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Károly Ferenczy „Oktober“ (Öl auf Leinwand, 1903, Ungarische Nationalgalerie)

Berlin - Vor längerer Zeit hatten wir in unserer biographischen Reihe bereits Lászlo Paál vorgestellt, welcher sich von der Schule von Barbizon inspirieren ließ und so die Freilichtmalerei in Ungarn einführte. Indes blieb die ungarische Kunstgeschichte dort nicht stehen, und auch der eigentliche Impressionismus fand in Ungarn Widerhall, und zwar zuerst in Gestalt Károly Ferenczys, welcher überdies die bedeutende Freilichtmalerkolonie von Nagybánya ins Leben rief.

Geboren wurde er 1862 in Wien als Carl Freund als Sohn des jüdischen Paares Ida Graenzenstein (welche kurz nach der Geburt starb) und Karel Freund, eines Beamten im Eisenbahnbau, welcher im Auftrag seines Arbeitgebers nach Budapest zog, dort für seine Verdienste geadelt wurde und seinen Namen zu Ferenczy magyarisierte.

Unser Mann, Károly Ferenczy, begann nach Abschluß seiner Jugend ein Jurastudium in Wien, schwenkte bald auf Wirtschaftswissenschaften um, um sich schließlich auf Anraten seiner 14 Jahre älteren Cousine, der realistischen Malerin Olga Fialka, der Kunst zuzuwenden.

Dazu reisten die beiden 1884(85?) nach Italien, wo er sich für kurze Zeit an der Kunstakademie Neapel einschrieb, doch noch 1885 kehrten sie zurück und heirateten. Olga Fialka gebar bald den ersten Sohn und schränkte von nun ihre künstlerischen Aktivitäten zugunsten der Familie ein.

Ferenczy indes ging 1886 nach München, wo er sich mit ungarischen Künstlern wie István Csók und Simon Hollósy austauschte. Von 1887 bis 1889 studierte er an der Académie Julian in Paris und ließ sich vor allem vom Naturalismus Jules-Bastien Lepages inspirieren, an dessen Stil er sich zunächst orientierte. Nach seiner Pariser Zeit lebte er mit seiner Frau in der kleinen Stadt Szentendre bei Budapest, doch bereits 1893 ging es wieder nach München, wo er sich erneut dem ungarischen Künstlerzirkel anschloß.

Vor allem Hollósy tat sich hier als Ideengeber hervor, er vertrat einen unakademischen Ansatz und brachte Ferenczy die Freilichtmalerei des Impressionismus nahe. Begeistert von diesen neuen Ideen waren auch die beiden im Hollósy-Kreis tätigen jüngeren Maler István Réti und János Thorma, und mit diesen tat er sich 1896 in Nagybánya (deutsch Frauenbach, heute als Baia Mare zu Rumänien gehörend) zur Gründung einer Freilichtmalerkolonie zusammen.

Sie konnten Hollósy überzeugen, seine Kurse ebenfalls dort abzuhalten, und es entstand so etwas wie das Epizentrum der ungarischen Moderne. Ferenczy wurde dabei einer der wichtigsten Maler und Kunsterzieher, und aus den Arbeiten dieser Zeit begründet sich sein Ruf als Vater des ungarischen Impressionismus. In den Wintertagen nutzte er allerdings sein Atelier in Budapest. Die Zeit im Atelier nutzte er zur Schaffung von Stilleben, Genreszenen und Aktbildern, welche zusehends über den Impressionismus hinausgingen, indem sie sich beispielsweise eines flächigen Auftrags leuchtender Farben bedienten.

1903 hatte er seine erste erfolgreiche Einzelausstellung in Budapest, und 1906 wurde ihm dort eine Professur an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste angeboten, worauf er sich nur noch in den Sommermonaten der Freilichtmalerei in Nagybánya widmete. Als 1907 die Künstlervereinigung MIÉNK, welche Ungarns Naturalisten und Impressionisten unter ein Dach zu bringen gedachte, ins Leben gerufen wurde, war er eines der Gründungsmitglieder.

Als er 1917 in Budapest starb, hinterließ er ein außerordentlich umfangreiches Oeuvre und hatte zahlreiche jüngere Künstler ausgebildet und inspiriert. Seine drei Kinder wurden ebenfalls als Künstler tätig. 1951 wurde in Szentendre ein Museum eingerichtet, welches Arbeiten Ferenczys wie auch seiner Frau und Kinder ausstellt. Auch die Ungarische Nationalgalerie besitzt zahlreiche seiner Werke.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/161-lászlo-paál-–-protoimpressionistische-landschaften-aus-ungarn.html
http://www.artnet.com/artists/károly-ferenczy/
https://www.mutualart.com/Artist/Karoly-Ferenczy/08C23D973B3A48F9
https://salgotrust.org/hungarian-collection/artists/karoly-ferenczy

Károly Ferenczy - Ungarns erster Impressionist https://art-depesche.de/images/Oktober.jpg Ruedi Strese