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Gerbrand van den Eeckhout „Der Levit bei Gibeah“ (Öl auf Leinwand, 1640er Jahre, Nationalgalerie Washington)

Berlin - Meister Rembrandt hatte zu seinen Hochzeiten eine florierende Werkstatt mit zahlreichen Schülern, darunter Gerard Dou, Ferdinand Bol, Carel Fabritius, Govert Flinck und, als einen der begabtesten und wohl seinen liebsten, Gerbrand van den Eeckhout. Seine früheren Werke stehen ganz im Bann des übermächtigen Lehrers, später ging er eigene Wege, wobei deren Erfolg umstritten ist.

Da auch Rembrandt zu Lebzeiten nur geborene Menschen als Schüler annehmen konnte, begab Eeckhout sich 1621 auf die Welt, und zwar in Amsterdam, als Sproß einer vor religiöser Verfolgung aus den spanisch-katholischen Niederlanden geflohenen Mennonitenfamile. Der Vater war Goldschmied und kam mit einer nach dem Tod der ersten Frau geschlossenen zweiten Ehe mit einer Kaufmannstochter 1633 zu großem Wohlstand.

Sicher dokumentiert ist Eeckhouts Ausbildung zwar nicht, doch Arnold Houbraken, welchem wir einen großen Teil unseres Wissens über das Goldene Zeitalter der Niederländischen Malerei verdanken, nannte ihn einen Schüler Rembrandts und sprach von einer großen Freundschaft zwischen Schüler und Meister.

Diese Lehrzeit dürfte zwischen 1635 und 1640 gelegen haben. Eeckhout imitierte die Art seines Meisters mit außerordentlichem Erfolg; oft wurden seine frühen Gemälde, zumeist biblische Szenen oder Porträts, für Arbeiten Rembrandts gehalten, und es darf spekuliert werden, ob noch heute manch minderer angeblicher Rembrandt in den Museen und Sammlungen der Welt tatsächlich ein Eeckhout sei.

Mit der Abkoppelung vom Vorbild entwickelte er seine eigene Art; galante Szenen, Musikergruppen, vornehme Gesellschaften wurden ab den 1650er Jahren seine Spezialität. Mit seinen Konversationsstücken beschritt er einen Pfad, welchen wenig später Pieter de Hooch oder Gerard ter Borch vollkommener ausleuchten sollten.

Ob die Abwesenheit des wachsamen Auges Rembrandts Eeckhout gutgetan hat, ist umstritten. Zunehmend gab er die vornehme Zurückhaltung auf, suchte den Effekt im größeren Format und stärkeren Kontrast. Indes werden diese Werke zumindest nicht mehr für Rembrandts gehalten. Geschätzt werden seine nüchternen Porträts, von denen es jedoch nicht viele gab. Der wenig repräsentative Stil schien die Auftraggeber nicht sonderlich anzulocken. Gute Abnehmer fanden hingegen seine Historienbilder.

Neben Gemälden hinterließ Eeckhout Zeichnungen und Radierungen, außerdem versuchte er sich gelegentlich als Poet, so verfaßte er unter anderem ein Gedicht für seinen Freund, den Maler Wilhelm Schellinks. Inwieweit er selbst unterrichtete, ist nicht bekannt; nur ein Schüler ist uns namentlich überliefert. Über diesen, Thomas Peter Binnius, wissen wir allerdings auch nicht viel.

Geheiratet hat Eeckhout nicht, verbrachte jedoch die letzten Lebensjahre mit der Witwe seines Bruders, welcher zu Lebzeiten als Weinhändler und Gildenvorsteher erfolgreich gewesen war. Er starb 1674 in Amsterdam und fand seine letzte Ruhestätte in der Oudezijds Kapel. Seine Bilder finden wir heute unter anderem in Amsterdam, Berlin, Dresden, Warschau, New York, Paris und München.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/gerbrand-van-den-eeckhout/
https://www.lempertz.com/de/kataloge/lot/1049-1/1100-gerbrand-van-den-eeckhout.html
https://www.nationalgallery.org.uk/artists/gerbrand-van-den-eeckhout
https://www.deutsche-biographie.de/sfz98460.html

Der Rembrandt-Schüler Gerbrand van den Eeckhout https://art-depesche.de/images/Der_Levit_bei_Gibeah.jpg Ruedi Strese