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Joaquín Sorolla „Strandspaziergang“ (Öl auf Leinwand, 1909, 205 cm x 200 cm, Sorolla Museum Madrid)

Berlin - Nachdem wir eben erst das Glück hatten, unseren Lesern mit Jose Vicente Barrachina Sanchis einen hervorragenden impressionistischen Gegenwartskünstler aus Spanien in einem Interview vorstellen zu dürfen, wagen wir nun den Blick zurück in die Geschichte der spanischen Malerei. Auch dort gab es um 1900 eine impressionistische Strömung, und ihr zwar nicht frühester, doch berühmtester Vertreter war zweifelsohne Joaquín Sorolla.

Um dieses Schicksal erfüllen zu können, mußte Joaquín Sorolla y Bastida freilich erst einmal durch den mütterlichen Leib in diese Welt eintreten, und das geschah 1863 in Valencia. Er erschien also rund 20 Jahre später als die frühen Vertreter der französischen Lichtmalerei um Claude Monet. Der Start war denkbar ungünstig, denn die armen (hinsichtlich ihrer Finanzen ebenso wie ihres Schicksals im Allgemeinen) Eltern fielen, als er erst zwei Jahre alt war, der Cholera zum Opfer. Eine Schwester der Mutter nahm den Jungen bei sich auf.

Deren Mann war Schlosser, und Joaquín sollte in seine Fußstapfen treten. Die Handwerkerschule brachte die glückliche Wende, denn deren Direktor, vom zeichnerischen Talent des Jungen überzeugt, überzeugte seinerseits nun dessen Erzieher, ihm neben der handwerklichen Ausbildung eine künstlerische Erziehung zu gestatten.

Der 15jährige erhielt Zeichenunterricht an an der Real Academia de Bellas Artes de San Carlos de Valencia und ließ sich von frühen spanischen Naturalisten und Impressionisten wie Ignacio Pinazo Camarlech, Emilio Sala Francés und Francisco Domingo y Marqués inspirieren. 1881 besuchte er Madrid und kopierte im Prado Gemälde alter Meister wie Jiusepe de Ribera oder Diego Velázquez.

Bald hatte er erfolgreiche Ausstellungen in seiner Heimatstadt. Ein Stipendium ermöglichte ihm 1885 eine Studienreise nach Rom, wo er bei Francisco Pradilla y Ortiz lernte. Auf einer Reise nach Paris sah er endlich die französischen Impressionisten, was sich nachhaltig in seinem Werk niederschlagen sollte; stark beeindruckten ihn auch Jules Bastien Lepage sowie der Meister des deutschen Realismus, Adolph von Menzel.

1888 ging er schließlich nach Valencia zurück, wo er eine langjährige Bekannte heiratete. 1890 zog das Paar dann nach Madrid; schließlich stellte sich mit Ausstellungsbeteiligungen in Venedig, München, Berlin, Paris und Chicago auch der internationale Erfolg ein. Bald hatte er den Ruf als führender Kopf der modernen Malerei Spaniens. Er malte zunächst vor allem Porträts sowie mythologische und historische Themenbilder.

1899 schuf er eines seiner berühmtesten und zugleich seiner wenigen als sozialkritisch zu verstehenden Werke, das riesige „Trauriges Erbe“, welches kranke Kinder beim Baden in Valencia zeigte. Trotz des düsteren Themas ist es eines der Paradebeispiele für Sorollas meisterliche Behandlung des Lichts; zwei der Vorstudien verschenkte er an die amerikanischen Maler John Singer Sargent und William Merritt Chase, zu deren Stil einige Verwandtschaft besteht. Freundschaftlich verbunden war er auch dem Schweden Anders Zorn, mit welchem er gemeinsam ausstellte.

Er war nun endgültig einer der weltweit angesehensten Maler. Auf der Pariser Weltausstellung 1900 erhielt er eine Ehrenmedaille, nach und nach wurde er zum Ehrenmitglied der Akademien von Valencia, Paris und Lissabon und 1906 gar, nach einer gigantischen Soloausstellung mit nahezu 500 Werken in Paris, zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.

1909 reiste er zu einer Ausstellung nach New York, was ihm den Auftrag für ein Porträt des US-Präsidenten William Howard Taft einbrachte. Zu erwähnen ist auch die Ausgestaltung der Bibliothek der Hispanic Society of America mit 14 großformatigen Gemälden, welche er bis 1919 abschließen konnte.

Er blieb jedoch vor allem seinem Heimatland verbunden, und der Hauptteil seines Werkes waren weiterhin lichtvolle Szenen aus dem ländlichen Alltag Spaniens, vor allem Valencias. In seinen späteren Jahren war er gesundheitlich stark eingeschränkt; an der Eröffnung der von ihm ausgestalteten Bibliothek in New York konnte er ebensowenig teilnehmen wie an der Verleihung des Professorentitels an der Kunstakademie in Madrid. Er starb 1923.

Als 1925 auch seine Frau starb, vermachte diese das gemeinsame Wohnhaus in Madrid mit zahlreichen Arbeiten dem spanischen Staat, unter der Bedingung, dort ein Museum zu eröffnen. Der Staat nahm diese Verpflichtung 1931 an, und dies wiederum führte im Folgejahr zur Eröffnung des bis heute bestehenden Museo; erster Direktor der Institution wurde Joaquín Sorolla García, der Sohn des Malers.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/interview/762-die-farbe-des-lichts-jose-vicente-barrachina-sanchis-im-interview,-teil-2.html
https://sorollapaintings.com/
http://www.culturaydeporte.gob.es/msorolla/inicio.html
https://artfacts.net/artist/x/44286
http://www.kunsthalle-muc.de/ausstellungen/details/joaquin-sorolla/
https://hispanicsociety.org/
https://www.museodelprado.es/en/whats-on/exhibition/joaquin-sorolla-18631923/85db1346-5da6-43ca-807b-028010e8369a

Joaquín Sorolla - Spaniens berühmtester Impressionist https://art-depesche.de/images/Strandspaziergang.jpg Ruedi Strese