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Pierre Mignard „Reiterporträt Ludwigs des XIV. von Frankreich“ (Öl auf Leinwand, 1694, Palast von Versailles)

Berlin - Am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles herrschte ein unbeschreiblicher Glanz. Der König tanzte zu den erhabenen Klängen des Komponisten Jean-Baptiste Lully, von den Wänden betrachtet von seinen eigenen Porträts, gemalt von Charles Le Brun oder Pierre Mignard. Jener, auch bekannt als Pierre Mignard I. oder Mignard der Römer, war, wenn auch sein späterer Stil von manchen als Opfer des Zeitgeschmacks betrachtet wird, doch unbestreitbar eines der großen Talente des französischen barocken Klassizismus (oder klassizistischen Barock).

Geboren wurde er 1612 in Troyes in einer Handwerkerfamilie. Er war der jüngere Bruder Nicolas Mignards, des „Mignard d'Avignon“, welcher der manieristischen Schule von Fontainebleau zugerechnet wird. Er lernte zunächst in Bourges bei dem heute kaum noch bekannten Manieristen Jean Boucher. Nach einer Zeit bei der Schule von Fontainebleau, wo er manieristische Gemälde kopierte, setzte er sein Studium im Atelier Simon Vouets, welcher als Begründer der barocken Klassik Frankreichs gelten kann, fort. Vouet dürfte, neben italienischen Meistern wie Tizian, von besonderem Einfluß auf sein Werk gewesen sein.

1635 ging er nach Rom; dort sollte er etwa 22 Jahre bleiben - der Grund für seinen Beinamen „Der Römer“. In Rom malte er religiöse Auftragsarbeiten, insbesondere Bilder der Madonna mit Kind, welche so beliebt wurden, daß sie unter dem eigenen Namen „Mignardises“ in die Kunstgeschichte eingingen. Er schuf auch Altargemälde, fertigte Druckgraphiken nach Gemälden Annibale Carraccis und wurde von seinem berühmten Landsmann Nicolas Poussin mit Kopien von dessen Werken beauftragt. Er bereiste Norditalien, erwarb sich schnell einen guten Ruf als Porträtmaler von Päpsten, Kardinälen und weltlichem Adel.

1657 wurde er, vermutlich im Auftrag Kardinal Mazarins, nach Paris bestellt. Er reiste dabei über Avignon, wo sein Bruder sich niedergelassen hatte, und freundete sich dort mit dem Dramatiker Molière an, welchen er auch mehrfach porträtieren und der maßgeblich zu seinem Ruhm beitragen sollte.

In Paris angekommen, konnte er auch dort seinen Ruf als erstrangiger Porträtist behaupten, und so wurde auch der Sonnenkönig auf ihn aufmerksam, der für ihn mehrere Male zu Modell saß. Diese Tätigkeit brachte ihm die herzliche Abneigung eines anderen Vouet-Schülers, nämlich Charles Le Bruns, des ersten Porträtisten des Königs, ein.

Dieser Gegensatz ging so weit, daß er sich weigerte, der von Le Brun geleiteten Akademie beizutreten und offen gegen diese Stellung nahm. Sein Bruder Nicolas und dessen Sohn Paul schlugen sich auf die Seite der Akademie, was zu einem Bruch in der Familie führte, welcher erst mit Le Bruns Tod 1690 endete. Pierre Mignard übernahm nun dessen Posten als „Erster Maler des Königs“, Akademiedirektor und Direktor der Gemäldesammlungen. Er starb 1695 in Paris.

Wir kennen einige seiner Fresken sowie zahlreiche religiöse und mythologische Bilder. Seine wahre Meisterschaft hatte er indes als Porträtist bewiesen, doch sind hier wohl vom künstlerischen Gehalt die persönlicheren Porträts, wie er sie etwa von seinem Freund Molière fertigte, den offiziellen, auf Repräsentation ausgelegten Gemälden vorzuziehen. Seine Werke befinden sich unter anderem im Louvre, im Palast von Versailles und in der Eremitage von Sankt Petersburg.

 

Verweise:

http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Mignard,+Pierre
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_paintings_by_Pierre_Mignard
https://www.nga.gov/collection/artist-info.4988.html
http://www.getty.edu/vow/ULANServlet?english=Y&find=Mignard&role=&page=1&nation=
https://www.kettererkunst.de/bio/pierre-mignard-1612.php
http://www.artnet.de/künstler/pierre-mignard/

Pierre Mignard - Porträtist am Hofe des Sonnenkönigs https://art-depesche.de/images/Equestrian_portrait_louis_xiv_1692.jpg Ruedi Strese