Leonardo Alenza „Satire eines romantischen Suizids“ (Öl auf Leinwand, 1839, Museo del Romanticismo, Madrid)

Berlin - Da enthält gleich die Überschrift einen Begriff, mit dem vermutlich kaum ein Deutscher, nichtmal ein deutscher Kunstfreund, etwas anfangen kann! Seien wir also großzügig und beginnen mit einer winzigen Erläuterung: der Costumbrismo war eine spanische und iberoamerikanische Strömung innerhalb der Romantik, welche vor allem, doch offensichtlich nicht allein, die Literatur betraf. Er befaßte sich, recht analog zu Tendenzen in der deutschen Romantik, mit dem Volkstümlichen, mit den Sitten und Gebräuchen des spanischen Volkes (und seiner amerikanischen Ableger). Der wohl bedeutendste Maler innerhalb dieser Strömung war unser Mann, Leonardo Alenza, dem wir den heutigen Teil unserer kleinen biographischen Reihe widmen.

Geboren wurde Leonardo Alenza y Nieto 1807 in Madrid als Sohn eines Regierungsangestellten mit poetischen Neigungen. Die Mutter starb bereits 1813, doch einige Jahre später heiratete der Vater erneut. An einem Jesuitenkloster soll der Junge seine Grundschulbildung erhalten haben. 1819 schrieb er sich an der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid ein, wo er bei den Malern Zacarías González Velázquez, Juan Antonio Ribera und José Aparicio, dem Graveur Vicente Peleguer und dem Bildhauer Esteban de Agreda Unterricht nahm. Seinen Abschluß machte er schließlich bei dem neoklassizistischen Maler José de Madrazo y Agudo. Er sollte der Akademie auch in Zukunft verbunden bleiben.

Er scheint sich früh einen guten Ruf erarbeitet zu haben, denn 1833 wurde er von der Stadtverwaltung von Madrid mit einem allegorischen Porträt der gerade erst dreijährigen Königin Isabella II. beauftragt, und im Folgejahr malte er ein fünfteiliges Kenotaph in Grisaille für den verstorbenen Ferdinand VII.

Ab 1838 betätigte er sich regelmäßig als Zeichner des Wochenblattes Semanario Pintoresco Español, welches von dem Schriftsteller Ramón de Mesonero Romanos herausgegeben wurde. Seine Capriccios, architektonische Phantasien, wie sie vor allem durch den Italiener Piranesi bekannt wurden, stellte er an der Akademie aus. Sein bedeutendstes Werk wurde allerdings das Ölgemälde „Satire eines romantischen Suizids“ von 1839, welches hier als Titelbild Verwendung fand.

Er erhielt zudem nennenswerte (wobei sich die Frage stellt, warum wir sie dann nicht nennen!) Aufträge als Illustrator und Dekorationsmaler, wurde 1842 für eine Köpfung Goliaths zum verdienten Akademiker ernannt, doch blieb dies seine letzte große Arbeit, denn dem Schicksal war wohl danach, ihm übel mitzuspielen.

Eine bereits seit längerer Zeit gärende Tuberkulose schwächte ihn zusehends, so daß ihm nur noch wenige Monate der Arbeit als Professor möglich waren, bis er sich zurückziehen mußte. Heilungsversuche erwiesen sich als erfolglos, die letzten finanziellen Mittel waren bald erschöpft, und so starb er 1845 elend und verarmt.

Immerhin fanden sich Freunde, welche die Mittel aufbrachten, um ihm eine würdige Beisetzung auf dem Madrider Friedhof Sacramental de San Ginés y San Luis anstelle des Verscharrens in einem Armengrab zu ermöglichen und des Weiteren halfen, seine Kunstwerke für die Nachwelt zu sichern. Bilder Alenzas sind heutzutage unter anderem im Madrider Museo del Romanticismo, in der Spanischen Nationalbibliothek, im Museo de Bellas Artes de Bilbao und im Prado zu sehen.

 

Verweise:

https://www.madsnailtravel.com/blog/leonardo-alenza
http://www.culturaydeporte.gob.es/mromanticismo/inicio.html
https://www.museodelprado.es/coleccion/artista/alenza-y-nieto-leonardo/7c063e30-7a12-4e52-ad77-7fb7d954d484?searchMeta=alenza
http://bdh.bne.es/bnesearch/Search.do?field=autor&text=Alenza%2C+Leonardo+(1807-1845)
http://www.artnet.com/artists/leonardo-alenza-y-nieto/past-auction-results/2
https://www.hisour.com/de/leonardo-alenza-4190/

Leonardo Alenza - Maler des Kostumbrismus https://art-depesche.de/images/Leonardo_Alenza_-_Satire_of_Romantic_Suicide_-_Google_Art_Project_gr.jpg Ruedi Strese
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