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János Vaszary „Die französische Riviera“ (Öl auf Leinwand, 1920, Slowakische Nationalgalerie)

Berlin - Wie ein Geländelauf durch alle Spielarten der französischen Malerei vom mittleren 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert wirkt das Oeuvre des Ungarn János Vaszary. Realismus, Impressionismus, Art Nouveau, Symbolismus, Fauvismus und Expressionismus hat er ausprobiert, sich ganz offen an Arbeiten anderer Künstler orientiert. Mangelnde Eigenständigkeit oder für jeden etwas dabei? Malen konnte er jedenfalls, und für die Entwicklung der ungarischen Moderne hat er unbestreitbar eine bedeutende Rolle gespielt.

Wie einige andere Künstler mußte er vor Beginn seiner Karriere Geburt und Kindheit durchleben, dies geschah 1867 in Kaposvár, etwa 50 km südlich des Balaton. Die Familie war sehr katholisch geprägt; ein Onkel war Erzbischoff von Esztergom.

Sein Studium begann er an der Ungarischen Universität der Bildenden Künste in Budapest bei János Greguss, danach schrieb er sich an der Schule für Dekorative Kunst des Bertalan Székely ein. 1887 ging es schließlich nach München; an der dortigen Akademie lernte er bei Gabriel von Hackl und Ludwig von Löfftz.

Eine Ausstellung der Bilder von Jules-Bastien Lepage beeindruckte ihn derart, daß er sich 1899 nach Paris wandte und sich an der berühmten privaten Académie Julian einschrieb. Der französische Einfluß sollte sein Werk fortan dominieren. Neben Lepage waren Art Nouveau, Vaszary folgte selbst der durch diesen aufgekommenen Plakatgestaltung, und der Symbolismus eines Puvis de Chavannes bedeutende Einflüsse der Frühzeit. In Ungarn beteiligte er sich 1902 an der Künstlerkolonie von Szolnok, auch mit Simon Hollósy und der Kolonie in Nagybánya war er verbunden. In jenen Jahren nahm er auch Einflüsse ungarischer Volkskunst auf. 1905 erstand Kaiser Franz Joseph eines seiner Bilder.

Im Ersten Weltkrieg diente er als Kriegskorrespondent an der serbischen Front, wo auch einige Soldatenbilder entstanden, doch gleich nach Kriegsende ging er wieder nach Frankreich, ließ sich wieder vom Impressionismus inspirieren, und bald auch stärker von der Schule um Henri Matisse, André Derain, Kees van Dongen und Raoul Dufy; für den Einfluß Dufys ist unser Titelbild ein leuchtendes Beispiel. Gerade die farbenfrohen Bilder harmloser Küstenszenen waren indes auch als Therapie traumatischer Kriegserlebnisse zu verstehen. Auch der Expressionismus hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Ab 1920 bis zu seinem Ruhestand 1932 war er Inhaber einer Professur an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste, zu seinen Schülern sollte u.a. Jenö Barcsay zählen. Er beteiligte sich an einer Reihe von Künstlervereinigungen, darunter der „Képzőművészek Új Társasága“, der „Neuen Künstlervereinigung“, deren Akronym „KÚT“ das ungarische Wort für „Fontäne“ ist. 1926 erhielt er den Auftrag zur Dekoration von Mauern des Biologischen Instituts in Tihany.

Bei Beginn seines Ruhestands war er bereits seit längerer Zeit schwer herzkrank. Sein Zustand verschlimmerte sich zusehends, und 1939 beabsichtigte er, die Zeit, die ihm noch vergönnt sein würde, in der kleinen nordungarischen Stadt Tata zu verleben, wo er eine Villa besaß und oft die Sommertage malend verbracht hatte; doch sein plötzlicher Tod in Budapest vereitelte diese Pläne. Dennoch wurde er in Tata beigesetzt, wo eine Straße und eine Grundschule seinen Namen tragen.

 

Verweise:

https://www.sothebys.com/en/artists/janos-vaszary
https://www.hung-art.hu/frames-e.html?english/v/vaszary/index.html
https://www.dorotheum.com/de/l/2703973/
https://www.catplus.de/tiermalerei/janos-vaszary/
http://www.artnet.com/artists/jános-vaszary/
https://art-depesche.de/malerei/157-dezsö-czigány-porträts-und-stilleben-eines-„wilden“-aus-ungarn.html
https://www.hung-art.hu/tours/landscap/szolno_e.html

János Vaszary: ungarische Moderne https://art-depesche.de/images/Die_franzoesische_Riviera.jpg Ruedi Strese