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Johann Geyer „Ein Haus brennt“ (Öl auf Leinwand, 1842, 20 cm x 18,5 cm, Privatsammlung)

Berlin - Das 19. Jahrhundert war mit einer ganzen Heerschar fähiger Maler gesegnet, und so stellt sich die Frage, warum wir ausgerechnet einen recht unbekannten Hinterbänkler wie Johann Geyer vorstellen. Allerdings haben wir die Antwort in gewisser Weise schon vorweggenommen: gerade, um zu zeigen, wie zahlreich die Talente waren, und wie verbreitet technisches Geschick. Ein unerschöpflicher Fundus für unsere biographische Reihe, welche, solange der Besuch von Ausstellungen nicht oder nur unter extremen Auflagen möglich ist, den Schwerpunkt auf dieser Seite bilden wird.

Geboren wurde unser Mann, Johann Wilhelm Rudolf Geyer, 1807 in Augsburg, einer Stadt, welche bereits die große Malerfamilie der Rugendas mit ihrem bedeutendsten Sproß, dem Reisemaler Moritz Rugendas (sicher demnächst einmal auf der ART DEPESCHE vorgestellt), hervorgebracht hatte.

Ansonsten sind die uns verfügbaren biographischen Angaben recht spärlich. 1826 begann er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München; sein Lehrer war Clemens von Zimmermann (1788-1869), ein gleichsam weitgehend vergessener Romantiker aus der Düsseldorfer Schule, welcher den Nazarenern um Peter von Cornelius nahestand.

(Sie sehen, lieber Leser, wie der Verfasser es schafft, schon drei Absätze für einen Artikel über Geyer zu schreiben, ohne viel über ihn selbst zu sagen - dies entschuldigen wir mit der Dürftigkeit der uns vorliegenden Informationen). 1830 führten ihn Reisen durch Belgien und Frankreich, wo er wohl seine Neigung zu Elementen des Rokoko entdeckte, und 1833 wurde ihm eine Professur an der Kunstabteilung des Polytechnikums Augsburg verliehen.

Er war kein typischer Romantiker, sondern eher ein akademischer Maler mit starken altmeisterlichen Bezügen, ohne jedoch einem repräsentativ überhöhten Klassizismus zu huldigen. Stattdessen bevorzugte er, wie einige in München geschulte Künstler seiner Zeit, ein Metier, welches im Goldenen Zeitalter der Niederländischen Malerei seine erste große Blüte erlebt, nämlich die Genremalerei.

Neben niederländischen waren englische Einflüsse erkennbar, prägnantes Beispiel dafür ist „Die Testamentseröffnung“ (zwischen 1830 und 1850), eines seiner großformatigen Werke. Es befindet sich in der Villa Oppenheim, dem heutigen Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, als Teil der Dauerausstellung „SammlerStücke – Die Kunstsammlung der Stadt Charlottenburg“ und ist wohl eine bewußte Anlehnung an das gleichnamige Werk des Engländers Sir David Wilkie, welches ab 1825 in der Münchner Pinakothek zu sehen war.

Außer Genreszenen malte er auch Porträts und Historiengemälde. Seine technischen Fähigkeiten sind besonders bei der Darstellung vornehmer Kleidung erkennbar, die Anordnung der Figuren wirkt jedoch oft zu konstruiert, die Körperhaltung manieriert. Bis 1865, dem Jahr der Schließung der Polytechnischen Schule, lehrte er in Augsburg, wo er 1875 auch starb. Die Städtische Kunstsammlung Augsburg verfügt über die größten Bestände Geyerscher Gemälde.

 

Verweise:

https://www.bundesarchiv.de/nachlassdatenbank/viewsingle.php?category=G&person_id=37505&asset_id=42537&sid=2410b67e5de4cfb618142
https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/verwaltung/kultur/kulturfoerderung/kultursponsoring/
http://www.augsburger-gedenktage.de/Gedenken/Geyer.htm

Der Augsburger Genremaler Johann Geyer https://art-depesche.de/images/Ein_Haus_brennt.jpg Ruedi Strese