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„WIR. Nähe und Distanz - Jubiläumsausstellung mit Werken aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ (Ausstellungsansicht)

Berlin - Die Kunstsammlung der Berliner Volksbank kann auf beachtliche Bestände deutscher Nachkriegsmalerei verweisen und existiert, ebenso wie das dazugehörige Kunstforum, seit nunmehr 35 Jahren. Dieses Jubiläum wurde zum Anlaß für eine Ausstellung genommen, welche unter dem Titel „WIR. Nähe und Distanz“ noch bis zum 27. Juni 2021 eine Auswahl aus der Sammlung bietet. Wir waren für unsere Leser vor Ort.

Der Titel blickt offensichtlich auf das Zeitgeschehen, doch sollen dieses und seine Deutung nicht unser Thema sein; stattdessen richten wir gleich das Augenmerk auf die für uns interessantere Frage, nämlich die ausgestellten Werke.

Begrüßt werden wir gleich im Eingangsbereich von einem Künstler, den der Verfasser zu den besten deutschen Malern der Gegenwart zählt und dessen Arbeiten im Kunstforum regelmäßig zu sehen sind, nämlich Roland Nicolaus. Gezeigt wird eine Ansicht des früheren Standorts der Einrichtung am Budapester Platz (vor dem Zoologischen Garten) von 2017; es handelt sich um erfrischende Freilichtmalerei. Ein Bild ohne großen Anspruch, doch von großem Können.

Anschließend schleichen wir uns an der Kasse vorbei, bezahlen dabei heimlich und schauen sogleich auf zwei Kohlezeichnungen Werner Heldts (1904-1954), einer Legende der Berliner Malerei, oft als „Maurice Utrillo Berlins“ bezeichnet, was nicht ganz falsch, doch sicher verkürzend ist. Wie es solche Vergleiche eben an sich haben. Bei diesen Bildern trifft es dann auch vom Genre nicht, da wir es nicht mit Veduten, sondern mit Personengruppen (allerdings vor Häusern) zu tun haben. Nun denn - sie gehören zu den Glanzlichtern der Ausstellung.

Ansonsten ist im vorderen Bereich vor allem ein Selbstporträt Wolfgang Mattheuers zu erwähnen, womit eine weitere Größe im Programm ist, wobei dem Bild jedoch die für Mattheuer sonst typische Klarheit etwas abgeht. Ebenfalls zu sehen sind Arbeiten von Klaus Fußmann, Ruth Tesmar, Christa Dichgans, Gerhard Altenbourg und der Berliner Gegenwartskünstlerin Silke Miche.

Einige Stufen geht es hinab, dann befinden wir uns im zweiten Teil. Ein kleines Gemälde Mattheuers erinnert uns in seiner fremdartigen Stimmung an de Chirico. „Pariser Platz II“ heißt ein düsteres Bild Wolfgang Peukers, eines weiteren bedeutenden Vertreters der ostdeutschen Malerei. Auch die Arbeiten Wolfgang Lebers und Marald Metzkes' sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert.

Spannend sind zwei düster-minimalistische Ölbilder des Berliners Karl-Ludwig Lange, ansonsten sind gegenständliche Bilder Gerhard Altenbourgs, Markus Lüpertz', Thomas Hornemanns oder Hermann Alberts zu sehen, der Niederländer Armando ist hingegen dem Informel zuzurechnen. Eine Bronzeskulptur Erich Fritz Reuters verdient ebenfalls Beachtung.

Der kleine Nebenraum zeigt drei graphische Arbeiten, darunter zwei Holzstiche Altenbourgs und eine Lithographie Angela Hampels, außerdem zwei kleinere Skulpturen von Rolf Biebl und Sylvia Hagen. Die Höhepunkte bleiben für uns indes die Werke von Lange, Heldt, Nicolaus, Peuker und Mattheuer.

Abschließend ist zu bemerken, daß die Auswahl, angesichts der Tatsache, über welch unfassende und gediegene Sammlung die Berliner Volksbank verfügt, doch etwas enttäuschend ausfällt - aber dies mag unter Geschmackssache fallen. Angesichts dessen, daß das Angebot an Ausstellungen in Berlin derzeit arg begrenzt ist, lohnt es sich dennoch. Es bilde sich also jeder sein eigenes Urteil.

Der Besuch ist allerdings lediglich nach telefonischer Voranmeldung möglich (von Montag bis Freitagzwischen 9 und 18 Uhr unter 030-30631744). Das Kunstforum der Berliner Volksbank hat von Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr geöffnet; der Eintritt kostet 4,-, ermäßigt 3,- Euro. Es befindet sich am Kaiserdamm 105 in 14057 Berlin.

 

Verweise:

https://kunstforum.berlin/aktuelle-ausstellung/
https://www.silkemiche.com/
https://www.das-alte-europa.info/
http://www.karl-ludwig-lange.de/

Jubiläumsausstellung im Kunstforum der Berliner Volksbank https://art-depesche.de/images/WIR_Naehe_und_Distanz.jpg Ruedi Strese