static-aside-menu-toggler
gkSearch
J. Horsburgh „Der Berg Helikon“ (Stich nach einer Zeichnung von William Hugh Williams, 1829)

Liebe Leser der ART DEPESCHE,

durch den Lockdown liegen Museen wie Galerien im erzwungenen Winterschlaf, was es schwierig macht, über aktuelle Ausstellungen zu berichten. Oder sollten wir uns einfach solche ausdenken? Vielleicht irgendwelche Enten in die Welt setzen?

Uns als die Entdecker eines neuen Raffael preisen? Vielleicht behaupten, in der Alten Nationalgalerie seien jetzt Übermalungen von Gemälden Gerhard Richters durch Jan van Eyck zu sehen? In der Hoffnung, die Leute werden des Anachronismus nicht gewahr, stürmen zum Museum und stehen dort vor verschlossener Tür, rutschen schließlich in ihrem Zorn die vereisten Stufen hinab, brechen sich dabei den Musikantenknochen und lesen danach nie wieder unsere Artikel? Eine allenfalls mittelglänzende Idee.

Interessante Maler zu finden, welche sich gerne für eine bescheidene Online-Kunstseite interviewen lassen, ist ebenfalls gar nicht so einfach, auch läßt, dies muß auch einmal erwähnt werden, die Zuverlässigkeit mancher Kunstschaffender zu wünschen übrig. Wieviele Künstler haben in den letzten Jahren Interesse bekundet, um dann die liebevoll ersonnenen Fragen zu ignorieren? Ob unsere Fragen vielleicht einfach so schlecht und uninteressant sind? Das können die Leser unserer Interviews entscheiden; es gibt ja doch einige davon auf unserer Seite.

Aber natürlich haben wir vor allem mit zahlreichen Künstlern wunderbar zusammengearbeitet; Interviews mit Malern wie Yuma Radne, Brunhild Schwertner, Geoff Butterworth, Tore Hogstvedt, Edwin Grissen, Konstantin Golowin, Bela Aldatova, Alexej Golovchenko, Margreet Boonstra, Stephen Yau, Friederike Jokisch, Ralph Oberg, JNA, Simone Miksch, Linh Tran, Sang Phan, Natalia Popovich, Stanislav Brusilov, Nguyen Thi Mai, Magdalena Nałęcz, Hoshino Keiko, Dmitrii Revyakin, Johannes Bachor und anderen gehören zu unseren beliebtesten Artikeln, die wir auch selbst immer mal wieder anschauen. Für solche Kooperationen sind wir sehr dankbar! Wir werden also weiterhin versuchen, geeignete Kandidaten zu finden. Gerne nehmen wir auch Ihre Vorschläge entgegen, oder bieten Lesern, die selbst Kunstschaffende sind, ein Forum.

Ansonsten machen wir, wie sicher manchem aufgefallen ist, aus der Not eine Tugend und befassen uns mit kleinen Ausflügen in die Kunstgeschichte. Kurze Lebensbeschreibungen beachtenswerter, doch in Deutschland wenig beachteter Maler sind ein dankbares und weites Feld. Viel gibt es hier zu entdecken, und wir selbst staunen immer wieder beim Durchstöbern unserer kleinen physischen Kunstbibliothek wie auch der Weiten des Netzes. Hier wird also, solange sich nichts ausstellt, vorerst unser Schwerpunkt liegen, und der Anspruch ist, daß unsere Seite als ein eigenes kleines Nachschlagewerk dienen mag, wobei die Texte zudem stets auch eine gewisse literarische Qualität haben sollen.

Festgestellt sei zuletzt, daß die ART DEPESCHE nicht der Ort für politische Fragen ist, und dies soll auch so bleiben. Jeglicher Totalitarismus ist zuerst dadurch gekennzeichnet, daß er überall und zu jeder Zeit zum Bekenntnis zwingt und keine politikfreien Räume mehr duldet, verdächtig ist ihm der Ort, wo Menschen sich als Menschen begegnen, ohne eine Ideologie wie eine Maske vor sich her zu tragen. In den dunkelsten Stunden wird selbst das Verhältnis zwischen Freunden, Geschwistern, Liebenden, Eltern und Kindern vergiftet, menschliche Unmittelbarkeit gerät folglich so absichtslos wie gesetzmäßig zum Akt des Ungehorsams.

Wir müssen selbstkritisch zugeben, daß wir beim Aufkommen der Corona-Frage den Fehler gemacht haben, uns zu dieser zu äußern. Falsch war es nicht deshalb, weil unsere Position dazu falsch war (vielleicht war sie es nicht, vielleicht doch), es war für uns die falsche Frage, weil wir ihren politischen Streitwert unterschätzt haben.

Heute würden wir dazu nichts weiter sagen als das, was für jedes strittige Thema gelten sollte: man muß keine Meinung dazu haben, wer sich jedoch eine Meinung bilden möchte, sollte die verschiedenen Positionen ruhig und vorurteilslos betrachten, allen Seiten zuhören, Argumente sorgfältig prüfen und dann entscheiden. Das ist eine zeitlose Binsenweisheit des Allgemein-Menschlichen. Wo diese bereits in Frage steht ... was ist dann? Darüber kann jeder für sich nachdenken.

Nein, wir suchen nicht den Streit der Zeit, wir suchen, was bleibt in der Kunst, was seine Zeit überlebt, selbst wenn es nur in dieser zu denken war. Welche Schöpfungen vergangener Tage vermögen uns heute noch zu erfreuen? Welche heutigen Schöpfungen werden zukünftigen Generationen etwas sagen? Wo ist Können? Wo ist Herz? Wo ist Wahres, Gutes und Schönes? Wir hoffen, in diesem Bereich Monat für Monat einen vielleicht winzigen, aber guten Beitrag leisten zu können. Und wenn Sie unsere Arbeit schätzen, können Sie vielleicht mit einem Teilen unserer Artikel und Einladungen auf die Seite helfen, weitere Leser zu gewinnen.

Wir danken Ihnen, liebe Leser, für Ihre Treue, und wünschen Ihnen und Ihren Nächsten alles erdenkliche Gute

Ihre Redaktion der ART DEPESCHE

 

https://art-depesche.de

Ein Herz für die Kunst: Betrachtungen in eigener Sache https://art-depesche.de/images/Mount_Helicon.jpg Ruedi Strese