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Jean François Millet „Klassische Landschaft“ (Öl auf Leinwand, ca. 1670, Staatliche Kunsthalle Karslruhe)

Berlin - Der Name Jean François Millet wurde von einer ganzen Reihe frankophoner Maler getragen. Ihr bekanntester und wohl auch bedeutendster dürfte der realistische Landschaftsmaler (1811-1875) aus der Schule von Barbizon sein. Ihm folgt ein flämischer Künstler des Barock, welcher sich gleichsam mit der Landschaft befaßte und der auch als Francisque Millet bekannt wurde. Er war kein Neuerer wie sein späterer Namensvetter, doch ohne Frage ein begabter Vertreter seiner Zeit.

Wesentliches über sein Lebens haben wir der Arbeit Arnold Houbraken zu verdanken, dem Biographen zahlreicher Maler des Goldenen Zeitalters der Niederländischen Malerei. Houbraken zufolge wurde Millet 1842 in Antwerpen geboren, als Sohn eines aus Dijon stammenden, doch im Dienste Louis' II von Bourbon, des Prinzen von Condé, stehenden, Elfenbeinschnitzers.

Der Vater fand in Antwerpen ein dauerhaft gutes Einkommen, weshalb er dort blieb. Den früh zeichnerisches Talent zeigenden Sohn gab er in bei Laurentius Frank, einem Cousin Abraham Genoels' in die Lehre. Wir wissen dies aus einem Brief Genoels' an Houbraken, in welchem dieser von dem jungen Lehrling seines Cousins in Paris berichtete und sich lobend äußerte, habe dieser doch ein bemerkenswertes Detailgedächtnis besessen und sei in der Lage gewesen, jegliches Kunstwerk schnell und akkurat ohne Blick auf das Subjekt abzuzeichnen, so sei ihm das Kopieren ein Leichtes gewesen.

1660 heiratete der junge Mann die Tochter seines Meisters und ließ sich dauerhaft in Paris nieder. Aus der Ehe ging zumindest ein Sohn hervor (Houbraken nennt einen weiteren, dessen Existenz jedoch umstritten ist), welcher ebenfalls Jean François Millet und auch Francisque genannt wurde. Dieser lebte von 1666-1723 und wurde wie sein Vater Landschaftsmaler. Die Figuren für seine Gemälde ließ er von Jean-Antoine Watteau und anderen Künstlern der fête galante in seine Bilder einfügen.

Doch zurück zum Leben des Vaters. Der reiste durch Frankreich, England und Holland und fand für seine arkadischen, italisierenden Landschaften gute Abnehmer. Er lebte später als die berühmten französischen Landschafter Claude Lorrain (1600-1682), Nicolas Poussin (1594-1665) und dessen Schwager Gaspard Dughet (1615-1675), welcher ihn besonders beeinflußt hatte, führte jedoch die von diesen begründete französische Landschaftskunst auf hohem Niveau fort.

Houbraken zufolge soll er allerdings einen recht verschwenderischen Lebensstil gehabt haben, welcher ihn trotz guter Kundschaft in finanzielle Not brachte. Er war noch sehr jung, als er 1679 von einem hohen Fieber gepackt wurde, aufgrund dessen er in den Wahnsinn verfiel und bald darauf starb. Beigesetzt wurde er in der Kirche St Nicolas-des-Champs in Paris.

Zwölf seiner wichtigsten Arbeiten fielen einem Feuer in den Tuilerien zum Opfer, zahlreiche weitere dürften sich unentdeckt und ohne Zuschreibung in verschiedenen Sammlungen befinden, da er zumeist auf die Signatur verzichtete. Als gesichert zugeschrieben geltende Arbeiten befinden sich unter anderem im Louvre, in der Alten Pinakothek in München, in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, im Frankfurter Städel Museum und in der Berliner Gemäldegalerie.

 

Verweise:

https://www.kunstbeziehung.de/artist.php?sd%5BaCode%5D=5c1f5a3fc3316
https://auctions.bertolamifinearts.com/de/lot/40475/jean-franois-millet-known-as-francisque-/
https://www.britannica.com/biography/Jean-Francois-Millet-French-painter-1642-1679
https://www.dorotheum.com/de/l/2557129/
https://www.christies.com/en/lot/lot-4869979
https://www.nationalgallery.org.uk/artists/francisque-millet
https://rkd.nl/en/explore/artists/56192

Maler arkadischer Barocklandschaften: Francisque Millet https://art-depesche.de/images/Klassische_Landschaft.jpg Ruedi Strese