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Franz Xaver Lampi „Porträt von Julia Leo“ (Öl auf Leinwand, 1845, 75,7 cm x 60,5 cm, Nationalmuseum Krakau)

Berlin - An der Wiege der Malerei in Polen standen zahlreiche Ausländer, vor allem Deutsche. Erst das 19. Jahrhundert brachte, im Rahmen der nationalen Bewegung, eine bedeutendere autochthone Künstlerschar hervor. Franz Xaver Lampi war italienischer Abstammung, spielte jedoch in dieser Entwicklung nicht nur als Kunstschöpfer, sondern auch als Lehrer polnischer Künstler eine große Rolle.

Geboren wurde Franz Xaver Ferdinand Lampi, polnisch Franciszek Ksawery Lampi, 1782 in Klagenfurt am Wörthersee. Sein Vater und erster Kunstlehrer war der aus Romeno in Südtirol stammende Porträtmaler Johann Baptist Lampi der Ältere (1751–1830), welcher in Polen, wo er zeitweise am Königshof tätig war, als Jan Chrzciciel Lampi bekannt wurde; auch der Großvater Matteo Lampi war bereits Maler gewesen. Maler werden sollte auch Franz' älterer Bruder Johann Baptist der Jüngere (1775–1837).

Über seine Biographie gibt es einige Unklarheiten, weshalb wir nur ganz grobe Züge wiedergeben. Er studierte wohl ab 1799 an der Wiener Akademie der Bildenden Künste bei Heinrich Füger und Hubert Maurer, welche beide einen akademischen Klassizismus vertraten. Eine durch den Vater erzwungene frühe und unglückliche Ehe wurde zur Quelle eines Zerwürfnisses, welches in der fluchtartigen Abreise des jungen Mannes und schließlich seiner Enterbung gipfelte.

Nach Reisen durch Deutschland und Italien kam er 1815 nach Warschau, welches für den Rest seines Lebens sein Hauptwirkensort bleiben sollte, unterbrochen durch einen längeren Aufenthalt als Kunstlehrer in Krakau sowie Reisen durch die polnischen, litauischen und deutschen Lande.

In Polen kam ihm jedenfalls der gute Ruf seines Vaters zupaß. Er wurde ein beliebter Maler der gehobenen Gesellschaftsschichten, der mehrfach auf dem Warschauer Salon ausstellen konnte. Der größte und erfolgreichste Teil seines Werkes waren Porträts, nicht zuletzt ästhetischer junger Damen mit sehnsuchtsvollem Blick.

Seine technischen Fähigkeiten waren dabei außerordentlich, der Stil war spätromantisch, gefällig und weich, inspiriert durch Salvator Rosa, mit einer gewissen Verwandtschaft vielleicht auch zu Francesco Hayez. Neben den Porträts schuf er einige religiöse Bilder und wildromantische, dramatische Landschaften.

Während seiner Jahre in Polen hatte er zahlreiche Schüler, 1841 konnte er gar in Warschau seine eigene Kunstschule eröffnen. Unter den bedeutendsten Malern, welche ihr Handwerk bei Lampi gelernt hatten, waren Wojciech Korneli Stattler und Piotr Michałowski, welche beide der romantischen Art des Lehrers folgten.

Als es 1852 in Warschau zu einem Cholera-Ausbruch kam, starb dort auch Franz Xaver Lampi, vermutlich erlag er eben dieser Seuche. Seine Werke befinden sich heute in verschiedenen Zweigstellen des polnischen Nationalmuseums, vor allem in Warschau, doch auch in Krakau und Posen, außerdem in der Mykolo-Žilinsko-Kunstgalerie in Kaunas, Litauen.

 

Verweise:

http://www.pinakoteka.zascianek.pl/Lampi_F_K/Index.htm
https://www.biographien.ac.at/oebl_4/420.pdf
https://www.dorotheum.com/de/l/1858892/

Franz Xaver Lampi - ein italienischer Romantiker in Polen https://art-depesche.de/images/Portraet_von_Julia_Leo.jpg Ruedi Strese