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William Alexander „Chinesische Szene mit Pagode und Booten“ (Öl auf Leinwand, 1792-94)

Berlin - Im 18. Jahrhundert waren Chinoiserien, also an chinesische Formen und Motive angelehnte Kunstwerke und kunsthandwerkliche Arbeiten, in Europa ein großer Renner. Dabei war über China, wie es wirklich war, nicht allzuviel bekannt. Eine englische Gesandtschaft, die Macartnay-Mission, sollte unter anderem dies ändern. Mit im Gepäck hatten die Diplomaten den Künstler William Alexander, der fleißig seine Eindrücke festhielt und mit den entstandenen Arbeiten wesentlich zu einem zwar durchaus romantischen, doch bereits näher an der Realität befindlichen Bild Chinas beitragen konnte.

Um ein Künstler werden zu können, mußte Alexander sich erst einmal gebären lassen. Dies gelang ihm 1767 in Maidstone in der Grafschaft Kent, sein Vater war Kutschenbauer. 1782, im Alter von nur 15 Jahren, durfte er aufgrund seines offensichtlichen Talentes seine künstlerische Ausbildung beginnen. Dafür wurde er nach London gesandt, wo sich zunächst der Aquarellist, Landschaftsmaler, Zeichner und Grafiker William Pars und später der Aquarellist und Landschafter Julius Caesar Ibbetson seiner annahmen.

1784 wurde er schließlich zu den Royal Academy Schools zugelassen. Seine Begabung muß bereits enorm gewesen sein, denn kein Geringerer als der königliche Hofmaler und Akademiepräsident Sir Joshua Reynolds nahm ihn unter seine Fittiche. Arbeiten jener frühen Jahre sind allerdings kaum bekannt.

Den Auftrag seines Lebens erhielt der erst 25jährige 1792, als er, vermutlich durch Vorschlag des zuvor einst als Teilnehmer für eine allerdings gescheiterte China-Fahrt vorgesehenen Ibbetson, ausgewählt wurde, die Macartnay-Mission zeichnerisch zu dokumentieren. Diese Gesandtschaft unter Leitung von Lord Macartney und Sir George Staunton reiste mit dem Schiff über Java, Vietnam, Macau und Tientsin nach Peking. Sie hatte den Auftrag, den chinesischen Kaiser Qianlong zur Öffnung Chinas für die englischen Händler zu bewegen. Der Kaiser ließ sich allerdings nicht überzeugen, und so blieb China vorerst vom Händlergeist verschont, den es dafür in den Opiumkriegen umso gründlicher kennenlernen sollte, doch dies ist freilich nicht unser Thema.

Es schmälert auch nicht die Leistung unseres Künstlers, der formal dem älteren, aber während der Reise wohl unschöpferischen Kollegen Thomas Hickey unterstand. Er fertigte über 2.000 Zeichnungen an, welche er in den Jahren darauf als Grundlage seiner Arbeiten, zumeist Aquarelle und Drucke, verwendete. Die Aquarelle sollte er auch an der Royal Academy ausstellen. Sie boten detailreiche Darstellungen chinesischer Menschen, Architektur und Landschaft. Bei aller Präzision verströmten sie die romantische Aura eines verfallenen Reiches.

Der „An Authentic Account of an Embassy from the King of Great Britain to the Emperor of China“ betitelte Bericht Sir Stauntons erschien 1797, illustriert war er mit von dem Graveur Joseph Collyer nach Zeichnungen von Alexander gefertigten Drucken. Die Publikation wurde ein großer Erfolg und in verschiedene Sprachen, darunter das Deutsche, übersetzt. Jahre später folgten die Reiseerinnerungen Sir John Barrows, des Buchhalters der Expedition. Sie wurden von William Alexander mit kolorierten Drucken illustriert.

Drei Bildbände wurden unter seinem eigenen Namen veröffentlicht: „Views of Headlands, Islands, etc. taken during the Voyage to China“ (1798) verwendete als Vorlagen Skizzen der englischen Künstler und Asienreisenden Thomas und William Daniell, „The Costume of China“ (1805) befaßte sich mit der Kleidung Chinas. Beide Werke wurden mit kolorierten Radierungen versehen, die er selbst radierte. Ein weiterer Band, „Picturesque Representations of the Dress and Manners of the Chinese“, erschien 1814 als Teil einer völkerkundlichen Reihe, die Urheberschaft ist jedoch aufgrund der vergleichsweise geringeren Qualität der Abbildungen umstritten.

Eine weitere Arbeit waren die Illustrationen zu „Voyage of discovery to the north Pacific Ocean, and round the world“ George Vancouvers, welcher die nordamerikanische Pazifikküste erkundete, außerdem befaßte er sich mit der heimischen englischen Landschafts- und Vedutenmalerei.

1802 erhielt er eine Professur für Zeichnung am Royal Military College, kündigte jedoch 1808, um eine Stelle an der Antikenverwaltung des British Museum anzutreten. Fortan widmete er sich der zeichnerischen Erfassung antiker Keramiken und Skulpturen. Der daraus entstandene Katalog erschien in insgesamt vier Bänden, zwei davon posthum. William Alexander starb 1816 kinderlos in seinem Heimatort Maidstone und wurde auf dem Friedhof Boxley in Kent beigesetzt.

1826 veröffentlichte William Turner seinen Sammelband „Picturesque Views on the Southern Coast of England“, in welchen auch Arbeiten Alexanders Eingang fanden, 1841 erschien seine Reiseerzählung „A Journey to Beresford Hall, the Seat of Charles Cotton, Esq., the Celebrated Author and Angler“ in Buchform. Eine Gedenkausstellung „William Alexander: An English Artist in Imperial China“ war 1981 in Brighton und anschließend in Nottingham zu sehen. Seine Werke befinden sich unter anderem bei Tate und in der British Library.

 

Verweise:

http://www.artnet.com/artists/william-alexander/
https://brightonmuseums.org.uk/discover/2016/09/01/shaping-an-image-of-china-in-the-west-william-alexander-1767-1816/
https://www.chrisbeetles.com/artist/320/william-alexander
https://risdmuseum.org/exhibitions-events/exhibitions/daniells-asia

William Alexander - ein englischer Maler in China https://art-depesche.de/images/Chinesische_Szene_mit_Pagode_und_Booten.jpg Ruedi Strese