Walter Romberg „Enzweihingen“ (Radierung, Privatbesitz)

Berlin - Der Stuttgarter Maler und Radierer Walter Romberg (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Mathematiker und SPD-Politiker) hat sich insbesondere mit seinen eleganten und naturgetreuen Radierungen von Städteansichten und Landschaften den Beinamen „Schwäbischer Merian“ erworben.

Geboren wurde er 1898 in Ulm. Ab 1916 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Angelo Jank (1868-1940), einem Mitglied der Münchener Secession, wo seine frühen Ölbilder entstanden. Auch nach seinem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg lernte er vorerst bei Jank. 1921 ließ er sich dann als freischaffender Künstler in Stuttgart nieder, dem Ort blieb er bis ans Lebensende verbunden.

Sein Kollege, Freund und Lehrer im Verband württembergischer Künstler in Stuttgart wurde Felix Hollenberg (1868-1945), der ihn in die Kunst der Radierung einführte, später beeinflußte ihn auch der schwäbische Maler und Radierer Paul Dörr. Besonders hatte es ihm die schwäbische Natur und Kulturlandschaft angetan. Detailgetreue Darstellungen von Ortschaften in ihrer ursprünglichen Gestalt, bevor sie von Krieg und Modernisierung zerstört wurden, waren seine Spezialität - die Darstellungen haben insofern auch als historische Dokumente ihren Wert. Seine Motive zeichnete er vor Ort und übertrug sie dann seitenverkehrt auf die Metallplatte, wobei er insofern nahe an der Malerei blieb, als daß die Linien ungewöhnlich weich wirken und Flächen bilden, sich dem Dargestellten unterordnen.
Er war schnell zu einer festen Größe mit regelmäßigen Ausstellungen seines Gesamtwerks geworden, besonders hervorzuheben ist die Jubiläumsausstellung des Württembergischen Kulturvereins 1927.

1944 wurde er in Stuttgart vollkommen ausgebombt und sein Atelier brannte ab. Er erhielt eine Notwohnung im Schloß Waldenbuch, welche er mit seiner Frau bis 1951 bewohnte, als der Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett ihn in die Stadt zurückholte. Allgemein waren die Jahre zuvor von großer Armut geprägt gewesen, und Romberg war wohl gezwungen, seine Einkäufe mit Radierungen zu bezahlen, worin die besondere Verbreitung seiner Arbeiten in Waldenbuch begründet ist.
Bis 1958 war er im Vorstand des Stuttgarter Künstlerbunds, 1967 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1973, kurz vor seinem 75. Geburtstag, lebte er als geachteter Bürger in Stuttgart-Sonnenberg, bestattet wurde er auf dem Waldfriedhof Stuttgart. Sein bekanntester Schüler dürfte Fritz Kohlstädt (1921-2000) sein, der sich als expressionistisch beeinflußter Landschaftsmaler und -zeichner einen Namen machte.

Die eher selten auftauchenden Ölbilder und Aquarelle Rombergs zeigen naturnahe, feine Stilleben und Städteansichten, doch auch stärker der Abstraktion zuneigende Kompositionen finden sich bisweilen. Die überaus zahlreichen Radierungen des volkstümlichen Künstlers dagegen sind in vielen Galerien, Gasthäusern und öffentlichen Gebäuden seiner Region zu finden, regelmäßig werden sie in Auktionen angeboten. Der Sammler erhält sehr gelungene Arbeiten zu durchaus erschwinglichen Preisen, schon für 50 oder 60€ kann er eines der ansehnlichen Stücke erwerben.

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/walter-romberg/auktionsresultate
http://www.alt-waldenbuch.de/walter-romberg
http://www.antikbayreuth.de/kuenstlerverzeichnis/Kunstler_Q_bis_S/Romberg_Walter_1898_Ulm_-_1973/romberg_walter_1898_ulm_-_1973.html
http://www.invaluable.com/artist/romberg-walter-2vqm856t9u
http://www.fotogruppe-waldenbuch.de/Romberg//Infos/Romberg_BB-Bote.pdf

Walter Romberg, der „schwäbische Merian“ https://art-depesche.de/images/Walter-Romberg---Enzweihingen_1024px.jpg Ruedi Strese
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