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Samuel Prout „Stadttor in Nürnberg“ (Aquarell, ca. 1823)

Berlin - Zu den größten Aquarellisten aller Zeiten darf der englische Architekturmaler Samuel Prout gezählt werden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schuf er ein wahrlich beeindruckendes Oeuvre, welche höchste Detailgenauigkeit mit einem lichtvollen und weichen Malstil verbindet. Das englische Königshaus wie auch John Ruskin, der berühmteste Kunstkritiker seiner Zeit, brachten ihm große Verehrung entgegen.

Geboren wurde er 1783 in der südwestenglischen Hafenstadt Plymouth als Sohn eines angesehenen Marineausrüsters, viertes von vierzehn Kindern. Er war also Zeitgenosse der frühen Romantiker wie John Constable und William Turner, und dieser Kunstepoche wird auch sein Werk zugeschlagen. Bereits der Direktor seines Gymnasiums in Plymouth erkannte das Talent des Jungen und bestärkte ihn in seinen Neigungen. Gemeinsam mit dem etwas jüngeren Mitschüler Benjamin Robert Haydon, später ein berühmter Porträtist, verbrachte Prout die Sommertage mit dem Zeichnen der idyllischen ländlichen Umgebung. Mit dem Schriftsteller John Britton erkundete er später Cornwall und schuf Zeichnungen zu dessen topographischen Schriften.

1803 zog er nach London, wo er 1810 heiratete; mit seiner Frau sollte er vier Kinder produzieren. In London erweiterte er sein Verständnis der in der romantischen Epoche beliebter gewordenen Landschaftsmalerei, verfaßte Zeichenlehrbücher, unterrichtete selbst und befaßte sich mit der neu entwickelten Technik der Lithographie.

Ab 1818 bereiste er regelmäßig den europäischen Kontinent, und bei seinen Besuchen der historischen Straßen und Plätze fand er endlich seinen eigenen Weg, welcher ihn zum Ruhm führen sollte. In Städten wie Genf, Ulm, Nürnberg, Antwerpen, Mailand, Prag, Venedig, Utrecht, Dresden, München, Regensburg, Frankfurt am Main usw. suchte er architektonisch reizvolle Ecken, zumeist von Gotik bis Renaissance, die er mit äußerstem Feingefühl gezeichnet und geschickt beleuchtet auf das Papier brachte.

Er hatte wohl einigen Einfluß auf die Wahrnehmung der Architektur des Mittelalters durch seine Zeitgenossen. Den überall sichtbaren Zeichen des Verfalls wie Rissen im Mauerwerk und Moosbewuchs schenkte er besondere Aufmerksamkeit, was der romantischen Stimmungslage entsprach. Auch für malerische englische Landschaftsszenen konnte er sich weiterhin erwärmen.

Seine Arbeiten fanden den Gefallen des englischen Königs George IV., der ihn 1829 zum königlichen Aquarellmaler ernannte; bei Königin Victoria (ab 1837) behielt er diese Stellung. Unter seinen Schülern sollte später auch John Ruskin sein, der in seiner Eigenschaft als Kunstgelehrter des Lobes voll war über Prouts Werk.

Er starb 1852 in London an einem Herzinfarkt und wurde auf dem West Norwood Cemetery beigesetzt. Sein Neffe John Skinner Prout ging nach Tasmanien und wurde dort als Autor und Landschaftsmaler bekannt, der Sohn Samuel Gillespie Prout folgte dem Weg des Vaters als Aquarellist. Eine große Menge von Arbeiten des Künstlers befindet sich im Plymouth City Museum & Art Gallery.

 

Verweise:

https://www.tate.org.uk/art/artists/samuel-prout-435
http://www.artnet.de/künstler/samuel-prout/
https://archive.is/20121212102929/http://www.nga.gov/cgi-bin/tsearch?oldartistid=203660&imageset=1
https://en.wikisource.org/wiki/Devonshire_Characters_and_Strange_Events/Samuel_Prout
https://en.wikisource.org/wiki/1911_Encyclopædia_Britannica/Prout,_Samuel
https://artuk.org/discover/artists/prout-samuel-17831852

Samuel Prout - Meister des Architekturaquarells https://art-depesche.de/images/Stadttor_in_Nuernberg.jpg Ruedi Strese