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Jules Dupré „Barken fliehen vor dem Sturm“ (Öl auf Leinwand, ca. 1870-75, Art Institute of Chicago)

Berlin - Größere Ausstellungen französischer Impressionisten werden regelmäßig mit einigen Beispielbildern ihrer Vorläufer aus der realistischen Schule der Freilichtmalerei von Barbizon eingeleitet, und dabei ist dann bisweilen auch ein Gemälde Jules Duprés zu sehen, und dieses ist dann immer eine genauere Betrachtung wert. Dennoch ist Dupré als Künstler für sich ein außerhalb Frankreichs wenig genannter Name. Insofern ein perfekter Kandidat für unsere kleine biographische Reihe!

1811 in Nantes als Sohn eines Porzellanfabrikanten geboren, machte er zunächst Anstalten, das väterliche Werk fortzusetzen, befaßte sich mit der Dekoration von Keramiken, doch war es wohl die frühe Bewunderung für Meister wie Théodore Géricault, Claude Lorrain oder Rembrandt, die ihn dazu brachte, sich selbst als Landschaftsmaler zu versuchen.

1823 fand er in Paris Anstellung bei einem Onkel, welcher auch Künstler wie Louis Cabat und Narcisse Díaz de la Peña beschäftigte. Bald wurde er Mitarbeiter im Atelier des Landschaftsarchitekten Jean-Marie Diébolt und begann mit dem Verkauf der ersten eigenen Bilder. Sein Freund Cabat überzeugte ihn schließlich zur Abkehr von der Keramikgestaltung und zur Aufnahme einer professionellen Malerlaufbahn. Beeinflußt vor allem von alten holländischen Meistern schuf er im Freien Landschaften und Genreszenen.

1831 konnte er erstmals im Pariser Salon ausstellen, gewann wenig später seine erste Medaille, und seither schuf er ein reiches Werk zumeist französischer Landschaften. Etwa 1834 zog es ihn nach England, wo er sich von dem romantischen Genius John Constables schwer beeindruckt zeigte; die nächsten Jahre schuf er auch einige Gemälde mit englischen Landschaftsmotiven aus der Umgebung von Plymouth und Southampton. Die Weite dieser Landschaften ermöglichte ihm genaue Studien der Bewegungen von Wasser und Wolken, und in diesem Bereich sollte er außergewöhnliche Meisterschaft erlangen.

In jenen Jahren freundete er sich mit Théodore Rousseau an, welcher ihn nach Barbizon brachte. Im Zusammenhang mit dieser Malergruppe fällt denn der Name Dupré auch am häufigsten. Wie andere Vertreter dieser Richtung bevorzugte er die paysage intime, den kleinen Landschaftsausschnitt, gegenüber dem weiten Panorama, doch ging es bei ihm dank des lebhaften Spiels von Licht und Schatten und des reliefartig-pastosen Farbauftrags eher dramatisch als lyrisch zu. Oft war im Grunde der Sturm selbst das zentrale Motiv.

In den 1840er Jahren war er, wie viele andere Maler, in der Gegend des zentralfranzösischen Crozant unterwegs, weshalb er auch zu dieser lockeren „Schule“ von Crozant gezählt wird. 1848 wurde er in die Ehrenlegion aufgenommen; Rousseau erhielt diese Auszeichnung hingegen nicht, was zum Zerwürfnis der beiden Männer führte. 1850 ließ er sich in L’Isle-Adam nieder, welches er nur noch für Reisen nach Paris und an die nordfranzösische Küste verlassen sollte.

Dort, genauer gesagt in Cayeux-sur-Mer, erstand er 1865 ein Haus. Unter dem Einfluß Gustave Courbets, der ihn auch porträtierte, entstanden mehrere äußerst dramatische, von tiefer Traurigkeit geprägte Seestücke, welche nach der freilich unbedeutenden Ansicht des Verfassers zum Besten in diesem Metier gezählt werden können. 1867 nahm er mit ganzen 12 Gemälden an der Weltausstellung von Paris teil.

1871 floh er vor den anrückenden deutschen Truppen aus L’Isle-Adam. Nach mehreren eher zurückgezogenen Jahren trat er 1883 noch einmal mit mehreren Landschaften an die Öffentlichkeit. 1889 wurde er noch zum Kommandeur der Ehrenlegion befördert; bald darauf starb er in L'Isle-Adam an einer Lungenembolie. Sein Nachlaß wurde 1890 durch das Auktionshaus Paul Chevalliers verkauft. Sein Bruder Léon Victor Dupré war einer seiner Schüler und war ebenfalls Landschaftsmaler, und die Tochter Thérèse-Marthe-Françoise Dupré vertrat mit sehenswerten naturalistischen bis impressionistischen Szenen das künstlerische Erbe ihres Vaters.

 

Verweise:

https://www.wikiart.org/de/jules-dupre
http://www.artnet.com/artists/jules-dupré/
https://www.tuttartpitturasculturapoesiamusica.com/2015/05/Jules-Dupre.html

Jules Dupré, Landschaftsmaler des frühen Realismus https://art-depesche.de/images/Barken_fliehen_vor_dem_Sturm.jpg Ruedi Strese