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Bronzino „Bildnis von Stefano Colonna“ (Tempera auf Holz, 1546, 125 cm x 95 cm, Palazzo Barberini, Rom)

Berlin - Zum Bewunderer Bronzinos ist der Schreiberling der ART DEPESCHE wohl in italienischen Museen geworden, in Rom, Mailand und Parma. Die Bestände an Renaissance und Manierismus sind dort gewaltig, und zahlreich sind die Namen der Künstler. Langsam nur erschließt sich diese Welt dem Laien, und wie einen vertrauten Freund mag er einen Künstler sehen, dessen Werk sich durch einen prägnanten Individualstil deutlich abhebt. „Ein Bronzino!“ wurde zum freudigen Ausruf in Galerien alter italienischer Meister. Freilich ist Individualität allein nicht alles. Nun, werfen wir also einen Blick auf Leben und Werk eines großen Porträtmalers ...

Agnolo di Cosimo di Mariano, genannt Bronzino (spekuliert wird, ob er dies einem dunkleren Teint oder rötlichem Haar zu verdanken hatte), wurde 1503 in Monticelli geboren, heute ein Stadtteil von Florenz. Er soll aus ärmlichen Verhältnissen stammen, hatte jedoch das Glück, ihm gewogene Meister und Mäzene zu finden.

Nach einer Ausbildung als Anstreicher arbeitete er zunächst bei Raffaelino del Garbo, dann traf er auf Jacopo da Pontormo, welcher seinerseits Schüler von Leonardo da Vinci und Andrea del Sarto gewesen war. Pontormo, der menschenscheue Meister des frühen Florentiner Manierismus, soll Bronzino wie einen Sohn geliebt haben, und wurde auch dessen wichtigstes Vorbild.

Auch lange nach Abschluß der Lehrzeit arbeiteten Schüler und Meister oft zusammen, vor allem an Fresken, und die Anteile der beiden sind oft nicht ganz klar. Pontormo sorgte auch dafür, daß Bronzino (nach einem zweijährigen Aufenthalt am Hof in Urbino) bei seinem wichtigsten Mäzen, dem Herzog Cosimo I. de' Medici, 1533 als Hofmaler in Lohn und Brot kam.

Der Herzog war ein kunstsinniger Mann, der gerne Maler, Dichter und Denker um sich versammelte; er ließ sich mehrfach von Bronzino porträtieren. Dieser blieb fast sein ganzes Leben in Florenz, unterbrochen lediglich von Aufenthalten in Rom 1546-47, wo er die Werke Michelangelos studierte, und in Pisa 1564-65.

Bronzino malte religiöse Bilder, Fresken, Vorlagen für Wandteppiche; eine Erfolgsgeschichte wurden jedoch vor allem seine einzigartigen Porträts der Medici und anderer prominenter Personen, wobei festzustellen ist, daß der Erfolg ihm eine eigene Werkstatt mit mehreren Mitarbeitern, darunter seinem späteren Adptivsohn Alessandro Allori, ermöglichte. Manche seiner Bilder malte er mehrfach, bzw. ließ er von seinen Schülern kopieren; auch hier ist die genaue Zuschreibung, was nun wirklich Bronzino ist, vielfach ungeklärt.

Der Stil ist unverkennbar. Die Figuren sind sehr in ihrer Länge betont, bzw. - eben manieristisch - überbetont, die Ausstrahlung ist ruhig und kühl, höfisch bis abweisend; sie sind vornehm gekleidet. Die Linien sind klar, sogar hart. Bronzino bedient sich eindeutiger und starker Lokalfarben ohne Anpassung an Umgebung und Lichtverhältnisse, was zum leicht fremdartigen Charakter beiträgt. Dennoch sind die Bilder auf ihre eigene Art ausgesprochen schön.

Bronzino soll, diese Überlieferung verdanken wir vor allem seinem Zeitgenossen Giorgio Vasari, ein außerordentlich gebildeter und schöngeistiger Mensch gewesen sein, zudem von bescheidenem, sanftmütigem Wesen, freigiebig und umgänglich; nie vergaß er seine eigene Herkunft aus einfachen Verhältnissen. Die verdiente Anerkennung war ihm bereits zu Lebzeiten vergönnt. Noch wenige Monate vor seinem Tod 1572 wurde ihm der Titel des Konsuls der Florentiner Akademie der Künste verliehen; seine Beisetzung erfolgte in der Kirche San Cristoforo in Florenz.

Heute zieren seine Gemälde zahlreiche Museumswände; herausragende Bronzinos finden sich unter anderem in der Berliner Gemäldegalerie, im Palazzo Barberini in Rom, in der Pinacoteca di Brera (Mailand) und natürlich in den Uffizien zu Florenz. Auch die Laien unter unseren Lesern werden einen Bronzino schnell als solchen erkennen. Wetten?

 

Verweise:

http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Bronzino,+Angelo
https://www.nationalgallery.org.uk/artists/bronzino
http://www.worldsbestpaintings.net/artistsandpaintings/painting/7/
https://libmma.contentdm.oclc.org/digital/collection/p15324coll10/id/187505
https://www.britannica.com/biography/Il-Bronzino
https://artinwords.de/bronzino/
https://www.barnebys.de/blog/bronzino-der-geniale-portraitist

Bronzino, Porträtist des Florentiner Manierismus https://art-depesche.de/images/Bildnis_von_Stefano_Colonna.jpg Ruedi Strese