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Johann Heinrich Füssli „Der Nachtmahr“ (1781)

Berlin - Johann Heinrich Füssli war ein Schweizer Maler und Publizist, der mit dunkel-mystischen und fantastischen Gemälden in England seine größten Erfolge erzielen konnte.
Sein Erdengang begann 1741 in Zürich. Sein Großvater, Hans Rudolf Füssli, war bereits Maler gewesen, spezialisiert auf Schlachten- und Schiffsdarstellungen. Vater Johann Caspar Füssli (1702-1782) war als Schriftsteller und Maler tätig, insbesondere seine Porträts erlangten als Vorlagen für Stiche einige Verbreitung. Zwei Schwestern wurden Blumenmalerinnen.

Johann Heinrich selbst erhielt von seinem Vater den ersten Unterricht, seine Ausbildung und Erziehung sollen vorzüglich gewesen sein, die Übernahme der Liebe des Vaters zu Kunst und Literatur spricht dafür. Der Archäologe und Schriftsteller Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) gehörte zu den Freunden des Vaters, ebenso der Philologe Johann Jakob Bodmer (1698-1783), welcher ihm die Schriften Homers, Shakespeares, Dantes und John Miltons näherbrachte, was ihn lebenslang prägen sollte.
Nach seinem Theologiestudium wurde er 1761 zunächst reformierter Pfarrer in Zürich, mußte aber 1763 wegen Mitarbeit an einer Schrift seines Freundes Johann Kaspar Lavater (1741-1801), welche sich gegen Felix Grebel, den Landvogt von Grüningen, richtete, Zürich verlassen und floh nach Deutschland, wo er sich weiterhin mit theologischen Dingen befaßte. 1765 ging er auf Veranlassung des englischen Gesandten in Berlin, den er wegen seiner Shakespeare-Übersetzungen kennengelernt hatte, nach London, wo er anfangs ebenfalls als Übersetzer tätig war.

1767 lernte er Joshua Reynolds (1723-1792) kennen, dieser war einer der seinerzeit bedeutendsten englischen Maler und sollte später erster Präsident der „Royal Academy of Arts“ werden. Reynolds riet ihm, sich statt mit dem Schreiben stärker mit der Malerei zu befassen, und Füssli sah es ein. Es folgte 1770 eine Italienreise, wo er Anton Raphael Mengs traf. Bei seiner Rückkehr nach London 1778 oder 1779 war er dort bereits als Henry Fuseli geschätzt.
Zu seinen Arbeiten gehörten unter anderem eine englische Übersetzung der „Physiognomie“ Lavaters, malerische Darstellungen zu Werken Miltons und Shakespeares oder auch ein Porträt von Mary Wollstonecraft, der Mutter der später als Mary Shelley berühmten „Frankenstein“-Verfasserin.

Bereits 1788 war er in die Royal Academy of Arts aufgenommen worden, 1790  wurde sein Ölgemälde „Thors Kampf mit der Midgardschlange” als Diplomarbeit akzeptiert, was ihn zudem zum Vollmitglied machte. 1799-1805 und 1810-1825war er Professor der Malerei, von 1804-1825 durch Hilfe des Königs Keeper der Akademie. In dieser Zeit verfaßte  er auch kunsttheoretische Schriften. Im Frühjahr 1825 verstarb er und wurde in der Gruft der St.-Pauls-Kathedrale neben seinem noch berühmteren Freund Reynolds beigesetzt.
Füsslis bekannteste Werke sind mystisch, übernatürlich, albtraumartig; das bekannteste dürfte das in mehreren Fassungen existierende „Der Nachtmahr“ sein. Inspiration bekam er nicht zuletzt durch die damals populären Schauergeschichten. Es war die Zeit der düsteren Phantastik, Horace Walpoles „Das Schloss von Otranto“, die Romane der Ann Radcliffe, Mary Shelleys „Frankestein“, Matthew Gregory Lewis’ „Der Mönch“ waren typisch für die englische Gothic Novel der Zeit des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Doch auch frühere Klassiker hatten es ihm angetan; zu Miltons „Verlorenem Paradies“ malte er ganze 47 Gemälde! Somit kann Füssli inhaltlich als wesentlicher Maler der Schwarzen Romantik betrachtet werden, stilistisch als Bindeglied von der „alten“ zur „neuen“ Malerei.

Johann Heinrich Füssli, der Schweizer Maler englischer Albträume https://art-depesche.de/images/John_Henry_Fuseli_-_The_Nightmare_1024px.jpg Ruedi Strese