static-aside-menu-toggler
gkSearch
Tadeusz Ajdukiewicz „Die Amazone auf einem weißen Pferd“ (Öl auf Leinwand)

Berlin - Die ostmitteleuropäische Malerei der Vormoderne war aus naheliegenden Gründen im Wesentlichen von Vorbildern aus dem deutschen Sprachraum geprägt; erst die angehende Moderne brachte eine größere Eigenständigkeit mit sich. Das heißt indes nicht, daß es hier zuvor nicht beachtliche Talente gegeben habe. Ein solches war sicher der realistische Maler Tadeusz Ajdukiewicz, welcher mit Porträts, Genreszenen, Schlachtgemälden und Pferdebildern hervortrat.

Geboren wurde er 1852 in der südöstlich von Krakau gelegenen Stadt Wieliczka als Sohn eines Beamten im Dienste der Habsburger Monarchie. Seine künstlerische Ausbildung begann er 1868 in Krakau an der dortigen Akademie bei dem spätromantischen Historienmaler Władysław Łuszczkiewicz.

1873 reiste er dank eines Stipendiums zum weiteren Studium zunächst nach Wien und dann nach München, an dessen Akademie er die Antikenklasse besuchte. Seine Lehrer an der Akademie waren Anton Seitz und Alexander Wagner, außerdem besuchte er Kurse im Atelier seines Landsmannes Józef Brandt, welcher ihn die anatomisch genaue Pferdemalerei lehrte, was in seinem späteren Werk eine bedeutende Rolle spielen sollte.

1874/75 ging es zurück nach Krakau, wo Historienbilder des Polnischen Aufstands von 1863 entstanden, zudem soll er sich dort als Landwirt und Pferdezüchter betätigt haben. 1877 schon begann das Reisen erneut; wobei es für die verschiedenen Aufenthaltsjahre in den Quellen große Unstimmigkeiten gibt, somit sind die Jahreszahlen unter Vorbehalt zu betrachten.

Diesmal ging es jedenfalls zunächst nach Paris und darauf nach Ägypten, Kleinasien und in den Süden des Russischen Reiches. Die in Folge entstehenden Bilder bedienten die damals sehr populäre Mode des Orientalismus und erfreuten sich großer Beliebtheit. Außerdem malte er Porträts polnischer Künstlerinnen und heimatliche Genreszenen.

1882/83 verschlug es ihn nach Wien, und im Auftrag der Aristokratie schuf er meisterlich ausgeführte Bilder mit militärischen Motiven wie Truppenparaden und Reiterszenen sowie Porträts vornehmer Herrschaften, auch dies mit großem Erfolg. Sein Ansehen stieg derart, daß auch der europäische Hochadel ihn mit Aufträgen für Porträts, bevorzugt zu Pferde, bedachte.

So ging er 1893 nach London, um den Prinzen von Wales (später König Edward VII.) zu malen, 1894 wurde er an den Hof von Konstantinopel gerufen, 1896 ging es nach Sofia, 1897 nach Bukarest und 1899 an den Zarenhof nach Sankt Petersburg. 1904 ging er erneut nach Bukarest, wo er als Hofmaler angestellt war.

Im Ersten Weltkrieg diente er in der Ersten Brigade der Polnischen Legion Józef Piłsudskis, des polnischen Nationalhelden und späteren Diktators. Er starb im Januar 1916 im Militärhospital nach der Schlacht um Krakau. Seine Werke sind unter anderem in Museen in Krakau, Posen, Warschau, Prag und Wien zu sehen.

 

Verweise:

https://www.dorotheum.com/de/k/thaddaeus-von-ajdukiewicz/#5783524
https://www.porta-polonica.de/de/lexikon/ajdukiewicz-tadeusz
http://www.artnet.de/künstler/tadeusz-ajdukiewicz/
https://www.christies.com/lot/lot-tadeusz-ajdukiewicz-polish-1852-1916-an-arab-4881963/

Der polnische Realist Tadeusz Ajdukiewicz https://art-depesche.de/images/Die_Amazone_auf_einem_weien_Pferd.jpg Ruedi Strese