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Johannes Heisig „Frühlingsstrauß“ (Öl auf Leinwand, 2018)

Berlin - Die Galerie Berlin in der mit Kunsthandlungen gut bestückten Auguststraße in Berlin-Mitte feiert ihr 30jähriges Bestehen, und aus diesem Anlaß hat sie aus ihren Beständen je ein Werk von 30 Künstlern ausgewählt, wie uns der Titel der bis zum 23. Dezember 2020 angesetzten Schau „30 KÜNSTLER 30 BILDER 30 JAHRE“ verrät. Wir waren für unsere Leser vor Ort.

Vorab sei gesagt, daß die Galerie Berlin im Grunde schon zu DDR-Zeiten existierte und Rüdiger Küttner und Rainer Ebert, die beiden Eigentümer, bereits seit 1974 als Kunsthändler tätig waren, somit also als Urgesteine der (Ost-)Berliner Kunstwelt bezeichnet werden können. Das ist das erste Eigentlich. Seit 1990 besitzt die Galerie die Form einer privaten Gesellschaft. Im Grunde wird also dies gefeiert. Das zweite Eigentlich ist, daß eigentlich mehr als 30 Werke zu besichtigen sind. Aber schlimm ist das sicher nicht.

Schwerpunkte der Galerie sind nach eigenem Bekenntnis „Leipziger- und Berliner Schule, sowie deren stilistisches Umfeld“. Damit wird bereits ein weites Feld beackert, und so finden sich moderner Realismus, kraftvolle Abstraktion und expressive Gegenständlichkeit unter den geernteten Früchten. Neben der für unsere kleine Seite tendenziell interessanteren Malerei wird auch der Bereich der Plastik abgedeckt.

Daß man sich dabei seines guten Händchens wegen ruhig mal selbst auf die Schulter klopfen darf, zeigt sich an dem aktuellen Einblick, wobei wir hier vollkommen willkürlich ein paar Werke, die unsere besondere Zuneigung finden, aufführen möchten.

Zu den interessanteren Vertretern der Abstraktion gehört zweifelsohne Hans Brosch; dessen eigenwilliger „Spiegelung“ (2001) möchten wir weder ästhetischen Reiz noch Rätselhaftigkeit absprechen. Dem Bautzener Harald Metzkes (*1929) kann als Mitbegründer der Berliner Schule bereits ein gewisser Klassikerstatus zugesprochen werden. Das gezeigte Stilleben zeigt viel Gespür für feine Farbnuancen und tiefe Wurzeln in großer Tradition.

Der Leipziger Lutz Friedel ist mit zwei recht düsteren Landschaften im Programm; der unseren Lesern bereits bekannte Christoph Bouet mit einem seiner rezenten Wannsee-Bilder im gewohnt pastosen und farbstarken Individualstil. Landschaften oder zumindest Landschaftsähnliches gibt es auch von Trak Wendisch, Silke Weyer und Agnes Sioda de Vito.

Zwei zauberhafte Blumenstilleben sind ebenfalls zu sehen. Gudrun Brüne ist mit eher verstörenden neusachlichen Figurenbildern bekannt geworden, ihr „Blumenstrauß“ (1995) läßt die Handschrift erkennen, verbindet aber das Lyrische mit einem fast botanischen Naturalismus. Für den Schreiberling das absolute Glanzlicht der Schau ist der „Frühlingsstrauß“ (2018) von Johannes Heisig. Fragil, fliehend, ätherisch - hier zeigt sich ein wahrlich begnadeter Künstler.

Malerische Prominenz ist in hohem Maß vertreten; die Namen Walter Libuda, Menno Fahl, Jens Eigner, Hartwig Ebersbach, Bernhard Heisig, Michael Hegewald, Gero Künzel, Harald Gratz oder Manfred Böttcher hat sicher so mancher unserer Leser schon einmal vernommen. Eine sehr schöne Kleinserie von Bronzekranichen von Franziska Schwarzbach sei auch noch erwähnt (um die Skulpturen nicht ganz zu verschweigen, es gibt noch mehr).

Zusammengefaßt: eine hochwertige Auswahl zeitgenössischer Malerei (ja, und Plastik). Klare Empfehlung von unserer Seite. Die Galerie Berlin befindet sich in der Auguststraße 19 in 10117 Berlin. Geöffnet hat sie derzeit regulär am Freitag und Sonnabend von 14-18 Uhr sowie nach Vereinbarung.

 

Verweise:

https://www.galerie-berlin.de/
http://www.hansbrosch.de/index.php/bilder
http://www.harald-metzkes.de/Bilder/bilder.html
http://www.lutzfriedel.de/
https://www.bouet.de/
http://michael-hegewald.com/portfolio
https://www.johannes-heisig.de/
https://www.walterlibuda.de/home/
http://www.gudrunbrüne.de/
http://www.hartwig-ebersbach.de/

Zusammenschau: 30 Jahre Galerie Berlin https://art-depesche.de/images/Johannes_Heisig_Fruehlingsstrauss.jpg Ruedi Strese