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Hans Brass „ Pampasgras“ (Aquarell, 1955)

Berlin - Eine der schönsten Galerien Berlins, „Die Möwe“ im Stadtbezirk Mitte, präsentiert in ihren Räumen nun eine neue Ausstellung, welche sich vornehmlich mit Künstlern und Künstlerinnen beschäftigt, die der frühen deutschen Avantgarde zugerechnet werden können, in den Jahren des Nationalsozialismus unerwünscht waren, danach der Vergessenheit anheim fielen und erst in jüngster Zeit wieder entdeckt wurden - oder ihrer Wiederentdeckung harren.

„Von Brass bis Ziegler“ soll bis zum 13. Februar 2021 zu sehen sein; wir haben uns jetzt bereits einen Überblick verschafft. Insgesamt decken die gezeigten Werke ein breites Spektrum ab, von der Druckgrafik über das Aquarell geht es bis zum Ölgemälde, ergänzend sind einige Skulpturen zu sehen. Die Entstehungszeit liegt größtenteils in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, doch sind zum Teil auch Spätwerke der Künstler jener Zeit dabei. Einige möchten wir gesondert betrachten.

Von Hans Thiemann (1910-1977), der am Dessauer Bauhaus bis kurz vor dessen Schließung 1933 bei Paul Klee und Wassily Kandinsky studierte und dessen Hauptwerk zwischen Surrealismus und Kubismus zu verorten ist, finden wir mit „Der Gabentisch“ ein hervorragendes, stimmiges Stilleben in Öl, entstanden 1944.

Eine leuchtende Gouachemalerei von 1922/24, welche an den zehn Jahre zuvor in Frankreich aufgekommenen Orphismus Robert Delaunays erinnert, wird uns mit „Auf dem Balkon“ des weitgehend vergessenen Berliner Secessionisten Heinrich Harry Deierling (1894-1989) geboten.

Ein großer Name hingegen ist natürlich Josef Hegenbarth (1884-1962), welcher ohne Weiteres als einer der begabtesten und eigenständigsten Zeichner der frühen deutschen Moderne betrachtet werden darf. Zwei seiner Tuschezeichnungen aus den 1950er Jahren sind zu sehen. Lotte Laserstein (1898-1993) wiederum war lange vergessen, wurde jedoch in den letzten Jahren unter anderem durch eine große Schau in der Berlinischen Galerie ausgiebig gewürdigt. Ihre „Frau mit spitzem Hut“ (Öl und Gouache, 1940) ist ein schlichter und überzeugender Beleg des Könnens dieser Malerin in der Nähe der Neuen Sachlichkeit.

Von ganz eigenem Reiz zwei Blumenaquarelle von Hans Brass (1885-1959) aus den 50er Jahren: insbesondere die „Funkienprozession“ geht ins Ätherische, wie die letzten Blumenbilder des großen Christian Rohlfs. Die Parallele ist deutlich, denn beide Expressionisten haben ihre letzten Jahre fast ausschließlich Blumenaquarelle gemalt, Rohlfs freilich rund zwanzig Jahre früher.

Hervorzuheben auch Jeanne Mammen (1890-1976). Ihr „Sieben oder mehr Katzen“ (1951, Öl und Tempera) wirkt etwas kryptisch, lädt jedoch zur ausgiebigen Betrachtung ein. Im Programm ist auch Hans Laabs (1915-2004), mit welchem (und bereits erwähntem Thiemann) zusammen sie in Berlin 1949/50 das Kabarett „Die Badewanne“ betrieb.

Otto Laible (1898-1962) malte in seinem kleinen Ölbild „Pariser Café“ (1932) nicht nur eine Szene aus der französischen Hauptstadt, er läßt auch klare Bezüge zu französischen Künstlern wie Edgar Degas erkennen. Emil Maetzels (1877-1955) „Zwei Frauen“ (1925) wiederum verweist auf die Brücke und dabei insbesondere Otto Mueller.

Neben den bereits genannten sind zahlreiche weitere Künstler Teil der Ausstellung, darunter Rudolf Ausleger, Werner Scholz, Hans Kinder, Gerhard Marcks, Willy Jaeckel, Edward Frank, Wolfgang Frankenstein, Ida Kerkovius, Herbert Behrens-Hangeler, Alfred Reth, Max Schwimmer und Theo Balden.

Es lohnt sich also mit Sicherheit. Die Salongalerie „Die Möwe“ befindet sich nachwievor in der Auguststraße 50b in 10119 Berlin, geöffnet hat sie von Dienstag bis Sonnabend jeweils 12 bis 18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/aktuell.html

Von Brass bis Ziegler - Ausstellung in der Salongalerie Die Möwe https://art-depesche.de/images/Hans_Brass_Funkienprozession.jpg Ruedi Strese