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Domenico Ghirlandaio „Ein alter Mann und sein Enkel“ (ca. 1490, zu sehen im Louvre)

Berlin - Domenico Ghirlandaio (1449-1494) zählt zu den bedeutendsten Malern der florentinischen Renaissance, zu dessen Schülern übrigens auch ein damals 13jähriger Knabe namens Michelangelo zählte. Ghirlandaios Werke zeichnen sich durch ein außergewöhnliches Maß an Lebendigkeit aus, die gemalten Figuren lassen eine starke Betonung der Persönlichkeit erkennen.

Das Tempera-Gemälde „Ein alter Mann und sein Enkel“ (auch bekannt als „Bildnis eines alten Mannes“) entstand um 1490, es mißt etwa 63 x 47 cm. Zu sehen ist ein vielleicht 60jähriger Mann in roter Robe, der einen knapp zehnjährigen, gleichsam in vornehmes Rot gekleideten Knaben umarmt. Sie befinden sich in einem Interieur, hinter ihnen eine dunkle Wand, von der sie sich leuchtend abheben. Das Fenster rechts zeigt eine Landschaft, so stark typisiert, daß es auch fast als Gemälde im Gemälde durchgehen könnte. Dekor, welches nicht von den Figuren ablenken soll.

Stark ist der Kontrast zwischen dem zarten, schönen Antlitz des blondgelockten Jungen und dem von Narben entstellten Gesicht des Alten mit einer verwucherten Nase, so realistisch, daß Ärzte die Hautkrankheit als Rosenakne bestimmen konnten. Doch das Kind schaut voller stiller Bewunderung und Vertrauen, der Eindruck wird noch verstärkt durch die Hand, welche es ihm auf die Brust legt, während der Alte voller Weisheit und Güte lächelt. Ein unglaublich schönes, liebenswertes Gemälde, welches in seiner Zeit überhaupt keinen Vergleich kennt.

Giorgio Vasari (1511-1574), bedeutend vor allem wegen seiner Abhandlungen über Leben und Werk zahlreicher Renaissance-Künstler, besaß eine mit „Kopf eines alten Mannes" betitelte Zeichnung Ghirlandaios, heute zu sehen im Nationalmuseum in Stockholm, welches den gleichen Mann zeigt und diesen entweder schlafend oder, wahrscheinlicher, nach dem Tode, zeigte, was die These untermauern würde, daß es sich bei dem „Bildnis eines Alten“ um ein Gemälde zum Gedächtnis eines Verstorbenen von hoher Herkunft handelt. Geklärt ist dessen Identität allerdings nicht.
1880 tauchte das Bild im Louvre auf, kurz nachdem das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin es wegen seines schlechten Zustands abgelehnt hatte. 1996 wurde es jedoch restauriert und gehört mit Sicherheit zu den Glanzlichtern des „meistbesuchten Museums der Welt“.

Domenico Ghirlandaio und das liebenswerteste Gemälde der Renaissance https://art-depesche.de/images/Domenico_ghirlandaio_ritratto_di_nonno_con_nipote_1024px.jpg Ruedi Strese