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Giuseppe Mentessi „Frieden“ (Öl auf Leinwand, 1907, Museo dell'Ottecento)

Berlin - Zutiefst melancholisch sind die Werke dieses bemerkenswerten Künstlers aus Oberitalien, welcher aufgrund seiner teils mystisch-religiösen Inhalte und seines Umfelds der symbolistischen Bewegung zugerechnet wird, dessen Technik sich zwischen akademischer Genauigkeit und lockerer, eher impressionistischer Malweise bewegte. Deutschsprachige Literatur zu seinem Leben ist kaum zu finden; insofern freuen wir uns besonders, unseren Lesern hier vielleicht einen noch unbekannten Künstler vorstellen zu können.

Er wurde 1857 in Ferrara in eine einfache Bauernfamilie geboren. Der Vater starb sehr früh, was zu einer besonders engen Bindung an die Mutter führte; Mentessi sollte sein Leben lang bei ihr in Ferrara und später in Mailand wohnen. Es gelang seiner Mutter, ihn für Zeichenkurse auf die Kunstschule in Ferrara zu senden, wo Gaetano Previati, später selbst ein bedeutender Symbolist, sein Mitschüler war.

Anschließend studierte er Dekoration und Bühnengestaltung an der Accademia di Belle Arti in Parma und schließlich von 1877 bis 1881 an der berühmten Accademia di Brera in Mailand. Previati (andernorts ist zu lesen, daß sich die beiden erst hier in Mailand anfreundeten) führte ihn in die Künstlergruppe La Scapigliatura ein, welche seit etwa 1860 bestand und sich eine teilweise anarchistisch geprägte Revolution in der italienischen Kunst auf die Fahne geschrieben hatte.

1880 wurde Mentessi an der Architekturschule ausgezeichnet und zum Assistenten des Architekten Luca Beltrami an der Brera. Ab diesem Jahr lehrte er dort selbst Architekturzeichnung und Geometrie, ab 1882 nahm er jeweils an den Jahresausstellungen der Akademie teil, und 1887 wurde er zum Professor der Landschaftsmalerei berufen.

Akademischer Realismus, Impressionismus und das Ornament des Jugendstils verbanden sich in seinem Werk, welches ihm große Anerkennung bei seinen Kollegen einbrachte, obgleich er nicht nur schwermütige Landschaften schuf, sondern sich auch vor drastischen Darstellungen von Elend und Hunger der armen Leute nicht scheute. 1895 wurde er erstmals zur Biennale in Venedig eingeladen, und bis 1914 beteiligte er sich fast jedes Jahr an dieser.

Ab der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tat er sich zudem als Illustrator hervor, veredelte unter anderem Bücher Luca Beltramis und Ettore Jannis, gestalte Wände und Mauern von Villen, Kirchen und Friedhöfen, zudem schuf er religiöse Gemälde für die Basilika San Giorgio fuori le mura in Ferrara.

Künstlerisch überaus erfolgreich und hoch angesehen, blieb sein Privatleben von Einsamkeit und Traurigkeit geprägt. Er starb 1931 in Mailand, bestattet wurde er auf dem Cimitero della Certosa in Ferrara, neben seiner Mutter. Das Grab wurde von Luca Beltrami gestaltet. Seine Bilder befinden sich in verschiedenen Museen und Galerien unter anderem in Mailand, Venedig, Rom und Ferrara.

 

Verweise:

https://www.tuttartpitturasculturapoesiamusica.com/2019/05/Giuseppe-Mentessi.html
http://www.artnet.com/artists/giuseppe-mentessi/
https://de.findagrave.com/memorial/11092289/giuseppe-mentessi

Der italienische Symbolist Giuseppe Mentessi https://art-depesche.de/images/Frieden.jpg Ruedi Strese