static-aside-menu-toggler
gkSearch
Adolf Zimmermann „Die Anbetung der Hirten“ (Öl auf Leinwand, ca. 1840, Friedenskirche zu Essen-Steele)

Berlin - Unter den deutschen Romantikern in Italien entwickelte sich im frühen 19. Jahrhundert eine eigenständige, an alten italienischen Vorbildern orientierte und dezidiert religiöse Strömung, welche von der Kunstgeschichte mit der Bezeichnung „Nazarener“ versehen wurde. Kein Mitbegründer, doch einer der fähigen Künstler, die sich weitgehend in sie einfügten, war der Oberlausitzer Adolf Gottlob Zimmermann.

Geboren wurde er 1799 im in der Nähe von Görlitz gelegenen Lodenau, in jenem Teil der Oberlausitz, welchen Sachsen 1815 an Preußen abtreten mußte. Der Vater war herrschaftlicher Diener des Grafen Adolf Friedrich Abraham von Gersdorf auf Schloß Lodenau. Der Graf wurde Pate des Jungen und finanzierte dessen Ausbildung. Zimmermann zeigte bereits als Schüler künstlerische Neigungen, welche auch Förderung erfuhren, sollte jedoch dem Willen des Vaters nach Handwerker werden. Zumindest eine nette Anekdote ist es, daß er es wohl mit der Unterstützung des Grafen verdankte, daß er doch seiner Bestimmung folgen und 1818 ein Studium an der Kunstakademie in Dresden beginnen durfte.

Seine Lehrer in Dresden waren vor allem der klassizistische Historienmaler Friedrich Hartmann und der aus Görlitz stammende Porträtkünstler Johann Carl Rößler. Mit ihm studierten unter anderem Wilhelm von Kügelgen und Carl Gottlieb Peschel. Ein königliches Stipendium ermöglichte ihm, 1825 gemeinsam mit Peschel nach Italien zu reisen.

Sein Hauptaufenthaltsort war Rom, wo er stark in die deutsche Künstlergemeinschaft eingebunden war. Er stand in gutem Kontakt mit Friedrich Overbeck und Bonaventura Genelli; Julius Schnorr von Carolsfeld und Ludwig Richter wurden seine engen Freunde, mit dem Breslauer August Kopisch und dem Cottbusser Carl Blechen besichtigte er Neapel und bestieg den Vesuv.

Künstlerisch beeinflußte ihn vor allem die Lukasbruderschaft um Franz Pforr, Friedrich Overbeck usw., welche den Kern der Nazarener bildete. Er studierte die Alte Meister der Renaissance und zeichnete Landschaften. Es sind Skizzenbücher jener Jahre erhalten, welche sich im Besitz des Kulturhistorischen Museums Görlitz befinden.

1829(30?) verließ er Rom und ging zurück nach Deutschland, wobei neben finanziellen Sorgen auch religiöse Spannungen eine Rolle gespielt haben dürften. Die Nazarener waren größtenteils katholisch, oftmals Konvertiten, Zimmermann jedoch überzeugter Lutheraner und wollte dies auch bleiben.

Er war zunächst als Zeichenlehrer und Auftragsmaler in Dresden tätig, verließ dieses jedoch 1834 aufgrund der schlechten Auftragslage und ging nach Münster. Auf persönlichen Rat eines Düsseldorfer Künstlers verlagerte er jedoch bald den Schwerpunkt seines Wirkens nach Düsseldorf, wo der Nazarener Wilhelm von Schadow lehrte. Dieser war von Zimmermanns Schaffen angetan und nahm ihn in seine Meisterklasse auf.

Trotz anfänglicher Erfolge wurde die Zeit in Düsseldorf eine schwere Zeit, denn bald geriet er zwischen die Fronten eines wieder zumindest teilweise religiös motivierten Konfliktes zwischen seinem Meister von Schadow, einem katholischen Konvertiten, und einer Gruppe aufstrebender evangelischer Maler. Auch wurde durch den starken Konkurrenzdruck die Auftragslage zusehends schlechter.

Als vorübergehendes Glück erwies sich endlich, daß er 1846 durch Freunde und Förderer mit seiner Familie nach Breslau gelangte; ein dankbareres Pflaster für Zimmermann. Er erhielt nun einige Jahre zahlreiche Aufträge für Porträts und religiöse Bilder. Allerdings verfielen aufgrunder allgemeiner wirtschaftlicher Not die Preise für Gemälde wieder, und die Aufträge wurden spärlicher.

Zu allem Überfluß ließ Zimmermanns Sehkraft nach, und er verstarb 1859, schwerkrank und - wahlweise hoch geachtet oder verarmt und in tiefer Schwermut, hierüber sind sich die Texte uneins. Vielleicht auch beides. In jedem Fall hatte er erstklassige Bilder geschaffen, innerhalb der recht engen Grenzen des Nazarener-Stils, doch kraftvoll und geschmackssicher.

 

Verweise:

https://kulturportal-west-ost.eu/biographien/zimmermann-adolf-2
http://www.artnet.de/künstler/adolf-gottlob-zimmermann/
https://www.lr-online.de/lausitz/weisswasser/kultur-in-goerlitz-maler-adolf-gottlob-zimmermann-wird-ins-rechte-licht-gerueckt-38082916.html

Adolf Zimmermann - Nazarener aus der Oberlausitz https://art-depesche.de/images/Die_Anbetung_der_Hirten.jpg Ruedi Strese