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Gillis III. Coninxloo „Waldlandschaft“ (Öl auf Holz, ca. 1600, 56 cm x 85 cm, Kunsthistorisches Museum Wien)

Berlin - Die flämische Malersippe der Coninxloos war außerordentlich mitgliedsreich. Dennoch wissen wir, wenn wir lediglich den Namen „Coninxloo“ lesen, üblicherweise, von wem die Rede ist, nämlich von Gillis III., was daran liegt, daß dieser der mit Abstand bedeutendste Künstler darunter war. Er wurde gar als Erfinder der Waldlandschaft gehandelt, was nicht ganz der Wahrheit entspricht, doch zumindest war er ein bedeutender Pionier dieses Subgenres.

Geboren wurde er 1544 in Antwerpen als Sohn des Malers Jan van Coninxloo, von welchem wir heute kaum noch etwas wissen. Er lernte bei Pieter Coecke van Aelst, Lenaert Kroes und Gillis Mostaert. Seine frühen Arbeiten waren in Bildaufbau und Farbwahl recht typische Weltlandschaften im Stile des nordischen Manierismus etwa eines Pieter Breughel dem Älteren, Phantasiewelten, wobei jedoch bereits ein Hang zur detaillierten Darstellung von Bäumen im Vordergrund festzustellen ist.

Als einschneidend erwies sich allerdings eine Reise nach Frankreich, welche ihm ein neues Gefühl für die Landschaft vermittelte. Die folgenden Jahre seines Lebens arbeitete er daran, dieses Gefühl auf seine Tafeln zu übertragen. Es entstanden für seine Zeit recht ungewöhnliche Nahansichten von Waldstücken.

Ganz neu war das Motiv nicht; Albrecht Altdorfer und die Donauschule hatten es rund 100 Jahre zuvor bereits entdeckt, doch gingen Coninxloo und die Geistesverwandten unter seinen Zeitgenossen noch naturalistischer vor, verzichteten etwa freimütiger auf Alibi-Staffage und fanden wirklichkeitsnähere Farben. Oft war fast der gesamte Bildraum von Bäumen angefüllt, mit lediglich einer Lichtung im Zentrum. Die Herangehensweise ist atmosphärisch nur insofern, als das Motiv selbst diese Atmosphäre in sich trägt.

Nach der Rückkehr nach Antwerpen trat er 1570 der örtlichen Lukasgilde bei, floh jedoch 1585, als die Spanier die Stadt belagerten, nach Middelburg in der südwestniederländischen Provinz Zeeland, anschließend weiter nach Frankenthal in der Pfalz, wo er bis 1595 bleiben sollte. Hier hatte sich eine ganze Gruppe flämischer Maler versammelt, darunter auch Anton Mirou und Pieter Schoubroeck; auf sie wird bisweilen als „Frankenthaler Schule“ referiert.

Nach der Zeit in Frankenthal zog Coninxloo weiter nach Amsterdam, wo er 1597 das Bürgerrecht erhielt und bis zu seinem Tod 1607 lebte. Er war ein äußerst angesehener Maler, dessen Bilder als Kupferstiche weite Verbreitung fanden, und der selbst zahlreiche Schüler hatte und auch darüber hinaus das Werk unzähliger jüngerer Künstler inspirierte, darunter so prominenente Männer wie Pieter Schoubroeck, Roelandt Savery, Joos de Momper oder Jan Breughel den Älteren; allerdings wird der Einfluß auf die großen niederländischen Landschafter mittlerweile mehr als eine Übermittlung im Flandern seiner Zeit umgehender Ideen denn als eigene Erfindung betrachtet. Bedeutende Werke finden wir heutzutage unter anderem im Kunsthistorischen Museum sowie im Liechtenstein Museum (beide in Wien), im Prado oder in der Eremitage in Sankt Petersburg.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/gillis-van-coninxloo-iii/
https://www.dorotheum.com/de/l/3376697/
https://www.frankenthal.de/sv_frankenthal/de/Homepage/Kultur und Bildung/Stadtgeschichte/Frankenthaler Köpfe/Cooninxloo, Gillis van/coninxloo.pdf
http://www.getty.edu/art/collection/artists/874/gillis-van-coninxloo-flemish-1544-1607/
https://www.wga.hu/frames-e.html?/html/c/coninxlo/index.html

Gillis III. Coninxloo - Pionier der Waldlandschaft https://art-depesche.de/images/Waldlandschaft.jpg Ruedi Strese