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Cornelis Engelbrechtsen „Beweinung Christi“ (Öl auf Eichenholz, frühes 16. Jahrhundert, Alte Pinakothek München)

Berlin - Leiden war eines der bedeutendsten Zentren der altniederländischen Malerei; herausragende Künstler wie Lucas van Leyden, Rembrandt, Gerard Dou, Jan van Goyen oder Gabriel Metsu waren Söhne dieser Stadt. Der erste Leidener Maler von Rang war allerdings Cornelis Engelbrechtsen (auch Engelbrechtsz.), der um 1500 mit einem etwas sonderbaren Werk zwischen Spätgotik, Renaissance und Manierismus eigene Wege ging.

Zwischen 1460 und 1468 wurde er in Leiden geboren, über seine frühen Jahre wissen wir im Grunde nichts. Über seine Ausbildung wird lediglich spekuliert, sie habe in einem Kloster stattgefunden, oder in Brüssel oder Antwerpen. Urkundlich in Erscheinung tritt er 1482, als er ein Bild an ein Priorat bei Leiden verkaufte.

1487 heiratete er eine Elysbeth Pietersdr.; die beiden hatten zusammen mehrere Kinder, darunter zwei Söhne, Cornelis (genannt Kunst) und Luke (genannt Kok), welche in die Fußstapfen des Vaters treten sollten. Neben seinen Söhnen, über deren Werk wir nicht viel wissen, hatte er in seiner erfolgreichen Werkstatt weitere Schüler, darunter Aert Claesz van Leyden und, als bedeutendsten, Lucas van Leyden.

Ab 1497 soll er bis zu seinem Tod kontinuierlich in Leiden gelebt haben. Überliefert ist seine Verpflichtung als Bogenschütze der städtischen Verteidigung. Er starb zwischen 1527 und 1533 in Leiden als einigermaßen wohlhabender Mann.

Wenige Bilder sind erhalten, viele sind den protestantischen Bilderstürmern zum Opfer gefallen. In denen, welche als halbwegs sicher zugeschrieben gelten, ist ein eklektizistischer, gleichwohl eigener Stil erkennbar. Die gotische Starrheit der Figuren wird aufgebrochen, gleichzeitig wirken die Gesichter immer noch einheitlich schablonenhaft, weit entfernt von der psychologischen Durchleuchtung, wie sie später etwa ein Rembrandt beherrschte, erscheinen in seltsamem Gegensatz zu den Ansätzen renaissanceartiger Pracht mancher Gewänder.

Die Motive sind stets religiöser Natur, Bezüge zu Stichen Dürers sind vorhanden, auch Jan van Eyck dürfte ein Einfluß gewesen sein. Der Bildaufbau wirkt oft recht überladen und unklar, kritisiert wurden zudem Unsicherheit der Zeichnung, harte Konturen und steife Körperhaltungen. Dennoch kann man den Gemälden auch abseits ihrer Pionierrolle einen eigentümlichen Reiz nicht absprechen.

Seine „Beweinung Christi“ sowie „Kaiser Konstantin und die heilige Helena“ sind in der Alten Pinakothek in München zu sehen, die Londoner Nationalgalerie besitzt eine „Madonna mit Kind“. Zwei Tryptichen, zur Kreuzigung und zur Beweinung Christi, sind im Museum De Lakenhal, dem Kunstmuseum der Stadt Leiden, zu sehen. Weitere Bilder hängen in Utrecht, Antwerpen, Amsterdam, Dresden, Wien, Gent und Berlin.

 

Verweise:

https://artsandculture.google.com/entity/m025xzlv?categoryid=artist
https://web.archive.org/web/20131029211710/http://www.getty.edu/art/gettyguide/artMakerDetails?maker=695
https://www.sammlung.pinakothek.de/en/artist/nQm452yxNo/cornelis-engebrechtsz
https://rkd.nl/en/explore/artists/26280
http://www.artcyclopedia.com/artists/engebrechtsz_cornelis.html
https://www.deutsche-biographie.de/sfz98496.html
https://www.newadvent.org/cathen/05431a.htm
https://www.kettererkunst.de/lexikon/leidener-schule.php

Cornelis Engelbrechtsen, Begründer der Leidener Schule https://art-depesche.de/images/Beweinung_Christi.jpg Ruedi Strese