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Franciabigio „Porträt eines jungen Mannes am Schreibpult“ (Öl auf Holz, 1522, Gemäldegalerie Berlin)

Berlin - Demnächst werden wohl auch die Berliner Museen wieder öffnen, und es lohnt sich, sich bisweilen vor Augen zu führen, welche Schätze die hiesigen Dauerausstellungen zeigen, und wer ihre Schöpfer waren. So zeigt die Gemäldegalerie in ihrer Abteilung zu Hochrenaissance und Manierismus Italiens ein außerordentlich elegantes, weich gezeichnetes „Porträt eines jungen Mannes am Schreibpult“ des Floretiners Franciabigio - wir nehmen dies als willkommenen Vorwand für eine weitere Folge unserer kleinen biographischen Reihe.

Wenn wir diesbezüglich dem Maler und Chronisten Giorgio Vasari trauen dürfen, war Franciabigio, der eigentlich Francesco di Cristofano Bigi hieß, 42 Jahre alt, als er 1525 in Florenz starb. Er muß also 1482/83 geboren worden sein; auch dies war in Florenz geschehen. Er war der Sohn eines Webers, bei welchem er bis etwa 1504 lernte, begann anschließend und somit recht spät seine Ausbildung zum Maler bei dem knapp 10 Jahre älteren Mariotto Albertinelli.

Er freundete sich mit Andrea del Sarto an und hatte mit diesem ab etwa 1506 eine gemeinsame Werkstatt. Sie schufen zusammen Fresken (unter anderem im Chiostro della Scalzo und im Poggio a Caiano), wobei der Anteil des jüngeren Sarto allgemein als wertvoller eingestuft wird. Sarto beeinflußte Franciabigio und war auch bald der erfolgreichere Maler, was Hauptgrund des späteren Zerwürfnisses gewesen sein soll.

Franciabigio schent ein recht impulsiver Mann gewesen zu sein; nach einer Anekdote zerschlug er selbst mehrere Köpfe seiner Wandmalerei „Vermählung der heiligen Jungfrau“ in der Santissima Annunziata zu Florenz mit dem Hammer, erbost, da die Mönche das Werk zu früh aufgedeckt hatten. Es heißt, ansonsten wäre dies wohl sein Meisterwerk in diesem Metier gewesen.

Auch nach der Trennung von Sarto schuf er noch zahlreiche Fresken in Sakralbauten und privaten Palästen, doch angesehener ist sein Schaffen als Porträtkünstler. Auch hier ist die Nähe zu Sarto mit dessen außerordentlich weicher Zeichnung und lyrischer Eleganz unverkennbar; daneben werden ihm Einflüsse Fra Bartolomeos, der Florentiner Werke Raffaels oder der späten Arbeiten Leonardos nachgesagt.

Bisweilen wurde aus jenem Grund abwertend von Eklektizismus und mangelnder Eigenständigkeit gesprochen, doch wer sich eine Reihe der Porträts unseres Künstlers ansieht, wird feststellen, daß diese durchaus aus einem Guß sind, zart, beseelt, harmonisch und gefühlvoll, gelungen in Farbgebung und Proportion.

Im Vergleich zum stärker in den Manierismus ragenden Sarto wagte er wohl weniger, bediente sich lieber des Bewährten, als Neues zu probieren, doch wenn wir davon absehen, das Aufeinanderfolgen von Epochen unbedingt als qualitative Steigerung mißzuverstehen und uns an das Werk selbst halten, gibt es daran wohl kaum etwas auszusetzen.

Eingangs erwähnten wir das wunderbare Bildnis in der Berliner Gemäldegalerie, welches uns hier auch als Titelbild dient; weitere Arbeiten befinden sich in den Florentiner Uffizien und im Palazzo Pitti, in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, im Louvre, im Kunsthistorischen Museum Wien, in der Eremitage in Sankt Petersburg wie auch der Londoner Nationalgalerie.

 

Verweise:

https://www.metmuseum.org/art/collection/search/437608
https://www.britannica.com/biography/Franciabigio
http://www.artnet.de/künstler/franciabigio/

Franciabigio - Porträtist der Florentiner Hochrenaissance https://art-depesche.de/images/Franciabigio.jpg Ruedi Strese