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Wassili Polenow „Moskauer Hof“ (Öl auf Leinwand, 1878, Tretjakow-Galerie Moskau)

Berlin - Die russische Freilichtmalerei war einerseits von französischen Eindrücken geprägt, andererseits ließ sie von Anbeginn einen eigenen, spezifisch russischen Charakter erkennen. Einer ihrer Pioniere war Wassili Polenow, der sich nicht nur selbst als Maler, vor allem von Landschaften, hervortat, sondern auch zahlreiche bedeutende Schüler inspirierte, seinem Weg zu folgen.

Geboren wurde Wassili Dmitrijewitsch Polenow (interntionale Transkription: Vasilij Dmitrievič Polenov) 1844 in Sankt Petersburg als eines vieler Kinder einer außerordentlich gebildeten und kunstsinnigen Adelsfamilie. Der Vater, Dmitri Polenow, war Offizier, Historiker und Archäologe und zeitweise als Diplomat in Athen. Die Mutter, Maria Alexeewna, war Autorin und Freizeitmalerin. Nach Polenows eigenen Worten soll sie ihm die Liebe zur Kunst vermittelt haben, doch waren beide Eltern und auch die Großeltern der Welt der Musen zugetan; der Junge wuchs also in einem fruchtbaren Umfeld auf.

Er begann früh zu malen, stets unterstützt von seinen Eltern, und 1860 reiste er gemeinsam mit seinem Vater durch Rußland und skizzierte historische Artefakte. 1863 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften und besuchte zudem Kurse an der Russischen Kunstakademie, wo er 1866 als regulärer Student angenommen wurde. Er lernte unter anderem bei Pawel Petrowitsch Tschistjakow. Seine Arbeit fand schnell Anerkennung, für zwei seiner frühen religiösen Bilder erhielt er Goldmedaillen. Er beendete beide Studiengänge 1871/72, dann ging es ins Ausland.

Der Weg führte ihn über Deutschland und die Schweiz nach Venedig und schließlich nach Rom. In Italien entdeckte er seine Liebe zu Paolo Veronese, einem Meister der venezianischen Spätrenaissance, und zu einer jungen Frau namens Maroussia Obolenskaja, welche bald an Masern starb; diese traurige Liebesgeschichte sollte ihn sehr prägen. Als hilfreich erwies sich hingegen der Kontakt zu dem Industriellen und Mäzen Sawwa Mamontow.

Künstlerisch wurde die folgende Zeit in Frankreich bedeutsamer. Er eröffnete 1873 ein Atelier in Paris und war in russischen Künstlerkreisen unterwegs. Vor allem schloß er Freundschaft mit Ilja Repin und besuchte mit ihm 1874 die Normandie, wo die beiden sich, angeregt durch die Schule von Barbizon, der Freilichtmalerei hingaben. Es war eine Zeit des großen Probierens, nicht nur in der Technik, sondern auch in der Motivwahl. Die Landschaftsmalerei und Genreszenen sollten in Zukunft den Schwerpunkt seines den Bogen von akademischer Historienmalerei und Romantik über den Realismus bis zum frühen Impressionismus spannenden Werkes bilden.

1876 kehrte er zunächst nach Rußland zurück, doch 1877/78 mußte er im russisch-türkischen Krieg als Kriegsmaler bzw. Hofmaler am Hauptquartier des Zaren Alexander III. dienen; anschließend ließ er sich in Moskau nieder, wo er die Poesie der russischen Landschaft malerisch erkundete. Außerdem erhielt er immer wieder Aufträge als Maler von Theaterdekorationen. Eine Reise nach Istanbul, in die Levante und nach Ägypten Anfang der 1880er Jahre führte zu einigen Werken, welche mit der Strömung des Orientalismus in Verbindung gebracht werden.

Über seine Zugehörigkeit zur Malergruppe der Peredwischniki („Wanderer“), welche sich bereits in den frühen 1870er Jahren als Gegenbewegung zum strengen Akademismus gegründet hatte, gibt es sehr unterschiedliche Angaben. Während seiner Studienzeit in Sankt Petersburg scheint er sich von ihnen weitgehend ferngehalten zu haben, in Frankreich war er mit mehreren ihrer Mitglieder, vor allem Repin, in gutem Kontakt, doch erst in den 1880er Jahren scheint er sich formal angeschlossen und auch an den Wanderausstellungen beteiligt zu haben.

In jene Zeit fällt als späte Frucht der Begegnung mit Sawwa Mamontow in Italien auch sein Engagement in der von den beiden gemeinsam aufgebauten Künstlerkolonie Abramtzewo, welche sich auf dem Grund Mamontows befand und bisweilen auch als „russisches Barbizon“ bezeichnet wird.

Von 1882 bis 1895 lehrte er an der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur, wo er jüngeren Künstlern seine Auffassung von Landschaftsmalerei näherbrachte; unter seinen Studenten waren selbst so herausragende Figuren wie Isaak Lewitan, Konstantin Korowin, Alexander Golowin und Abram Archipow; alle vier werden dem russischen Impressionismus zugerechnet.

1889 führte ihn eine Reise mit seinem Schüler und Freund Korowin an den Fluß Oka, südlich von Moskau. Er verliebte sich in die Landschaft und schuf hier eine Residenz; finanzieren konnte er den Erwerb des Grundstücks vor allem dank des früheren Verkaufs eines seiner religiösen Gemälde an Alexander III. Das Haus wurde 1892 fertiggestellt und war selbst ein Kunstwerk, welches von der neuen Strömung des Art Nouveau geprägt war.

Hervorzuheben ist Polenows Einsatz für das Volk der Region; so bemühte er sich um eine Verbesserung der Bedingungen an den Schulen und ließ eine selbstentworfene Kirche errichten. Für Kinder der Umgebung gab er kostenlose Theatervorführungen. Nach der Revolution 1918 wurde das Haus zum Museum, und 1927, nach dem Tod des Künstlers, erhielt es den Namen Polenowo, unter welchem es bis heute besteht. Leiterin des Museums ist seit 2011 Polenows Urenkelin Natalja Polenowa.

 

Verweise:

https://www.freeart.com/gallery/p/polenov/polenov.html
https://www.tretyakovgallery.ru/en/exhibitions/vasiliy-polenov/
http://www.russianartgallery.org/famous/polenov.htm

 

Wassili Polenow - unter dem Himmel Moskaus https://art-depesche.de/images/Moskauer_Hof.jpg Ruedi Strese