. Nach einer Probezeit wurde er 1848 bereits an der Royal Academy aufgenommen, danach studierte er bis 1853 in Paris an der Académie des Beaux-Arts sowie im privaten Atelier Charles Gleyres. Ab 1853 beteiligte er sich an Ausstellungen u.a. der Royal Academy, der British Institution und der Old Watercolour Society.

Sein erster und bedeutendster Erfolg war ein 1856 an der Royal Academy ausgestelltes Ölgemälde „Der Tod Chattertons“ (oder auch nur „Chatterton“), dessen bekannteste Fassung sich heute in der Tate Gallery London befindet. Die tragisch-romantische Geschichte des jungen Poeten und Fälschers mittelalterlicher Literatur Thomas Chatterton (1752-1770), welcher sich mit Arsen das Leben nahm, traf eine verbreitete Stimmung in der Geisteswelt des viktorianischen England, zumal Wallis den Ort des Todes selbst als Kulisse für sein Werk gewählt hatte. Der berühmteste englische Kunstkritiker seiner Zeit, John Ruskin, war voll des Lobes für dieses Bild.

Möglicherweise war mit dem Gemälde eine Kritik an der Stellung der Künstler in der Gesellschaft verbunden, unbestritten ist eine kritische Absicht bei dem zweiten bedeutenden Gemälde, welches heute noch regelmäßig Beachtung findet, „Der Steineklopfer“ (1857). Im Dämmerlicht liegt die Gestalt des zu Tode geschufteten Steinbrucharbeiters, wie weggeworfen, an einer Böschung ...

Im selben Jahr malte übrigens Wallis' präraffaelitischer Kollege John Brett ein gleichnamiges Gemälde, welches jedoch vergleichsweise zahnlos wirkt, den steineklopfenden Jungen in eine lichte und idyllische Landschaft setzt. Beide Künstler eint allerdings eine äußerste Akribie in den Details.

„Der Steineklopfer“ sollte Wallis' letztes präraffaelitisches Gemälde sein; im Jahr 1858 brannte er mit der Frau des Dichters George Meredith, welcher ihm noch als Modell für „Der Tod Chattertons“ gedient hatte, durch. Im Folgejahr starb sein Stiefvater und hinterließ ihm ein beträchtliches Erbe, welches er zu ausgiebigen Reisen u.a. nach Italien und Ägypten nutzte.

Als Maler von Ölgemälden trat er seither zurück und befaßte sich mit der Erforschung der Keramik Persiens und Ägyptens sowie der italienischen Renaissance - diese Hinwendung zum Kunsthandwerk paßte freilich auch in seine Zeit, wie uns die Arts and Crafts-Bewegung von William Morris, John Ruskin, Walter Crane und zahlreichen anderen Männern, welche zumeist auch mit der präraffaelitischen Bewegung verbunden waren, zeigt.

Ganz erlosch sein künstlerisches Schaffen nicht, auf seinen Auslandsreisen schuf er einige Landschaftsaquarelle und wurde 1878 auch in die Royal Watercolour Society aufgenommen, wo er in Folge über 80 Aquarelle ausstellen sollte.

Seine Forschung zur Keramik betrieb Wallis mit einer beeindruckenden Kontinuität, die Ergebnisse veröffentlichte er zwischen 1885 und 1899 in ganzen zwanzig Bänden. Er starb 1916, fast erblindet und als Junggeselle, im Londoner Stadtteil Croydon, und wurde auf dem Highgate Cemetery in London beigesetzt.

 

Verweise:

https://web.archive.org/web/20100819001617/http://www.artmagick.com/pictures/artist.aspx?artist=henry-wallis
https://www.artuk.org/discover/artists/wallis-henry-18301916
https://www.tate.org.uk/art/artworks/wallis-chatterton-n01685
https://www.royalacademy.org.uk/art-artists/name/henry-wallis

Henry Wallis: aus der Hochzeit der Präraffaeliten https://art-depesche.de/images/Henry_Wallis-Chatterton.jpg Ruedi Strese