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Francesco Albani Madonna col Bambino fra i santi Sebastiano e Rocco (1635, Fotograf: Mongolo1984)

Berlin - Die Bologneser Schule der italienischen Malerei wirkte über einen längeren Zeitraum vom Barock bis in den Klassizismus hinein; benannt wurde sie nach dem Ort, an dem ihre bedeutendsten Vertreter tätig waren. Francesco Albani war einer von diesen: nicht der größte, dafür war zumindest sein späteres Werk zu konventionell, zu sehr auf Gefälligkeit ausgelegt, doch einer, den man nicht vergessen sollte.

Die Voraussetzungen, ein Protagonist der Bologneser Schule zu werden, waren denkbar günstig, denn als Albani 1578 Licht und Dunkel der Welt erblickte, geschah dies in Bologna. Sein Vater, ein Seidenhändler, hatte sich so gedacht, seinen Jungen in sein Geschäft einzubinden, aber wie es so heißt: der Mensch denkt, und Gott lenkt.

Im Alter von 12 Jahren bereits fand der Knabe sich also im Atelier des aus Antwerpen stammenden Manieristen Denys Calvaert als Lehrling wieder. Sein Mitschüler dort war Guido Reni, welcher nach einiger Zeit an die von Lodovico Carracci und seinen jüngeren Cousins Agostino und Annibale Carracci geleitete Malschule namens Accademia degli Incamminati wechselte. Albani wechselte mit ihm. Die Schule der Carracci war Epizentrum der Bologneser Schule und spielte eine führende Rolle beim Aufbrechen der manieristischen Erstarrung, hin zur vergleichsweisen Natürlichkeit des frühen Barock.

Den Carraccis war es gelungen, zu den führenden Malern von Fresken in Rom aufzusteigen, und Albani und Guido Reni als herausragende Schüler Annibale Carraccis wurden schließlich ebenfalls mit derartigen Aufträgen betraut. Zumindest beteiligt war Albani unter anderem an der Ausmalung des Palazzo Farnese, der San Diego Kapelle in der Kirche San Giacomo degli Spagnoli, des Palazzo Mattei di Giove, des Palazzo Giustiniani (heute Palazzo Odescalchi) und der Kirche San Sebastiano fuori le Mura. Vorzugsweise malte er romantische Deutungen historischer, mythischer und biblischer Szenen, die dem Geschmack der gehobenen Mittelschicht entgegenkamen.

In Rom schlug allerdings die bisherige Freundschaft zwischen ihm und Reni in eine (wohl dennoch von künstlerischem Respekt geprägte) Feindschaft um. Einer Anekdote zufolge soll Reni bei einem Papstbesuch in Bologna mit der Ausmalung des Rathauses beauftragt worden sein, der eifersüchtige Albani habe darauf die Fassade eines gegenüberliegenden Gemüseladens mit einer meisterlichen Himmelfahrt Mariae geschmückt. Solche Volkserzählungen sollte man freilich nicht immer für bare Münze nehmen.

Nach dem Tod seiner Frau ging er zurück nach Bologna, wo er erneut heiratete. Seine zweite Gattin soll ihm zwölf außerordentlich schöne Kinder geschenkt haben, welche ihm als Modelle dienten. Auch als Landschafter tat er sich hervor, wobei stets eine leichte, idyllische Stimmung herrschte. In späteren Lebensjahren hatte er wohl, da sein Bruder sein Vermögen veruntreut hatte und er teure Prozesse führen mußte, zeitweise Schulden, zu deren Begleichung er zusehends auf Masse malte, worunter die Qualität litt, wodurch die Bilder wiederum weniger Anklang fanden: ein Teufelskreis.

Zu erwähnen ist noch seine Tätigkeit als Lehrer, zumindest teilweise an der Schule der Carraccis. Unter seinen Schülern waren sein Bruder Giovanni Battista Albani, Domenico Maria Canuti, Carlo Cignani, Pier Francesco Mola und der bedeutende Andrea Sacchi. Er starb 1660 in Bologna. Seine Werke finden sich heutzutage in vielen namhaften Museen.

 

Verweise:

https://www.lempertz.com/de/kataloge/kuenstlerverzeichnis/detail/albani-francesco.html
https://www.kettererkunst.de/bio/francesco-albani-1578.php
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/albani-francesco
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Francesco_Albani,_Madonna_col_Bambino_fra_i_santi_Sebastiano_e_Rocco,_1635.jpg

Aus der Bologneser Schule: Francesco Albani https://art-depesche.de/images/Francesco_Albani_Madonna_col_Bambino.jpg Ruedi Strese