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Martin Kober „König Stephan Báthory“ (1583)

Berlin - Die gebildete Welt Ostmitteleuropas war in sehr viel früheren Zeiten zu großen Teilen deutsch geprägt, erst mit der Romantik und nicht ohne den Einfluß Herders sollte sich eine dezidiert eigenständig slawische Gelehrten- und Künstlerwelt herausbilden. Und so muß es uns nicht wundernehmen, wenn der erste Porträtmaler und einer der bedeutendsten Vertreter des Frühbarock in Polen deutscher Abkunft war. Polen hat ihn jedoch gerne adoptiert, denn, hierzulande vergessen, wird ihm dort große Bedeutung zuerkannt.

Geboren wurde er 1550 im vornehmlich deutsch bewohnten schlesischen Breslau, welches damals zum Herrschaftsbereich der Habsburger gehörte. Seine Ausbildung erhielt er während einer etwa dreijährigen Lehrzeit als wandernder Geselle in verschiedenen Werkstätten der damals in Gilden organisierten Maler.

Zuletzt hatte er sich wohl in Magdeburg aufgehalten, bevor es ihn 1583 in die Aristokratische Republik Polen-Litauen verschlug, welche gerade erst 1569 durch die Vereinigung des Königreichs Polen mit dem Großfürstentum Litauen, Königlich Preußen und dem Herzogtum Livland entstanden war. Er fand dort Anstellung am Königshof in Krakau und wurde bald Hofmaler des polnischen Königs Stephan Báthory.

Dessen Porträt aus dem Jahr 1583 gilt als sein bedeutendstes Werk, es zeigt bereits den typischen Individualstil Kobers. Der Körper des Porträtierten ist starr, wie damals üblich, die Gesichtszüge sind jedoch für jene Zeit ungewohnt realistisch statt typisierend oder idealisierend wiedergegeben, die Hände finden gleichsam starke Beachtung. Nebenbei lernte Kober am Krakauer Hof seine Gattin Dorothea kennen, welche ebenfalls als Malerin tätig war.

Nachdem sein Gönner 1586 verstarb, ging Kober zunächst wieder nach Breslau, hatte jedoch anscheinend Streitigkeiten wegen der strengen Zunftregeln, worauf er sich an den Kaiserhof nach Prag begab. Der dort herrschende kunstsinnige Kaiser Rudolf II. befreite ihn vom Zunftzwang, was ihm die Möglichkeit der Arbeit als freier Maler ermöglichte. Sein Stil nimmt nun spanische und manieristische Einflüsse auf, erkennbar an den stärker betonten Körperhaltungen; man fühlt sich bisweilen fast an Bronzino erinnert (obgleich bezweifelt werden darf, daß dieser ihm bekannt war).

1590 ging er allerdings wieder nach Krakau, wo nun Sigismund III. auf dem Thron saß. Mit Ausnahme eines kurzen Interludiums am Hof des Erzherzogs in Graz blieb Kober bis zum Lebensende (für welches sich verschiedene Angaben von „vor 1598“ bis „vor 1609“ finden lassen) in Krakau, wo er vermutlich auch starb (wenn dies nicht in Warschau geschah, wie ebenfalls zu lesen ist).

Als erster spezialisierter Porträtmaler Polens beeinflußte er zahlreiche spätere Künstler, stilistisch steht er für den Übergang von der Spätrenaissance über den Manierismus zum Frühbarock. Die Bedeutung für die polnische Geschichte wird aus einer kleinen, amüsanten Randnotiz ersichtlich: Kober tritt als „großer Künstler“ in einer polnischen Version des Computerspiels Civilization VI auf. Bilder Kobers sind heutzutage unter anderem in der Kirche St. Pauli Bekehrung (auch als Paulskirche oder Lazaristenkirche bekannt) in Krakau, im Schloß Wawel (ebenfalls Krakau), im Kunsthistorischen Museum Wien, in den Florentiner Uffizien und in der Alten Pinakothek München zu besichtigen.

 

Verweise:

https://www.holidaycheck.de/prd/kirche-st-pauli-bekehrung-kirche-des-ordens-der-lazaristen/c035bea3-cc36-39c1-b34c-261e62622087
https://civilization.fandom.com/wiki/Martin_Kober_(Civ6)

Martin Kober - frühester Porträtmaler Polens https://art-depesche.de/images/Kober_Stephen_Bathory.jpg Ruedi Strese