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Marinus van Reymerswaele „Der Geldwechsler mit seiner Frau“ (Öl auf Eichenholz, 1539, 83 cm x 97 cm, Prado, Madrid)

Berlin – Kurz nach Ende einer ersten Einzelausstellung, namentlich im Prado zu Madrid, welcher über den größten Bestand an Werken dieses Malers verfügt, stellen wir ihn unseren Lesern vor: Marinus van Reymerswaele. Denken Sie sich also ruhig, wir hätten früher darüber geschrieben, und Sie seien deshalb eigens nach Madrid gereist. Ach ja: Es geht in diesem Text um einen der Mitgebärer der Genremalerei der niederländischen Renaissance.

Wie bei so manchem der Alten Meister finden sich recht abweichende biografische Angaben, angefangen beim Geburtsjahr, welches zwischen 1490 und 1497 gelegen haben dürfte, sofern zumindest eine der von uns gefundenen Angaben zutreffend ist. Geburtsort war die im flämisch-niederländischen Grenzgebiet gelegene Stadt Reimerswaal, welche im 16. und 17. Jahrhundert in mehreren Fluten zerstört wurde und heute wieder als rezente Neugründung südlich des ursprünglichen Ortes existiert. Für seine bürgerliche Identität werden zwei Kandidaten angeboten, ein Maler aus Reymerswaal namens Marinus de Seeu sowie ein Moryn Claessone aus Zeeland. Doch könnten diese beiden auch identisch gewesen sein.

Sein Vater war vermutlich Claes van Ziericsee, ein Maler der Antwerpener Lukasgilde, welcher er selbst ab 1509 angehörte; fünf Jahre zuvor soll er bereits als Student an der Universität in Löwen eingeschrieben gewesen sein. Als großes Vorbild durfte stilistisch wie thematisch der Flame Quentin Massys herhalten, ein früher Vertreter der Antwerpener Malerschule.

Zwei Themen bevorzugte Marinus ganz offensichtlich: Das eine waren Darstellungen des heiligen Hieronymus, das andere waren spezialisierte Genreszenen, welche sich mit dem Finanz(un-)wesen befaßten: Geldwechsler, Wucherer, Bankiers, Steuereintreiber; sehr modisch gekleidete Verkörperungen der Habsucht, welche sich großer Beliebtheit erfreuten.

Das Motiv des „Geldwechslers mit seiner Frau“ hatte er ganz ungeniert von Massys übernommen und mehrfach auf die Tafel gebracht, Ausführungen davon finden sich in Kopenhagen, Dresden, Madrid, Florenz, München und Nantes. Allerdings muß man sagen, daß er, obgleich ein sehr guter Maler, an Massys kaum heranreicht, die Darstellungen sind allgemein deutlich gröber und mehr auf den Effekt ausgelegt, die Personen eher Stereotype als Charaktere. Einige religiöse Bilder gehen auf Stiche Dürers zurück.

Die späteren Jahre des Künstlers liegen gleichsam im Dunkeln. Möglicherweise ging er nach Middelburg und beteiligte sich 1566 an einem protestantischen Bildersturm gegen die Westminster-Kirche, denn 1567 wurde dort ein „Marinus Claesson aus Romerswael“ des Ikonoklasmus für schuldig befunden und in die Verbannung geschickt.

Seine eigenen Bilder scheint er dabei zumindest nicht in großem Maßstab zerstört zu haben, denn diese sind recht zahlreich in verschiedenen Museen der Welt zu finden, neben den oben bereits genannten auch in Paris, Sankt Petersburg, London, Wien, New Orleans, Antwerpen, Ghent, Warschau usw. Umso erstaunlicher, daß das Leben Marinus' doch so wenig bekannt ist.

 

Verweise:

https://www.museothyssen.org/en/collection/artists/reymerswaele-marinus-van
http://www.artnet.de/künstler/marinus-van-reymerswaele/
https://artinwords.de/madrid-prado-marinus-van-reymerswaele/
https://www.museodelprado.es/en/whats-on/exhibition/marinus-painter-from-reymerswale/0793672b-d9ff-6bfc-d01a-b7ef3f8859b9

Marinus van Reymerswaele: Maler des „Finanz-Genres“ https://art-depesche.de/images/Der_Geldwechsler_mit_seiner_Frau.jpg Ruedi Strese