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Lucas van Leyden „Die Schachpartie“ (Öl auf eichenholz, ca. 1508, 28,1 cm x 36 cm, Gemäldegalerie Berlin)

Berlin - Giorgio Vasari, der erste große Kunsthistoriker, schätzte ihn höher als Dürer, und auf jeden Fall war er einer der bedeutendsten Maler und, neben Dürer, der berühmteste Druckgraphiker des frühen 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen. Die Rede ist von Lucas Hughensz van Leyden. Werfen wir also einen Blick auf Leben und Werk dieses frühen niederländischen Meisters!

Zur Welt kam er 1494 in Leiden; sein Vater und erster Lehrer war der Maler Hughe Jacobsz. Es sind frühe Gemälde und Stiche des Jungen erhalten, welche schon ein erstaunliches Talent verraten. Nach dem Tod des Vaters setzte er seine Lehre bei dem erst kürzlich auf unserer Seite porträtierten Cornelis Engelbrechtsen, dem ersten großen Maler aus Leiden, fort.

Der Einfluß Engelbrechtsens ist in frühen Bildern wie der als recht gesichert zugeschrieben geltenden „Schachpartie“ in der Gemäldegalerie Berlin von 1508 noch recht deutlich. Aus dem selben Jahr stammt auch der Stich „Mohammed und der ermordete Mönch“. Hier tritt uns bereits ein reifer und seines Tuns sicherer Künstler entgegen. Bedenken wir, daß Lucas damals erst etwa 14 Jahre alt war, eine schier unglaubliche Leistung!

Bald entwickelte er allerdings seinen ganz eigenen, revolutionären Stil, welcher sich durch starke Betonung der Fläche und weitgehende Reduktion auf die Lokalfarben auszeichnete, zu sehen etwa in „Potiphars Weib zeigt Josephs Gewand“ (um 1512). Neben den Gemälden entstand bereits ein gewaltiger Fundus an Druckgraphiken, welche zu den bedeutendsten ihrer Zeit gezählt werden, darunter die beiden Holzschnitt-Serien „Die Macht der Frauen“.

Als Albrecht Dürer 1520/21 in Antwerpen weilte, reiste Lucas eigens dorthin, um den etwa 20 Jahre älteren Meister kennenzulernen, und tatsächlich entstand aus dieser Begegnung eine Freundschaft. 1522 trat er der Antwerpener Lukasgilde bei. Der Einfluß Dürers sollte sich in Folge noch stärker in seinem Werk niederschlagen, zu Gunsten der Gefälligkeit und Reife, zu Lasten der Originalität. Auch die Stiche des Italieners Marcanton sollten zu einer Inspirationsquelle werden.

Eine enge Verbindung bestand zu Jan Gossaert, auch bekannt als Mabuse, einem weiteren großen Meister der Epoche, der ebenfalls das Schaffen Lucas' inspirierte. Mit ihm zusammen bereiste er 1527 Belgien. Beide waren Berühmtheiten und wurden als solche gefeiert. Allerdings erwarb Lucas wohl bei jener Reise auch eine Krankheit, die ihn für die folgenden Jahre bis zu seinem Tod in Leiden 1533 ans Bett fesselte.

Dennoch war er schöpferisch tätig, er zeichnete, stach Kupferplatten und konnte 1531 gar noch ein Ölgemälde, „Christus heilt den Blinden“ (zu sehen in der Eremitage in Sankt Petersburg) vollenden. Insgesamt gelten 17 erhaltene Gemälde, zumeist Genreszenen und religiöse Arbeiten, als einigermaßen sichere Zuschreibungen.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/lucas-van-leyden/
https://art-depesche.de/malerei/746-cornelis-engelbrechtsen,-begründer-der-leidener-schule.html
https://www.staedelmuseum.de/de/ausstellungen/lucas-van-leyden-148994-1533
https://www.metmuseum.org/art/collection/search#!?q=Lucas%20van%20Leyden&perPage=20&sortBy=Relevance&offset=0&pageSize=0
https://www.rijksmuseum.nl/nl/zoeken?v=&s=&q=lucas van leyden&ii=0&p=1
https://www.britannica.com/biography/Lucas-van-Leyden

 

Lucas van Leyden, Maler und Druckgraphikeraus Dürers Zeit https://art-depesche.de/images/Die_Schachpartie.jpg Ruedi Strese