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Juliette Wytsman „Kirschblüten“ (Öl auf Leinwand)

Berlin - Den durch besondere Farbenfreude und starke Lichteffekte gekennzeichneten belgischen Luminismus hatten wir unseren Lesern bereits in Gestalt zweier seiner Gründer, namentlich Emile Claus und Évariste Carpentier, vorgestellt. Freilich waren diese nicht die einzigen Lichtmaler von Rang des kleinen französisch-niederländischen Brückenstaates. Wahrlich leuchtend sind auch die Landschaften und Blumenbilder von Juliette Wytsman, welche wir unseren Lesern heute vorstellen möchten.

Geboren wurde sie 1866 als Juliette Trullemans in Brüssel. Frauen waren zu ihrer Zeit an der Akademie nicht zugelassen, weshalb sie am privaten Brüsseler Institut Bischoffsheim bei Henri Hendrickx Unterricht in Malerei, Stickerei, Batik und Keramik nahm. Hier studierte in jener Zeit auch Ketty Hoppe, welche zu einer langjährigen Freundin wurde und sich später ebenfalls mit Landschaften und Blumen hervortun sollte.

Bei dem Genter Maler Jean Capeinick setzte Juliette Trullemans ihre Studien fort. Sie war bald auf äußerst detaillierte Blumenstilleben fokussiert, in welchen sie eine besondere Kunstfertigkeit zeigte. Stilistisch standen ihre damaligen Bilder unter romantischem und realistischem Einfluß. Ihr Ausstellungsdebut hatte sie mit einem solchen Blumenarrangement bereits 1883.

In der Werkstatt Capeinicks begegnete sie auch dem sechs Jahre älteren Maler Rodolphe Wytsman. Dieser hatte in früheren Jahren bei Capeinick gelernt und sich damals bereits dem Impressionismus zugewandt. Die beiden fanden zueinander und gaben sich 1886 das Jawort. Von da an lebten sie gemeinsam auf Reisen an verschiedene Orte Belgiens ihre Liebe zur von Monet, Pissarro usw. beeinflußten Pleinairmalerei aus.

Wytsman war Gründungsmitglied der 1883 entstandenen Künstlervereinigung Les XX und auch mit dem Schriftsteller Camille Lemonnier gut befreundet. In dessen Garten waren die Wytsmans oft zu Gast, und Juliette entdeckte den Garten als bevorzugtes Thema, welches sie bald meisterlich auf die Leinwand brachte. Hier lernte sie auch den Freilichtmaler Emile Claus kennen, der in jenen Jahren den Luminismus als besonders lichtvolle Spielart des Impressionismus entwickelte, und das Ehepaar folgte dieser Anregung.

1892 erstanden sie in Linkebeek bei Brüssel ein Anwesen mit einem üppigen Blumengarten, der wiederum als Motiv zahlreicher Gemälde diente. Die Dinge liefen erfolgreich, und mit Künstlerfreunden wie Anna Boch und Ketty Hoppe rief Juliette 1911 eine eigene Galerie ins Leben. Reisen führten sie und ihren Gatten unter anderem nach Österreich und Teneriffa.

Zur Zäsur geriet der Erste Weltkrieg, denn das Ehepaar sah sich mit Kriegsbeginn gezwungen, nach Rotterdam in den Niederlanden zu fliehen. In den Niederlanden wirkte eine lebendige Gemeinschaft belgischer Exilkünstler, welcher sich auch die Wytsmans anschlossen. Eine enge Freundschaft entstand mit dem Avantgardekünstler Rik Wouters, auf dessen frühen Krebstod 1916 Rodolphe die Grabrede hielt.

Nach Kriegsende ging es zurück nach Linkebeek, wo Juliette noch bis 1925 (und Rodolphe bis 1927) weitgehend zurückgezogen lebte. Sie hatte in ihrem Leben Manches erreicht: ihre Gartenbilder gehören zu den prächtigsten Beispielen des Luminismus, außerdem zeichnete sie, illustrierte Bücher, befaßte sich mit Radierungen, band Bücher im Jugendstil. Zahlreiche Schüler hatte sie unterrichtet, darunter selbst Mitglieder des belgischen Königshauses. Ihre Arbeiten sind heute in verschiedenen Museen, u.a. in Brüssel, Gent, Ostende und Antwerpen, zu sehen.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/419-emile-claus-–-vom-akademischen-realismus-zum-führenden-impressionisten-belgiens.html
https://art-depesche.de/malerei/708-der-belgische-luminist-évariste-carpentier.html
http://www.artnet.de/künstler/juliette-wytsman/
https://www.belart.org/artists/

Die belgische Lichtmalerin Juliette Wytsman https://art-depesche.de/images/Kirschblueten.jpg Ruedi Strese