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Edwin Landseer „Rent-Day in the Wilderness“ (Öl auf Leinwand, 1868, Scottish National Gallery)

Berlin - Mit äußerst akribischen und anatomisch korrekten Tierdarstellungen ging der englische Maler und Bildhauer Edwin Landseer in die Kunstgeschichte ein. Stilistisch bewegte er sich zwischen Romantik und Naturalismus, und mögen manche seiner Werke heute auch als nah am modischen Kitsch empfunden werden, wird der Betrachter doch durch das unbestreitbare Können des Künstlers entschädigt.

Den grauen Himmel Londons erblickte er im Jahr 1802. Der Vater John Landseer war Kupferstecher, zwei ältere Brüder sollten ebenfalls Künstler werden (Charles Historienmaler und Thomas Kupferstecher). Seinen ersten Unterricht in genauer Tierzeichnung erhielt er von seinem Vater, er galt als Wunderkind. Der Historienmaler Benjamin Robert Haydon wurde sein Lehrer, er brachte den Jungen zur Beschäftigung mit Tiersektionen zur Vertiefung seiner anatomischen Kenntnisse.

Bereits 1815, im zarten Alter von 13 Jahren, konnte Landseer erstmals an der Royal Academy of Arts ausstellen, und im Folgejahr begann er dort mit der Fortsetzung seiner Studien. Sein 1819 ausgestelltes Gemälde „Hundekampf“ markierte den Beginn einer großen Karriere; seine Bilder fanden in Folge auch als Drucke und Stiche weite Verbreitung. 1823 erhielt er den Auftrag, die rund 20 Jahre ältere Giorgiana Russell, Herzögin von Bedford, zu porträtieren; der Auftrag resultierte in einer Liebesaffäre.

1824 sah er erstmals die schottischen Highlands und war überwältigt. Die rauhe Landschaft würde er in seinem Leben oft besuchen, und die Gemälde, so „The Monarch of the Glen“ (1851), sollten in seinem Oeuvre einen bedeutenden Teil einnehmen. 1826 wurde Landseer zum assoziierten Mitglied der Royal Academy of Arts erkoren, 1831 schließlich zum Vollmitglied. Das selbe Jahre fand ihn in einer Anstellung als Hofmaler der Königin Victoria; diese und ihren Gatten Albert lehrte er übrigens die Radiertechnik.

Im Jahr 1840 erlitt er einen Zusammenbruch; körperliches und seelisches Leiden sollten von nun an nicht mehr aus seinem Leben verschwinden, wenn er auch bis an dessen Ende schöpferisch tätig war. 1850 wurde er zum Knight Bachelor geschlagen, war also nun mit „Sir“ anzureden. 1866 wurde er zum Präsidenten der Akademie gewählt, entschied sich jedoch, das Amt nicht anzutreten. Im Jahr darauf wurden die bekanntesten von ihm entworfenen Skulpturen, die Bronzelöwen am Trafalgar Square, gegossen von Carlo Marochetti, aufgestellt.

1873 starb Landseer, und sein Tod fand in England reiche Aufmerksamkeit. An vielen Orten wurde Halbmast geflaggt, seine Bronzelöwen am Trafalgar Square wurden mit Kränzen behangen, große Menschenmengen säumten die Straßen, um seinen Begräbniszug zu sehen. Er wurde in der Londoner St Paul's Cathedral beigesetzt. Drei zum Zeitpunkt des Todes unfertige Bilder wurden, seinem Wunsch entsprechend, von seinem Freund John Everett Millais vollendet.

Seine hinsichtlich Licht, sauberer Zeichnung und anatomischer Wriklichkeitsnähe meisterlich gefertigten Tierbilder machten ihn in England wie auf dem europäischen Festland bekannt; zahlreiche wohlhabende Briten ließen ihre Tiere durch Landseer porträtieren. Eine besondere Spezialität des Malers war die Darstellung einer schwarz-weiß gefleckten Neufundländer-Varietät, welche zu seinen Ehren Landseer getauft wurde und bis heute gezüchtet wird.

 

Verweise:

http://www.museumsyndicate.com/artist.php?artist=195
https://archive.org/stream/siredwinlandseer00ormo_0#page/n3/mode/2up
https://www.landseer.de/index.php/de/rasse/sir-edwin-landseer
https://artuk.org/discover/artists/landseer-edwin-henry-18021873

Der englische Tiermaler Edwin Landseer https://art-depesche.de/images/Rent-Day_in_the_Wilderness.jpg Ruedi Strese