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Michiel van Mierevelt „George Villiers, 1. Herzog von Buckingham“ (Öl auf Holz, 1625/26, Art Gallery of South Australia)

Berlin - In der Übergangsphase zwischen Manierismus und Barock war Michiel van Mierevelt wohl der bedeutendste niederländische Porträtkünstler. Er entwickelte einen eigenen Stil, der die Persönlichkeit des Porträtierten stärker beachtete und somit vorwegnahn, wofür später Rembrandt, Rubens oder Frans Hals berühmt wurden.

Geboren wurde Michiel Janszoon van Mierevelt 1566/67 in Delft als Sohn eines Goldschmiedes. Er ging zunächst bei dem Kupferstecher und Zeichner Hieronymus Wierix in die Lehre. Später sah der Maler Anthonie Blocklandt van Montfoort zwei seiner Stiche, zeigte sich beeindruckt und lud ihn in seine Schule nach Utrecht ein. Mierevelt blieb bis zum Tod Montfoorts 1583 in Utrecht, dann wandte er sich zurück nach Delft, wo er den Rest des Lebens verbrachte.

Er trat 1587 der Delfter Malergilde bei, welcher er später auch vorstehen sollte. Zunächst malte er vor allem Stilleben, doch erfolgreich wurde er schließlich als Porträtist angesehener Persönlichkeiten der Stadt und bald auch des Hochadels. So malte er ab 1607 mehrfach Moritz von Oranien, von dem es heißt, er habe beim Porträtieren partout nicht stillsitzen wollen, und als 1625, nach dessen Tod, der jüngere Bruder Friedrich Heinrich von Oranien zum Statthalter der Vereinigten Niederlande wurde, ernannte dieser ihn sogleich zum Hofmaler.

Er hatte eine elegante eigene Malweise entwickelt, sichtlich vom Manierismus und dessen Willen zum Stil geprägt, doch bereits weit natürlicher und persönlicher. Das Licht ist weich, die Zeichnung genau, die Farbwahl harmonisch; der Darstellung der Kleidung, der Textur der Stoffe, wird große Aufmerksamkeit zuteil. Meist sehen wir die Dargestellten in Brustbildern, uns halb zugewandt vor kahlem Hintergrund.

Für solche Bilder stand der Adel Schlange. Der schwedische König soll ihm Goldketten geschenkt haben, der österreichische Erzherzog und Herrscher der habsburgischen Niederlande Albert VII., welcher in Delft residierte, zahlte ihm eine Pension. Anscheinend nahmen es ihm die Herrscher nicht übel, daß er in den dynastischen Streitigkeiten um die Niederlande keine Seite wählte und hier wie dort porträtierte. Der englische König Charles I. versuchte gar vergebens, ihn an seinen Hof zu locken.

Mierevelt heiratete zweimal, 1589 und 1633. Der jüngste Sohn starb irrsinning, seine Tochter heiratete den Maler und Graveur Willem Jacobszoon Delff. Neben den Stilleben und Porträts malte er auch einige biblische und mythologische Szenen; zahlreiche seiner Bilder wurden von den führenden niederländischen Kupferstechern reproduziert.

Er hatte zahlreiche Schüler und Gehilfen, darunter sein Schwiegersohn Willem Delff, Paulus Moreelse, Daniel Mijtens und Hendrick Cornelisz. van Vliet. Von den über 2.000 ihm zugeschriebenen Porträts dürften etwa 500 sein alleiniges Werk sein, der Rest dürften zumindest teilweise Arbeiten aus der Werkstatt bzw. von seinen Schülern (vor allem Willem Delffs) sein. Er selbst wurde übrigens von Anthonis van Dyck porträtiert. Gemälde Mierevelts befinden sich heute unter anderem in Museen in Amsterdam, Den Haag, Berlin, Dresden, München, Paris, Schwerin und Darmstadt.

 

Verweise:

https://www.britannica.com/biography/Michiel-Janszoon-van-Mierevelt
https://www.nationalgallery.org.uk/artists/michiel-van-miereveld
https://www.rijksmuseum.nl/en/rijksstudio/artists/michiel-jansz-van-mierevelt
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/437086

Der Delfter Porträtmaler Michiel van Mierevelt https://art-depesche.de/images/George_Villiers_1_Herzog_von_Buckingham.jpg Ruedi Strese