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Johannes Warnardus Bilders „Ansicht des Waldes bei Wolfheze“ (Öl auf Holztafel, zwischen 1860 und 1890, Rijksmuseum Amsterdam)

Berlin - Die Haager Schule gilt als eigenständige niederländische Entsprechung des frühen Impressionismus. Sie verarbeitete zwar auch französische Einflüsse der Schule von Barbizon und später der eigentlichen Impressionisten, doch hat sie unverkennbare Wurzeln in der niederländischen Romantik und der großen Landschaftsmalerei des Goldenen Zeitalters. Einer ihrer Wegbereiter war Johannes Warnardus Bilders.

Geboren wurde er 1811 in Utrecht, ersten Unterricht erhielt er bei Jan Lodewijk Jonxis, welcher vor allem als Porträtmaler tätig war. 1830 schrieb er sich freiwillig in den königlichen niederländischen Streitkräften ein, um den Abfall Belgiens von den Niederlanden zu verhindern. Anscheinend erfolglos, denn Belgien ist heute ein zwar etwas fragiler, doch bekanntermaßen von den Niederlanden getrennter Staat.

Nach mehrjähriger Dienstzeit setzte er sein Studium zunächst bei Jonxis in Utrecht fort, 1839 reiste er durch Deutschland, unter anderem den Rhein entlang. Er nahm Einflüsse Caspar David Friedrichs sowie des großen niederländischen Landschafters Barend Cornelis Koekkoek auf, später begeisterte er sich insbesondere für die Freilichtmalerei. 1840 hatte er seine erste Ausstellung.

Entscheidend wurde 1841 seine erste Reise in das ostniederländische Dorf Oosterbeek bei Arnhem, in welches er sich verliebte und wo er später eine Künstlerkolonie mit Zügen eines neuheidnisch-naturreligiösen Kultes ins Leben rufen sollte, welche bisweilen als „niederländisches Barbizon“ bezeichnet wird. Zunächst lebte er jedoch von 1846-52 noch einmal in Utrecht und 1854 für einige Zeit in Amsterdam, wo er mit Jozef Israëls Umgang pflegte.

Von 1855 bis 1858 hielt er sich wieder vorrangig in Oosterbeek auf, wo er eine Reihe jüngerer Maler um sich versammelte, welche die Keimzelle der späteren Haager Schule bildeten. Diese Maler waren unter anderem Anton Mauve, Paul Gabriël, Adrianus van Everdingen und sein begabter Sohn Gerard Bilders, welchem jedoch lediglich eine kurze Lebensspanne (1838-1865) vergönnt war. 1861 war bereits seine Ehrfrau gestorben, im selben Jahr wie der Sohn auch die Tochter Caroline; alle drei waren der Tuberkulose zum Opfer gefallen.

In den Jahren 1858-1880 war Amsterdam Hauptaufenthaltsort Bilders', anschließend ging er wieder nach Oosterbeek, wo er seine zweite Frau, seine talentierte Schülerin Marie van Bosse, welche sich gleichsam in der Landschaftsmalerei hervortat, heiratete. Zehn gemeinsame Jahre waren dem Paar vergönnt, 1890 starb Bilders in Oosterbeek.

Stilistisch war er ein Eigenbrötler, der zwar seine Wurzeln unverkennbar in der Romantik und bei Alten Meistern wie Ruisdael oder Wouwerman hatte, sich jedoch farblich neue Wege ertastete, indem er auf braune und andere dunkel-erdige Töne immer weniger zurückgriff und die impressionistische Sehnsucht nach unmittelbarem Ausdruck des Lichts vorwegnahm. Seine Schüler sollten diese Straße dann weiterverfolgen.

 

Verweise:

https://www.rijksmuseum.nl/en/collection/SK-A-4928
https://www.rijksmuseum.nl/en/search?q=Warnardus Bilders&f=1&p=1&ps=12&principalMaker=Johannes Warnardus Bilders&st=Objects&ii=9
https://www.museum.de/event/johannes-warnardus-bilders-utrecht-1811-1890-oosterbeek-beseelte-landschaft-1
https://www.astro.com/astro-databank/Bilders,_Johannes
https://www.koekkoek-haus.de/ausstellungen/archive/upcoming

Johannes Warnardus Bilders - zwischen Romantik und Haager Schule https://art-depesche.de/images/Johannes_Warnardus_Bilders.jpg Ruedi Strese