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Guillaume Vogels „De vijver in de winter“ (Öl auf Leinwand, 1885, Stedelijke Musea Sint-Niklaas)

Berlin - Mit den Zurordnungen zu bestimmten Kunstepochen ist es stets ein zweischneidiges Schwert: natürlich gibt es Stilrichtungen, Tendenzen, zeittypische Geschmäcker. Andererseits treten sie selten in Reinform auf, und die größten Vertreter einer Strömung haben diese entweder selbst mit begründet, oder weisen darüber hinaus, oder beides.

Wenn wir etwa von „Naturalismus“ oder „Impressionismus“ sprechen, dann ist das eine Behauptung, und zudem eine Verkürzung, die umso gröber wird, je mehr Eigenständigkeit und Qualität das Werk des Malers aufweist. Wir bitten unsere Leser also, diese arg frequentierten Begriffe als Krücken zu verstehen, nur damit dies auch einmal gesagt ist, bevor wir heute unsere biographische Reihe mit dem wunderbaren Belgier Guillaume Vogels fortsetzen, welcher zu den größten Impressionisten (da haben wir's!) seines Landes gezählt wird, nicht zuletzt sicher, weil er weit mehr war als das (was zu beweisen war).

Geboren wurde der Arbeitersohn in Brüssel, 1836. Er war also rund vier Jahre jünger als Manet und vier Jahre älter als Monet. Zunächst ließ er sich zum Dekorationsmaler ausbilden; 1855 erhielt er seinen Meistertitel. Zu lesen ist, daß er in jenen Jahren auch Zeichenkurse an der Brüsseler Akademie der Bildenden Künste besuchte und früh zu malen begann; wir berichten dies unter Vorbehalt.

Jedenfalls eröffnete er in Brüssel einen eigenen Malerbetrieb, wo er unter anderem den griechischen Maler Périclès Pantazis anstellte, welcher zuvor in Paris die Malerei Courbets und Manets kennengelernt hatte und Vogels in der Technik der Spachtelmalerei unterwies. Dadurch inspiriert soll er selbst begonnen haben, Landschaften und Stilleben zu malen. Reisen führten ihn unter anderem nach München und Köln, und in den späten 1860er Jahren war er in belgischen Künstlerkreisen gut vernetzt.

1870 wurde sein Drang nach der Quelle der Malerei seiner Zeit so groß, daß er selbst nach Paris ging. Die Freilichtmalerei der Schule von Barbizon war zunächst sein wichtigster Bezugspunkt. Es gab Ausstellungsbeteiligungen 1874 in Gent und 1876 in Brüssel, wobei die recht rohen Arbeiten von der Kritik zunächst nicht sonderlich gut aufgenommen wurden. Es folgte 1878 eine Ausstellung mit der Künstlervereinigung La Chrysalide, doch erst die Beteiligung am Pariser Salon von 1880 mit dem „Kanal in Holland“ brachte ihm wirklich Anerkennung ein.

Derweil intensivierte er seine Kooperation mit den führenden belgischen Künstlern seiner Zeit, und so war es nur naheliegend, daß, als 1884 der Schriftsteller Octave Maus die avantgardistische Künstlervereinigung Les XX ins Leben rief, auch Vogels mit von der Partie war. Er schuf kleine, sehr wilde, melancholisch-trübe Landschaften, vom französischen Impressionismus berührt und doch sehr eigen, und mit diesen wurde er einer der prägenden Maler Belgiens. In späten Jahren spielten Rückbezüge auf die altmeisterliche Landschaftsmalerei Flanderns eine zunehmende Rolle.

Er freundete sich mit dem jungen James Ensor an, mit dem er gemeinsam nach Harlem, Amsterdam und möglicherweise England reiste und dessen frühe Gemälde stark von Vogels geprägt wurden, und auch weitere prominente Künstler wie Willy Finch und Theo van Rysselberghe ließen sich von ihm anregen. Nachdem sich Les XX 1893 auflösten, rief Octave Maus die Nachfolgeorganisation La Libre Esthétique ins Leben, wieder unter Beteiligung Vogels'.

Als Vogels 1896 in Ixelles starb, wo er auch beigesetzt wurde, war er einer der ersten Maler seines Landes, der einer ganzen Generation jüngerer Künstler seinen Stempel verliehen hatte, der gleichzeitig tief in der traditionellen Malerei wurzelte und gleichzeitig in seiner freien Technik vielfach als Vorläufer des Expressionismus gewertet wird.

 

Verweise:

http://www.artnet.com/artists/guillaume-vogels/past-auction-results
https://www.christies.com/en/lot/lot-5411838
https://eclecticlight.co/2015/05/12/beyond-the-french-impressionists-5-belgium-guillaume-vogels/

Guillaume Vogels: ungestüme belgische Pleinairmalerei https://art-depesche.de/images/De_vijver_in_de_winter.jpg Ruedi Strese