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Washington Allston „Elias in der Wüste“ (Öl auf Leinwand, 1818)

Berlin - Die USA sind ein welthistorisch junger Ableger Europas, und die Europäer, welche dieses Land kolonisierten, waren vielfach rauhe oder doch zumindest vornehmlich auf das Praktische ausgerichtete Gesellen. Die Musen hatten zunächst nicht allzuviel zu tun, und als einige der Kolonisten schließlich doch begannen, den Pinsel in die Hand zu nehmen, war das Porträt das vorrangig gewählte Metier. Erst das frühe 19. Jahrhundert sah die Entstehung einer echten amerikanischen Landschaftsmalerei, und der erste Mann, der hierin Bedeutendes schuf, war Washington Allston, dessen Vita wir uns heute anschauen möchten.

Zu seinem Lebensweg finden sich widersprüchliche Angaben, wir rekonstruieren also die uns wahrscheinlichste Version. Geboren wurde er 1779 auf einer Plantage am Waccamaw River in South Carolina, als Sohn des Captain William Allston, welcher 1881 im Unabhängigkeitskrieg fiel, und seiner zweiten Frau Rachel Moore. Diese heiratete später den Sohn eines reichen Kaufmanns. Der Junge erhielt wohl frühen Kunstunterricht, auch tat er sich bereits zu Schulzeiten als Verfasser romantischer Gedichte hervor.

Von 1796-1800 studierte er an der Universität Harvard in Cambridge, Massachusetts. Er soll seine jüngeren Kommilitonen hier mit Akten und Karikaturen geschockt haben. Nach einer kurzen Zeit als freischaffender Künstler ging er nach London, an dessen Royal Academy sein Landsmann Benjamin West, der berühmteste amerikanische Maler seiner Zeit, lehrte. Als Schüler Wests konnte er bereits 1802 mit Erfolg an einer Ausstellung der Akademie teilnehmen.

Die nächsten Jahre bereiste er das revolutionsgeplagte Paris, dann die Schweiz und schließlich Italien. In Rom ließ er sich von den Nazarenern und Alten Meistern wie Tizian inspirieren und war vor allem in englischen Künstlerkreisen unterwegs. Besonderen Eindruck machte auf ihn die Bekanntschaft mit dem Dichter und Philosophen Samuel Coleridge, der damals in England wesentlich zum Ausbruch der romantischen Bewegung beitrug und ein Freund für das Leben wurde.

1808 ließ sich Allston in Boston nieder und heiratete Ann Channing, eine Schwester des Geistlichen und Schriftstellers William Ellery Channing. In jener Zeit nahm er den außerordentlich begabten Samuel F. B. Morse, welcher uns indes heute vor allem als Erfinder des Morsecodes geläufig ist, als Schüler an.

Mit seiner Frau und Morse ging Allston bald wieder nach London, wo er durch Coleridge die Dichter William Wordsworth und Robert Southey kennenlernte; von diesen schuf er Porträts. Seine atmosphärischen und dramatischen, auf das Übernatürliche verweisenden Gemälde waren oft unmittelbar durch romantische Dichtkunst inspiriert und stießen auf das Wohlwollen des Publikums.

1815 starb seine Frau. Von diesem Schicksalsschlag erholte er sich nur langsam; eine lange Zeit Jahre malte er kaum noch etwas. 1817 wurde er als assoziiertes Mitglied der Royal Academy aufgenommen, dennoch ging er 1818 wieder in die USA. Er ließ sich in Cambridgeport, Massachusetts, nieder, wo er allmählich seine Schöpferkraft wiederfand.

1826 wurde er zum Fellow der American Academy of Arts and Sciences ernannt, wo er unter anderem seine Neffen George Whiting Flagg und Jared Bradley Flagg unterrichtete; im Folgejahr hatte er im Boston Athenaeum seine erste Einzelausstellung in den USA. 1830 ging er eine neue Ehe ein; seine Frau war Martha Remington Dana, Cousine seiner ersten Frau und Schwester des Schriftstellers Richard Henry Dana. 1839 fand in Boston eine große Einzelausstellung statt, zudem veröffentlichte er einige Schriften, ansonsten verbrachte er die Jahre bis zu seinem Tod in Cambridge 1843 bei schwacher Gesundheit, zurückgezogen und kaum noch schöpferisch tätig.

Washington Allston war der eigentliche Vorkämpfer der nordamerikanischen Landschaftsmalerei, blieb jedoch als solcher noch recht isoliert. Ab etwa 1830 kam schließlich, ein Echo der europäischen Romantik, die Hudson River School auf, begründet von Thomas Cole und Asher Brown Durand. Sie erreichte erst um 1850 mit erstklassigen Malern wie Albert Bierstadt, Frederic Edwin Church oder John Frederick Kensett ihre höchste Blüte; Allston sah diese also nicht mehr.

 

Verweise:

http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Allston,+Washington
https://artsandculture.google.com/entity/m01z_ft?categoryid=artist
http://americanartgallery.org/artist/readmore/id/108
https://americanart.si.edu/artist/washington-allston-5740
https://www.britannica.com/biography/Washington-Allston

Washington Allston - Pionier der amerikanischen Landschaftsmalerei https://art-depesche.de/images/Elias_in_der_Wueste.jpg Ruedi Strese