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Nikolai Astrup „Klare Juninacht“ (Öl auf Leinwand, 1907)

Berlin - Norwegen erlebte um 1900 in seiner Kunst eine dezidiert naturmystische und neuromantische Strömung, welche sich vornehmlich aus Romantik, Freilichtmalerei, Folklore und Jugendstil speiste. Theodor Kittelsen oder Christian Skredsvig gehörten dazu; diese hatten wir unseren Lesern in früheren Beiträgen bereits vorgestellt. Ein weiterer bemerkenswerter Künstler war Nikolai Astrup. Es fällt schwer, sich dem Zauber seiner Landschaften zu entziehen ...

Geboren wurde er 1880 in Bremanger in der norwegischen Provinz Vestland, verbrachte seine Kindheit jedoch in Ålhus in der Gemeinde Jølster (heute ebenfalls Teil Vestlands), wo sein Vater das Pfarramt innehatte. Die Bedingungen waren elend, und der kleine Nikolai entwickelte Asthma, welches ihn den Rest des Lebens plagen sollte. Da ihm als ältestem Sohn zugedacht war, den Fußstapfen des Vaters zu folgen und ebenfalls Priester zu werden, mußte er von 1895-97 die Domschule in Trondheim besuchen.

Die Berufung des Jungen lag, wir ahnen es bereits, freilich auf anderem Gebiet, er interessierte sich für die bildende Kunst, malte und zeichnete und besuchte die Galerien Trondheims. Norwegen hatte damals von Nationalromantik bis Naturalismus einige bedeutende Künstler zu bieten, darunter Theodor Kittelsen, Gerhard Munthe, Erik Bodom, Knud Baade, Erik Werenskiold usw., und die Begegnungen mit deren Werk stärkten den Willen Astrups, selbst Maler zu werden.

1899 ging er also nach Kristiania, heute Oslo, wo er bis 1901 an der Malschule Harriet Backers lernte; eine erste Ausstellungsbeteiligung bei der lokalen Künstlergesellschaft wurde gut aufgenommen. Anschließend kam er dank eines Reisestipendiums nach Deutschland, wo er Arnold Böcklin für sich entdeckte, und darauf nach Paris; an der privaten Académie Colarossi war es sein berühmter Landsmann Christian Krohg, der ihm Unterricht erteilte.

1902 ging er nach Jølster zurück und ließ sich von der heimischen Umgebung, welche bereits die Kindheitstage geprägt hatte, inspirieren. Er hatte bereits seinen eigenen Stil einer lyrisch-romantischen Landschaftskunst entwickelt. Die Farben waren außerordentlich kräftig, die Linie zeigt Bezüge zur Ornamentik des Jugendstils, bisweilen auch zu Edvard Munch, doch ohne dessen Morbidität; die Atmosphäre der Werke Astrups ist geradezu märchenhaft-verzaubert. 1905 gab es dann die erste Einzelausstellung in Kristiania, welche sowohl bei der Presse als auch bei den Kunstsammlern großen Anklang fand.

Im gleichen Jahr schloß er sich auch der „Gruppe 1“ an, welcher rund 30 norwegische Künstler angehörten, und beteiligte sich an deren Gruppenausstellung in Kopenhagen. Anschließend erhielt er einen Brief des Impressionisten Frits Thaulow, welcher seiner Begeisterung Ausdruck verlieh. Zwei weitere Einzelausstellungen gab es 1908 in Bergen sowie 1911, erneut in Kristiania.

Danach lernte er für kurze Zeit an der Malschule von Lewin Funcke in Charlottenburg, heute bekannt als Stadtteil Berlins, wo Lovis Corinth einer der Lehrer war, auch besichtigte er eine Schau der Berliner Secession. 1913 zog er mit seiner Frau und den Kindern (insgesamt sollten es acht werden) nach Sandalstrand, heute Astruptunet, am Jølstravatn-See bei Ålhus.

Trotz kontinuierlicher gesundheitlicher Probleme war er sehr aktiv und vielseitig interessiert, besuchte zahlreiche Ausstellungen, befaßte sich mit der Produktion von Holzschnitten und wagte schließlich 1922/23 sogar eine ausgedehnte Reise, welche ihn nach Italien und in die nordafrikanischen Kolonien Frankreichs Tunesien und Algerien führte.

Am Anfang des Jahres 1928 reiste er mit seiner Frau nach Førde in Westnorwegen, wo er an der Eröffnung eines Jugendzentrums teilnahm. Die Reise besiegelte allerdings sein Schicksal, denn er bekam eine schwere Lungenentzündung, an welcher er nach wenigen Tagen verstarb. Freunde organisierten darauf eine umfassende Gedenkausstellung in Bergen und Kristiania, welche große Aufmerksamkeit erzielte und Scharen von Besuchern anzog.

Engel Astrup blieb nun als Witwe mit acht Kindern zurück. Glücklicherweise bekam sie Unterstützung der Gemeinde, welche ihr ermöglichte, das Werk ihres Mannes auf eigene Weise zu bewahren, auch wurde der Wohnsitz zu einem Anziehungspunkt für Kunstinteressierte. In Norwegen außerordentlich beliebt, ist Astrup außerhalb seines Landes bis heute kaum bekannt, obgleich die erste Einzelausstellung außerhalb Norwegens, 2016 in London, auf gute Resonanz stieß.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/175-theodor-kittelsen-norwegens-meister-der-mystischen-natur.html
https://art-depesche.de/malerei/713-karl-nordström-schwedischer-landschafter-der-frühen-moderne.html
https://art-depesche.de/malerei/282-christian-skredsvig-–-ein-später-vertreter-der-norwegischen-nationalromantik.html
https://kodebergen.no/en/article/nikolai-astrup-2021
https://www.clarkart.edu/exhibition/detail/nikolai-astrup
https://nikolai-astrup.no/en
https://sfkm.no/astrup-og-astruptunet/

Nikolai Astrup: Verzauberte norwegische Landschaften https://art-depesche.de/images/Klare_Juninacht.jpg Ruedi Strese