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Ivan Grohar „Das Feld von Raholin“ (Öl auf Leinwand, ca. 1900, Fotografie der Sammlung Belvedere)

Berlin - Den wenigsten unserer Leser wird bewußt sein, daß es um 1900 auch in Slowenien eine impressionistische Bewegung gab. Das ändert allerdings nichts daran, daß es sie gab, und sich auch dort Künstler finden, die unsere Beachtung verdient haben. Einer der herausragenden Vertreter der slowenischen Lichtmalerei war der viel zu früh verstorbene Ivan Grohar.

Geboren wurde er 1867 im deutschsprachigen Bergdorf Unterzarz (slowenisch Spodnja Sorica) bei Eisnern (Oberkrain) in einer aus Tirol stammenden Bauernfamilie. Er zeigte früh künstlerisches Interesse, konnte diesem jedoch als Waise, der er wurde, nicht nachgehen. 1888 erhielt er allerdings in der Stadt Škofja Loka die Möglichkeit, bei einem lokalen Kirchenmaler zu lernen, weiteren Unterricht nahm er in Zagreb.

Das Desertieren aus der Österreichisch-Ungarischen Armee brachte ihm eine kurze Haftzeit und in Folge verlängerten Wehrdienst ein, erst 1892 begann er seine eigentliche künstlerische Ausbildung auf der Landeszeichenschule im steirischen Graz. Eine Bewerbung an der Kunstakademie in Wien scheiterte trotz hervorragender Bewertungen, da er seine Studien in Graz noch nicht beendet hatte, also blieb er dort bis 1895, darauf ging er für einige Monate nach München, um in der Alten Pinakothek Alte Meister zu studieren. Er ging dann zurück nach Slowenien und richtete sich ein Atelier ein.

Er freundete sich mit dem führenden slowenischen Impressionisten, dem später auch in der Avantgarde bedeutenden Rihard Jakopič an, und studierte auf dessen Anraten von 1897 bis 1899 in München an der privaten Schule seines Landsmannes Anton Ažbes, welcher u.a. auch Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky zu seinen Schülern zählte und eine sehr eigene, impressionistisch beeinflußte Malweise verfolgte. Grohar, der einst als Realist begonnen hatte, ließ sich davon inspirieren, ging jedoch hinsichtlich der auflösenden Malweise deutlich weiter als sein Lehrer. Bedeutsam wurde in Farbwahl und Technik auch der Einfluß Giovanni Segantinis.

Es folgten einige Jahre in Slowenien, wo er sich u.a. in Laibach, Škofja Loka und Duino (heute Italien) aufhielt. Gemeinsam mit Rihard Jakopič nahm er im Jahr 1900 an der ersten Ausstellung der Slowenischen Künstlervereinigung teil.

Ausgesprochen erfolgreich wurde eine Ausstellung in Wien im Jahr 1904, welche mit Grohar, Jakopič, Matej Sternen und Matija Jama die erste Garde des slowenischen Impressionismus vereinte. Nach Segantini und dem Divisionismus wurden das in Osteuropa damals sehr bekannte Werk Vincent van Goghs, auf welches Grohar sich nicht nur stilistisch, sondern auch in seinen Motiven sehr offen bezog, und der aufgrund der Begegnung mit japanischen Farbholzschnitten populär gewordene Japonismus für sein Schaffen prägend.

Obgleich Grohar sich an etlichen Ausstellungen u.a. in Wien (bei der Sezession), in Belgrad, London, Warschau, Krakau, Berlin oder Triest beteiligte, litt er stets unter finanziellen Nöten, zunehmend auch an einer angeschlagenen Gesundheit. Sein Hauptwirkensort ab 1904 war Škofja Loka, dort pflegte er engen Umgang mit seinen Freunden und Mitstreitern Jakopič und Sternen.

Im Jahr 1911 wurde ihm vom Stadtrat von Sorica die Finanzierung einer Reise nach Italien in Aussicht gestellt. Grohar begab sich also nach Laibach, um die dafür nötigen Dinge zu erwerben, brach dort jedoch an Erschöpfung zusammen, denn er litt seit langem unter einer verheimlichten Tuberkulose, und starb bald darauf im Krankenhaus. Dies war eine Zeit, in welcher das Glück sich zu seinen Gunsten hätte drehen können - aber wissen wir es? Für spätere slowenische Maler wurde sein Leben und Werk in jedem Fall zu einer stetigen Quelle der Inspiration. Zahlreiche seiner Gemälde sind in der Nationalgalerie in Laibach zu besichtigen.

 

Verweise:

https://www.ng-slo.si/en/permanent-collection/1900-1918/ivan-grohar?tab=collections&authorId=629
https://sammlung.belvedere.at/objects/6343/das-feld-von-raholin
https://de.findagrave.com/memorial/55411400/ivan-grohar
https://www.inyourpocket.com/bled/ivan-grohar-a-sower-of-slovenian-impressionism_72769f

Ivan Grohar - ein slowenischer Impressionist https://art-depesche.de/images/Ivan_Grohar_-_Das_Feld_von_Raholin.jpg Ruedi Strese